BRAS – Broadband Remote Access Server
Abkürzung: BRAS
Der BRAS ist der Einwahlknoten eines Breitbandnetzes: Er nimmt die Verbindungen aller Anschlüsse eines Gebiets an, prüft die Zugangsdaten und verbindet die Kunden mit dem Netz des Anbieters. Für den Kunden ist er die Gegenstelle, mit der sein Router spricht.
Wo der BRAS im Netz sitzt
Zwischen dem Anschluss und dem Kernnetz des Anbieters liegen zwei Stufen. Die erste bündelt die Leitungen: Ein Anschlussmultiplexer fasst die Kupfer- oder Glasfaserleitungen eines Gebiets zusammen und wandelt sie in Ethernet-Verkehr. Diese Stufe kennt keine Kunden, nur Anschlüsse.
Die zweite Stufe ist der BRAS. Hier endet die Einwahlverbindung, hier wird aus einem Anschluss ein Kunde mit Tarif, Adresse und Abrechnung.
Kundenrouter ─ Anschlussmultiplexer ─ BRAS ─ Kernnetz ─ Internet
Ein einzelnes Gerät bedient dabei typischerweise zehntausende Anschlüsse. Das erklärt seine Bauform: ein großer Router mit viel Speicher für Sitzungszustände, weil zu jedem Kunden eine eigene Verbindung verwaltet wird.
Die vier Aufgaben
Anmelden. Die Zugangsdaten werden nicht im BRAS geprüft, sondern an die Nutzerverwaltung weitergegeben. Von dort kommt die Antwort samt der Angaben, mit denen der Kunde zu behandeln ist.
Adresse zuweisen. Der BRAS vergibt die öffentliche Adresse und nennt die Namensserver — bei einer geteilten Anbieteradresse entsprechend eine Adresse aus dem internen Bereich samt Zuordnung am Übergabepunkt.
Weiterleiten. Der gesamte Verkehr des Kunden läuft über dieses Gerät.
Begrenzen und abrechnen. Bandbreite, Verbrauchszähler und Drosselung werden hier umgesetzt.
Was daraus für den Kunden folgt
Dieser Abschnitt erklärt eine Reihe von Erscheinungen, die im Router gesucht werden und dort nicht zu finden sind:
Die Bandbreite des Anschlusses wird hier festgelegt. Die Leitung kann physikalisch mehr tragen; was ankommt, bestimmt das Profil, das aus der Nutzerverwaltung kommt. Eine Tarifumstellung ist deshalb oft nur eine Änderung dieses Profils und wirkt nach einer Neueinwahl.
Die Zwangstrennung geschieht hier. Der BRAS beendet die Sitzung nach einer festgelegten Dauer. Der Router baut sie neu auf und erhält dabei meist eine andere Adresse.
Die Drosselung nach Verbrauch ebenfalls. Der Zähler läuft im Netz des Anbieters, nicht im Router.
Eine Störung kann am BRAS liegen. Wenn viele Anschlüsse eines Gebiets gleichzeitig keine Verbindung aufbauen oder auffällig langsam sind, ist dieses Gerät oder seine Anbindung der naheliegende Verdacht — am eigenen Anschluss ist das nicht unterscheidbar von einem Fehler vor Ort.
Die Nutzerverwaltung
Die Verbindung zwischen BRAS und Kundendatenbank läuft über ein eigenes Protokoll, das drei Dinge liefert: die Prüfung der Anmeldung, die Freigabe der Dienste samt Profil, und die Rückmeldung der Verbrauchsdaten.
Daraus erklärt sich, warum eine falsche Kennung nicht zu einer Fehlermeldung im Router führt, die den Grund nennt: Der BRAS erhält von der Verwaltung nur eine Ablehnung und gibt sie weiter. Welcher Teil der Kennung falsch war, erfährt er nicht.
Die heutige Bezeichnung
Der Begriff stammt aus der DSL-Zeit. Heutige Geräte erfüllen dieselbe Rolle unter dem Namen Breitband-Netzknoten und haben Funktionen hinzugewonnen: die Behandlung mehrerer Zugangsarten am selben Gerät, Dienstgütesteuerung je Kunde, IPv6 neben IPv4 und die Umsetzung geteilter Adressbereiche.
Wer heute Dokumentation liest, findet beide Begriffe für dasselbe Gerät — der ältere beschreibt die Rolle, der neuere den Funktionsumfang.
Abgrenzung
Der Anschlussmultiplexer bündelt Leitungen und arbeitet auf der Ebene der Übertragungstechnik. Er kennt keine Kunden und keine Zugangsdaten.
PPPoE ist das Verfahren, über das die Einwahl läuft; der BRAS ist dessen Gegenstelle.
Bei Anschlüssen ohne Einwahl übernimmt ein vergleichbares Gerät die Adresszuweisung ohne Zugangsdaten — die Rolle bleibt, die Anmeldung entfällt.
CGNAT wird an oder hinter diesem Punkt umgesetzt, wenn der Anbieter öffentliche Adressen teilt.
Quellen
- Broadband Forum TR-101: Migration to Ethernet-Based Broadband Aggregation