Serverraum
Ein Serverraum ist ein Raum innerhalb eines Gebäudes, in dem Server, Speicher- und Netzwerktechnik eines Betriebs untergebracht sind. Er ist die verbreitetste Form, IT zu betreiben — die meisten Unternehmen haben einen, und die wenigsten ein Rechenzentrum.
Dabei gilt ein Satz, der die meisten Probleme erklärt: Ein Serverraum entsteht selten geplant. Er wächst in einem Raum, der ursprünglich etwas anderes war.
Serverraum oder Rechenzentrum?
Eine scharfe Grenze gibt es nicht, und wer eine sucht, findet je nach Quelle eine andere. Brauchbar sind drei Fragen:
Ist die Versorgung redundant? Im Rechenzentrum sind Strom und Kühlung mehrfach vorhanden, und zwar so, dass sich jede Komponente im laufenden Betrieb abschalten lässt — siehe konkurrierende Wartbarkeit. Im Serverraum hängt typischerweise alles an einem Strang.
Gibt es Betrieb? Ein Rechenzentrum hat Personal, Wartungspläne, Protokolle und dokumentierte Abläufe. Ein Serverraum wird oft nebenher von der IT-Abteilung mitbetreut.
Ist der Raum für diesen Zweck gebaut? Rechenzentren entstehen um die Technik herum. Serverräume sind meist umgenutzte Büro-, Lager- oder Kellerräume.
Die Antwort hat Folgen, die über Begrifflichkeiten hinausgehen: Ab einer nicht redundanten Nennanschlussleistung von 300 kW greifen Pflichten aus dem Energieeffizienzgesetz. Darunter bleibt ein Raum rechtlich ein Serverraum, unabhängig davon, wie man ihn nennt.
Was gefordert ist
Die häufigste Suche zum Thema lautet sinngemäß „welche Vorschriften gelten“. Die ernüchternde Antwort: Eine DIN-Norm speziell für Serverräume gibt es nicht. Maßgeblich ist ein Geflecht aus Grundschutz, Normen für Teilaspekte und den Anforderungen der eigenen Versicherung.
BSI IT-Grundschutz
Das IT-Grundschutz-Kompendium des BSI ist der praktische Einstieg, weil es Serverräume ausdrücklich mitbehandelt. Entscheidend ist die Wahl des richtigen Bausteins:
- INF.2 „Rechenzentrum sowie Serverraum“ gilt für ausgebaute Serverräume. Rechenzentrum und Serverraum teilen sich diesen Baustein, es gibt keinen eigenen für Serverräume.
- INF.5 „Raum sowie Schrank für technische Infrastruktur“ ist die Alternative für kleine Installationen mit höchstens zwei Servern.
Ergänzend kommen INF.1 für das Gebäude, INF.12 für die Verkabelung und ORP.4 für die Vergabe von Zutrittsrechten hinzu.
Normen daneben
EN 50600 beschreibt Rechenzentrumsinfrastruktur und ist für einen Serverraum keine Pflicht, aber ein brauchbarer Maßstab. Dazu treten EN 62305 für Blitz- und Überspannungsschutz sowie EN 1627 für Widerstandsklassen, wenn es um den Einbruchschutz der Tür geht.
Temperatur und Luftfeuchte
Hier hält sich der hartnäckigste Irrtum: dass ein Serverraum kalt sein müsse.
Die Referenz ist die Empfehlung von ASHRAE für Rechenzentrumsumgebungen. Sie nennt 18 bis 27 °C an der Ansaugseite der Geräte, bei einem Taupunkt zwischen −9 und 15 °C. Die zulässigen Bereiche der Geräteklassen gehen deutlich darüber hinaus.
Maßgeblich ist dabei die Temperatur vor dem Gerät, nicht irgendwo im Raum. Ein Thermometer an der Wand misst etwas anderes als der Server ansaugt.
Wer auf 18 °C fährt, verschenkt Energie ohne Gegenwert. Die Hardware hält 24 °C genauso aus, und die Kühlung arbeitet bei höherer Raumtemperatur spürbar günstiger. Der Grund, trotzdem kühler zu fahren, ist Trägheit: Bei Ausfall der Kühlung bleibt mehr Zeit, bis es kritisch wird — in einem Raum mit hoher Leistungsdichte allerdings nur Minuten.
Zur Luftfeuchte: Zu trocken begünstigt elektrostatische Entladung, zu feucht Korrosion und im Extrem Kondensation. Der BSI-Baustein verlangt deshalb nicht nur das Einhalten der Grenzwerte, sondern auch die fortlaufende Aufzeichnung — eine Messung ohne Protokoll genügt nicht.
Kühlung
Wie viel Kälteleistung nötig ist
Die Rechnung ist einfacher, als sie aussieht: Nahezu die gesamte aufgenommene elektrische Leistung wird zu Wärme. Ein Raum mit 10 kW IT-Last braucht rund 10 kW Kälteleistung, zuzüglich eines Aufschlags für Verluste der USV und für Beleuchtung.
Das macht auch die Herstellerangaben lesbar: Steht im Datenblatt eine Wärmeabgabe in BTU pro Stunde, ist das die Leistungsaufnahme in anderen Einheiten — 1 kW entspricht rund 3.400 BTU/h.
Womit gekühlt wird
Eine gewöhnliche Komfortklimaanlage ist dafür nicht gebaut. Sie ist auf wenige heiße Monate ausgelegt, nicht auf Dauerbetrieb bei konstanter Last, und sie entfeuchtet stärker als nötig. Für den Dauerbetrieb gibt es Präzisionsklimageräte; bei kleinen Räumen sind Splitgeräte in Industrieausführung verbreitet.
Zwei Punkte entscheiden über die Betriebssicherheit:
- Redundanz. Ein einzelnes Klimagerät ist ein Single Point of Failure. Zwei Geräte, die sich abwechseln, halten den Betrieb auch während einer Wartung.
- Rückkühlung im Winter. Das Außengerät muss auch bei Frost arbeiten können. Standardgeräte für Wohnräume können das oft nicht.
Strom
Server und Klimageräte gehören auf eigene Stromkreise, nicht auf die Bürosteckdose nebenan. Eine USV überbrückt kurze Ausfälle und fängt Spannungseinbrüche ab; ohne nachgeschaltete Netzersatzanlage dient ihre Zeit dazu, die Systeme geordnet herunterzufahren.
Zwei Dinge werden regelmäßig vergessen: Die Klimatisierung hängt in vielen Serverräumen nicht an der USV — die Server laufen dann weiter, während die Raumtemperatur steigt. Und die Batterie altert auch ohne Belastung; eine nie geprüfte USV ist im Ernstfall eine Unbekannte.
Wie der Strom im größeren Maßstab verteilt wird, beschreibt Stromversorgung im Rechenzentrum.
Brandschutz
Früherkennung
Ein Schwelbrand an einem Netzteil erzeugt lange Rauch, bevor Flammen entstehen. Rauchansaugsysteme, die ständig Luftproben ziehen, erkennen das weit früher als ein Deckenmelder — und früh genug, um abzuschalten, bevor gelöscht werden muss.
Löschen
Wasser und Elektronik vertragen sich nicht, weshalb in Serverräumen Gaslöschanlagen eingesetzt werden. Dabei ist eine Unterscheidung lebenswichtig:
Inertgase wie Stickstoff oder Argon verdrängen Sauerstoff bis unter die Verbrennungsgrenze. Der Restsauerstoff reicht aus, damit Menschen den Raum verlassen können.
Kohlendioxid löscht ebenfalls, ist in Löschkonzentration aber tödlich. CO₂-Anlagen kommen deshalb nur in Bereichen infrage, die Personen nicht betreten, mit zwangsläufiger Sicherung gegen Auslösung bei Anwesenheit. Für einen Serverraum, den Mitarbeiter betreten, ist CO₂ die falsche Wahl — eine in Suchanfragen überraschend häufige Fehlannahme.
Bauliche Trennung
Wände, Decke und Tür sollen den Raum als eigenen Brandabschnitt ausbilden, üblicherweise mit 90 Minuten Feuerwiderstand (F 90 nach DIN 4102, EI 90 nach EN 13501). Jede Durchführung für Kabel und Lüftung muss diesen Widerstand wiederherstellen — eine ungeschottete Kabeldurchführung macht die ganze Wand wertlos.
Zutritt
Der Raum ist verschlossen zu halten, und der Schlüssel gehört nicht an das Brett in der Hausmeisterloge. Verlangt ist eine nachvollziehbare Vergabe von Zutrittsrechten samt Protokoll — wer wann drin war, nicht nur wer darf.
In der Praxis scheitert es seltener an der Tür als an der Nutzung: Ein Serverraum, in dem auch Putzmittel, Altgeräte und Kartons gelagert werden, ist weder zutrittsgeschützt noch brandschutztechnisch sauber.
Größe und Planung
Eine Formel für die Raumgröße gibt es nicht; sie ergibt sich aus der Zahl der Racks, den nötigen Arbeitsabständen davor und dahinter und dem Platz für Klimageräte und USV.
Als Anhaltspunkte:
- Vor und hinter dem Rack je rund einen Meter freie Fläche, sonst lässt sich nicht arbeiten und die Luft nicht führen.
- Ein Doppelboden ist für Luftführung nützlich, aber keine Pflicht; in kleinen Räumen ist Kabelführung über Kopf oft praktischer.
- Die Tragfähigkeit prüfen, bevor der erste Schrank kommt: Ein voll bestücktes Rack wiegt schnell über 700 kg auf vier Standfüßen.
Die häufigsten Fehler
- Der Raum liegt im Keller unterhalb wasserführender Leitungen.
- Es gibt ein Fenster — Sonneneinstrahlung, Einbruchweg, Brandlast.
- Die Klimatisierung hängt nicht an der USV.
- Temperatur wird gemessen, aber nicht aufgezeichnet.
- Kabeldurchführungen sind nicht abgeschottet.
- Der Raum dient nebenbei als Lager.
Abgrenzung
Rechenzentrum. Redundant versorgt, betrieblich geführt, für den Zweck gebaut. Der Unterschied ist einer des Grades, aber ein erheblicher.
Netzwerkschrank. Ein Schrank statt eines Raums, typisch für Etagenverteiler. Dafür gilt der kleinere Grundschutzbaustein.
Colocation. Die Alternative zum eigenen Raum: Fläche und Leistung im Rechenzentrum eines Betreibers mieten, statt selbst zu bauen.
Normen
- BSI IT-Grundschutz INF.2 – Rechenzentrum sowie Serverraum
- BSI IT-Grundschutz INF.5 – Raum sowie Schrank für technische Infrastruktur
- EN 50600 – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren
- EN 62305 – Blitzschutz
- EN 1627 – Einbruchhemmung: Widerstandsklassen
- DIN 4102 / EN 13501 – Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen