Backup-Strategie

Eine Backup-Strategie legt fest, wie Daten gesichert werden, damit sie nach einem Ausfall, einem Fehler oder einem Angriff wiederhergestellt werden können. Sie beantwortet vier Fragen: Was wird gesichert? Wie oft? Wo liegen die Kopien? Wie lange werden sie aufbewahrt? Dazu kommt die fünfte, oft vergessene: Wie schnell kommen die Daten zurück, und wurde das ausprobiert?

Eine Sicherung ohne erprobte Wiederherstellung ist nur die halbe Wahrheit. Die meisten Schäden entstehen nicht, weil gar nicht gesichert wurde, sondern weil die Sicherung im Ernstfall unvollständig, beschädigt oder zusammen mit den Originaldaten verloren ist.

Die 3-2-1-Regel

Die bekannteste Faustregel stammt von dem Fotografen Peter Krogh, der sie 2005 in einem Buch über die Verwaltung digitaler Bildarchive beschrieb:

ZahlRegelSchützt vor
3drei Kopien der Daten: das Original und zwei SicherungenAusfall einer einzelnen Kopie
2auf zwei verschiedenen Speichermedien oder Systemengemeinsamem Fehler eines Medientyps
1eine Kopie an einem anderen OrtBrand, Wasser, Diebstahl am Hauptstandort

3-2-1-1-0

Gegen Ransomware reicht die Grundregel nicht mehr, weil Angreifer mit Administratorrechten auch Sicherungen an einem anderen Ort löschen können. Die erweiterte Fassung ergänzt zwei Punkte:

ErgänzungBedeutung
1eine Kopie, die sich nicht verändern lässt: unveränderlich für eine festgelegte Zeit (immutable) oder vom Netz getrennt (Air Gap), etwa ein ausgelagertes Band
0null Fehler bei regelmäßigen Wiederherstellungstests

Arten der Sicherung

ArtSichertVorteilNachteil
Vollsicherungalle DatenWiederherstellung aus einer einzigen Sicherungdauert lange, braucht viel Platz
InkrementellÄnderungen seit der letzten Sicherung jeder Artschnell, wenig Platzzur Wiederherstellung braucht es die Vollsicherung und alle Inkremente danach
DifferenziellÄnderungen seit der letzten VollsicherungWiederherstellung aus Vollsicherung plus einer Differenzwächst bis zur nächsten Vollsicherung
SnapshotZustand eines Speichers zu einem Zeitpunktin Sekunden erstelltliegt auf demselben System, ersetzt keine Kopie anderswo

Moderne Sicherungssoftware kombiniert das: eine Vollsicherung, danach nur noch Änderungen, aus denen sie bei Bedarf eine vollständige Sicherung zusammensetzt. Deduplizierung speichert gleiche Datenblöcke nur einmal und spart so Platz.

Aufbewahrung

Wie lange Sicherungen aufbewahrt werden, hängt von zwei Dingen ab:

Wie spät ein Schaden auffällt. Eine gelöschte Datei fällt manchmal erst nach Monaten auf. Ein Angreifer ist im Schnitt Tage bis Wochen im Netz, bevor er verschlüsselt. Wer nur eine Woche aufbewahrt, hat dann womöglich keine saubere Sicherung mehr.

Vorschriften. Handels- und steuerrechtliche Aufbewahrungsfristen betreffen die Unterlagen selbst, nicht zwingend die Sicherungen. Umgekehrt verlangt der Datenschutz, dass gelöschte personenbezogene Daten nicht beliebig lange in Sicherungen weiterleben.

Verbreitet ist ein gestaffeltes Schema: tägliche Sicherungen für einige Wochen, wöchentliche für einige Monate, monatliche für ein Jahr oder länger.

Medien

MediumStärkeSchwäche
Festplatten im Sicherungsserverschnelle Wiederherstellungim Netz erreichbar, für Angreifer angreifbar
Bandgünstig für große Mengen, ausgelagert vom Netz getrenntlangsame Wiederherstellung einzelner Dateien
Objektspeicher mit Sperrfunktionunveränderlich für eine festgelegte Zeit, auch in der CloudWiederherstellung großer Mengen hängt an der Leitung
Wechseldatenträgereinfach, offlinefehleranfällig, wenn Menschen sie wechseln müssen

Was oft vergessen wird

  • Konfigurationen von Netzwerkgeräten, Firewalls und Hypervisoren
  • Verzeichnisdienst und Zugangsdaten, ohne die nach einem Totalausfall niemand die Sicherung bedienen kann
  • die Sicherungssoftware selbst und ihr Katalog
  • Daten in Cloud-Diensten: Der Anbieter sichert seine Infrastruktur, nicht zwingend die Daten des Kunden gegen dessen eigene Fehler
  • eine Liste, in welcher Reihenfolge Systeme wiederhergestellt werden müssen

Strategie und Ziele

Die Backup-Strategie muss zu den Zielen der Notfallplanung passen. Die Recovery Point Objective bestimmt, wie oft gesichert wird. Die Recovery Time Objective bestimmt, wie schnell die Daten zurückkommen müssen — und damit Medium, Ort und Bandbreite. Eine nächtliche Sicherung auf Band erfüllt keine RPO von einer Stunde und keine RTO von zwei Stunden.

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