Gaslöschanlage
Eine Gaslöschanlage flutet einen geschlossenen Raum mit einem Löschgas, das den Brand erstickt oder ihm die Wärme entzieht. Sie hinterlässt weder Wasser noch Pulver und leitet keinen Strom. Deshalb ist sie im Serverraum und im Rechenzentrum die übliche Lösung.
Ausgelöst wird sie in der Regel automatisch über die Brandmeldeanlage, oft mit vorgeschaltetem Ansaugrauchmelder, und nach einer Vorwarnzeit, in der Personen den Raum verlassen.
Die Löschmittel
| Gruppe | Löschmittel | Wirkung |
|---|---|---|
| Inertgase | Stickstoff (IG-100), Argon (IG-01), Argonite (IG-55), Inergen (IG-541: 52 % N₂, 40 % Ar, 8 % CO₂) | senken den Sauerstoffanteil |
| chemische Löschmittel | FK-5-1-12 (Novec 1230), HFC-227ea (FM-200) | binden Wärme, wirken in niedriger Konzentration |
| Kohlendioxid | CO₂ | verdrängt Sauerstoff, Löschkonzentration ab 34 % |
Inertgas
Der Sauerstoffanteil wird von rund 21 % auf einen Wert gesenkt, bei dem Flammen nicht weiterbrennen. Für Personen gelten nach EN 15004 Grenzen: bis 43 % Löschgas im Raum, entsprechend etwa 12 % Sauerstoff, ohne beobachtete Wirkung (NOAEL); ab 52 %, etwa 10 % Sauerstoff, mit beobachteter Wirkung (LOAEL).
Inertgase brauchen viel Volumen und werden unter hohem Druck in Flaschen gelagert. Beim Fluten steigt der Raumdruck, deshalb sind Druckentlastungsöffnungen Pflicht. Fehlen sie oder sind sie zu klein, kann die Flutung Wände und Türen beschädigen.
Chemische Löschmittel
Sie wirken bei Konzentrationen im einstelligen Prozentbereich und brauchen deshalb wenig Lagerplatz. Beide gängigen Mittel stehen unter Druck:
- FK-5-1-12: 3M hat am 20. Dezember 2022 den Ausstieg aus der PFAS-Herstellung bis Ende 2025 angekündigt, darunter Novec 1230. Der Wirkstoff wird von anderen Herstellern unter eigenen Namen weiter angeboten.
- HFC-227ea: ein fluorierter Kohlenwasserstoff, der unter den Ausstieg aus Fluorgasen fällt.
Für Neuanlagen spricht das zunehmend für Inertgas.
Kohlendioxid
CO₂ löscht zuverlässig, ist aber in Löschkonzentration für Menschen tödlich. In Räumen, die Personen betreten, wird es deshalb kaum noch eingesetzt.
Was die Anlage voraussetzt
Ein dichter Raum. Das Gas muss die Löschkonzentration über eine Haltezeit halten, typischerweise zehn Minuten. Undichte Kabeldurchführungen, offene Doppelbodenöffnungen oder eine nicht schließende Tür lassen die Konzentration zu früh absinken. Die Dichtheit wird mit einem Türgebläsetest (Door Fan Test) nachgewiesen.
Abschaltung der Lüftung. Klimageräte, die Außenluft fördern oder Raumluft abführen, werden bei Auslösung gestoppt.
Schallschutz für Festplatten. Die Düsen erreichen beim Fluten bis zu 130 dB(A). Hersteller bieten für IT-Räume Schalldämpfer an, die das um 20 bis 38 dB(A) senken, weil der Schall drehende Festplatten stören kann.
Abgrenzung
Sprinkler und Wassernebel. Löschen mit Wasser, auch in Rechenzentren im Einsatz, vor allem in großen Hallen. Die Hardware im betroffenen Bereich gilt danach meist als verloren.
Sauerstoffreduktion. Hält den Sauerstoffanteil dauerhaft abgesenkt, sodass ein Brand gar nicht erst entsteht. Vorbeugend statt löschend.
Objektlöschanlage. Schützt ein einzelnes Rack oder Gerät statt des ganzen Raums.
Normen
- DIN EN 15004 – Ortsfeste Brandbekämpfungsanlagen, Löschanlagen mit gasförmigen Löschmitteln
- VdS 2380 – Planung und Einbau von Löschanlagen mit nicht verflüssigten Inertgasen
- VdS 2381 – Planung und Einbau von Löschanlagen mit halogenierten Kohlenwasserstoffen