Kabelverzweiger
Abkürzung: KVz
Der Kabelverzweiger ist der Verteilpunkt zwischen dem Hauptverteiler der Vermittlungsstelle und den einzelnen Anschlüssen. Er steht als Kasten im öffentlichen Straßenraum und ist damit das sichtbarste Bauteil des Telefonnetzes.
Ein Kabelverzweiger versorgt je nach Bebauungsdichte einige Dutzend bis mehrere hundert Anschlüsse.
Aufbau des Anschlussnetzes
Das Kupfernetz ist dreistufig aufgebaut:
Vermittlungsstelle
│
Hauptverteiler
│
│ Hauptkabel (viele Doppeladern)
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Kabelverzweiger
│
│ Verzweigungskabel
▼
Abschlusspunkt im GebäudeVom Hauptverteiler führt ein Kabel mit hoher Aderzahl zum Kabelverzweiger. Dort wird es aufgeteilt: Von jedem Kabelverzweiger gehen mehrere kleinere Kabel zu den Grundstücken ab.
Diese Struktur spart erheblich Material. Ohne sie müsste für jeden Anschluss eine eigene Doppelader über die gesamte Strecke bis zur Vermittlungsstelle geführt werden.
Typische Entfernungen liegen zwischen mehreren hundert Metern und einigen Kilometern vom Hauptverteiler zum Kabelverzweiger und zwischen 100 und 800 Metern von dort zum Anschluss.
Ursprünglich passiv
Klassisch enthält ein Kabelverzweiger keine Technik und keine Stromversorgung. Im Inneren befinden sich lediglich Anschlussleisten, auf denen die ankommenden und abgehenden Adern aufgelegt sind, sowie Schaltdrähte, mit denen die Verbindung zwischen beiden hergestellt wird.
Eine Änderung — etwa die Zuordnung eines Anschlusses zu einer anderen Doppelader — erfolgte durch Umstecken dieser Schaltdrähte vor Ort. Der Kabelverzweiger war damit ein reiner Rangierpunkt.
Die Rolle beim FTTC-Ausbau
Mit dem Ausbau nach FTTC hat sich diese Rolle grundlegend geändert. Weil die Datenrate von DSL-Verfahren mit der Kupferlänge sinkt, wird die Übertragungstechnik aus der Vermittlungsstelle an den Kabelverzweiger verlagert.
Dazu wird neben dem vorhandenen passiven Kasten ein zweiter aufgestellt — ein Multifunktionsgehäuse mit Stromversorgung, Klimatisierung und der aktiven Technik. Die Anbindung an das Netz erfolgt über Glasfaser; die Kupferstrecke zum Kunden bleibt bestehen, verkürzt sich aber auf den letzten Abschnitt.
Die vielerorts paarweise stehenden grauen Kästen sind genau das: der alte passive Verzweiger und das später hinzugekommene Technikgehäuse.
Regulatorische Bedeutung
Wettbewerber konnten die Kupferdoppelader nicht nur ab dem Hauptverteiler anmieten, sondern auch ab dem Kabelverzweiger. Das erlaubte ihnen, eigene Technik dort aufzustellen und Anschlüsse unabhängig zu betreiben.
Mit der Einführung von Vectoring kollidierte dieses Modell mit der Technik: Das Verfahren rechnet das Übersprechen zwischen benachbarten Adern heraus und setzt dafür voraus, dass ein einziger Betreiber alle Adern eines Bündels steuert. Mehrere Betreiber an einem Kabelverzweiger schließen sich damit aus.
Der Ausgleich zwischen Ausbaugeschwindigkeit und Wettbewerb an dieser Stelle hat die deutsche Regulierungsdebatte über Jahre bestimmt.
Perspektive
Beim Ausbau auf FTTB oder FTTH verliert der Kabelverzweiger seine Funktion. Die Glasfaser wird an ihm vorbei bis in die Gebäude geführt; als Verteilpunkt für Glasfaser dienen andere, kleinere Bauformen.
Solange Kupferanschlüsse in Betrieb sind, bleiben die Kästen jedoch stehen — und mit ihnen die Technikgehäuse, deren Stromverbrauch und Wartung zum laufenden Aufwand des Kupfernetzes gehören.