Vergleich POF-Kabel und Kupferkabel im Heimnetz
POF oder Kupferkabel im Heimnetz
Wer sein Heimnetz erweitern will, steht vor der Frage: ein klassisches Netzwerkkabel aus Kupfer (Cat 6a oder Cat 7) zu verlegen oder ein POF-Kabel (Polymerfaser)?
Beide führen Netzwerk von Raum zu Raum, gehen die Aufgabe aber verschieden an. Die Entscheidung hängt weniger an der reinen Datenrate als an der baulichen Situation: Kommt man mit einem neuen Kabel überhaupt dorthin, wo es hin soll?
Dieser Artikel vergleicht beide für den typischen Fall der Nachrüstung im bewohnten Bestand – also dort, wo keine Wände offen sind und kein Rohbau mehr genutzt werden kann, um Kabel zu verstecken.
Der entscheidende Unterschied: die Verlegung
Ein Cat-6a- oder Cat-7-Kabel ist mit Stecker rund 12 mm dick. Es sollte möglichst gerade, ohne enge Knicke und mit Abstand zu Stromleitungen verlegt werden. In einem Neubau mit entsprechenden Leerrohren ist das kein Problem. In einer bewohnten Wohnung oder einem Einfamilienhaus heißt es meist: Wände oder Fußleisten öffnen, Kabelkanäle auf Putz setzen oder Leerrohre einziehen.
Genau hier spielt POF ihre Stärke aus. Die Faser ist als Duplex-Leitung nur rund 4 bis 5 mm breit und äußerst biegsam. Sie lässt sich mit einem engen Radius um Ecken führen, hinter Fußleisten klemmen und – der praktische Hauptvorteil – oft durch ein bereits belegtes Leerrohr nachziehen, in dem schon Strom- oder Antennenkabel liegen.
Störfestigkeit: warum POF neben Strom liegen darf
Kupfer überträgt elektrische Signale und wirkt damit wie eine Antenne – es nimmt Störungen auf und gibt sie ab. Deshalb die Empfehlung, Netzwerk- und Stromleitungen zu trennen. Cat 7 ist zwar gut geschirmt und verträgt die Nähe zu 230 V besser als ungeschirmte Varianten, aber die Schirmung will korrekt geerdet sein, und über lange parallele Wege bleibt ein Restrisiko für Störungen.
POF-Kabel überträgt Licht. Eine Kunststofffaser nimmt elektromagnetische Störungen prinzipbedingt nicht auf und strahlt auch keine ab. Sie darf direkt neben einer Stromleitung, einem Motor oder einem Frequenzumrichter liegen, ohne dass die Datenübertragung darunter leidet. Für die Nachrüstung bedeutet dass: Das vorhandene Strom-Leerrohr wird zum nutzbaren Weg, statt ein Tabu zu sein. Nebeneffekt: Zwischen zwei über POF verbundenen Geräten besteht keine elektrische Verbindung – Erdschleifen und darüber eingekoppelte Störungen entfallen. POF sorgt für eine Potentialtrennung.
Konfektionierung: Cutter statt Crimpzange
Ein Cat-Kabel sauber aufzulegen, verlangt Übung und spezielles Werkzeug (Crimpzange): Adernpaare korrekt in die Buchse einlegen, Schirmung anbinden, Stecker crimpen oder Keystone-Module auflegen. Fehler bei der Verdrillung oder Schirmung kosten Datenrate und sind ohne Messgerät nur schwer zu lokalisieren.
POF wird lediglich mit einem einfachen Cutter glatt abgeschnitten und in den steckerlosen Anschluss des Geräts geklemmt (Details siehe POF-Stecker). Kein Crimpen, kein Verdrillen, keine Schirmung. Für Heimwerker senkt das die Hürde erheblich – die häufigste Fehlerquelle bei Kupfer, die schlecht aufgelegte Stecker und Buchse, entfällt. Lesen sie dazu auch Der wichtigste POF-Stecker im Heimbereich ist keiner.
Wo Kupfer klar vorn liegt
Ein ehrlicher Vergleich benennt die Grenzen von POF. In mehreren Punkten ist Kupfer überlegen, und für viele Wohnungen ist es die richtige Wahl:
- Datenrate und Reichweite. Cat 6a trägt 10 Gbit/s über 100 m. POF im Heimbereich erreicht 1 Gbit/s über rund 50 m, darüber sinkt die Rate. Wer mehr als Gigabit am Endgerät braucht, kommt an Kupfer (oder Glasfaser) nicht vorbei.
- Stromversorgung über das Kabel (PoE). Kupfer kann Endgeräte wie Access Points, Kameras oder Telefone über dieselbe Leitung mit Strom versorgen. POF überträgt nur Licht – ein Gerät am fernen Ende braucht eine eigene Stromquelle. Das ist der oft übersehene Nachteil bei der POF-Nachrüstung.
- Verfügbarkeit und Kosten. Cat-Kabel, Buchsen und Werkzeug gibt es in jedem Baumarkt, die Technik ist standardisiert und jeder Elektriker beherrscht sie. POF-Komponenten kommen von wenigen, überwiegend europäischen Anbietern; die Auswahl ist klein und die Preise pro Port liegen höher.
- Verbreitung. Jeder Router, jeder Switch, jedes Endgerät hat einen RJ45-Anschluss. POF braucht an beiden Enden einen Medienkonverter/POF-Konverter, der Licht auf den klassischen RJ45-Anschluss umsetzt.
Fazit: Wann was einsetzen
Die Wahl folgt der baulichen Lage und nicht dem Datenblatt:
POF eignet sich, wenn die Verlegung das Problem ist – wenn keine Wände geöffnet werden sollen, nur belegte Leerrohre oder der Weg an der Stromleitung entlang zur Verfügung stehen, und Gigabit am Endgerät genügt. Der typische Fall: einen oder wenige Räume stabil ans Netz bringen, ohne Baustelle.
Kupfer (Cat 6a/7) eignet sich, wenn ohnehin ein Weg für ein neues Kabel frei ist, wenn mehr als Gigabit gebraucht wird, wenn Geräte über PoE versorgt werden sollen, oder wenn viele Anschlüsse günstig und standardkonform entstehen sollen.
In der Praxis ergänzen sich beide oft: Kupfer als Rückgrat dort, wo es leicht zu verlegen ist, und POF-Netzwerk für die eine schwierige Strecke, an der ein Kupferkabel nur mit Bauaufwand hinkäme.