Primary Rate Interface

Abkürzung: PRI

Der Primärmultiplexanschluss ist die große Variante des ISDN-Anschlusses. Er bringt in Europa 30 Nutzkanäle und einen Signalisierungskanal über eine Leitung und war jahrzehntelang der Standardanschluss für TK-Anlagen in Betrieben, Hotels, Behörden und Callcentern.

Die deutsche Bezeichnung lautet Primärmultiplexanschluss, abgekürzt PMxA; im internationalen Sprachgebrauch und in Gerätekonfigurationen steht meist PRI.

Wie der PRI aufgebaut ist

Die Grundlage ist ein E1-Strom mit 2,048 Mbit/s nach G.703, der in 32 Zeitschlitze von je 64 kbit/s unterteilt ist:

ZeitschlitzVerwendung
0Rahmensynchronisation und Alarmmeldungen
1–15, 17–3130 B-Kanäle für Gespräche und Daten
16D-Kanal für die Signalisierung

In Nordamerika liegt dem ein T1-Strom mit 1,544 Mbit/s zugrunde, der 24 Zeitschlitze trägt — daraus ergeben sich dort 23 Nutzkanäle plus einen Signalisierungskanal.

Der Leitungscode ist HDB3, die Sicherungsschicht auf dem D-Kanal LAPD, darüber die Signalisierung nach DSS1 am öffentlichen Netz beziehungsweise QSIG zwischen zwei Anlagen. Elektrisch kommt der Anschluss über zwei symmetrische Adernpaare mit 120 Ohm, typischerweise auf RJ45 aufgelegt.

Die Zahl 30 ist dabei nicht fest: Betreiber liefern den Anschluss auch mit weniger freigeschalteten Kanälen, etwa 10 oder 20, bei gleicher Technik. Erweitert wird dann durch Freischaltung, nicht durch neue Leitungen — der betriebliche Vorteil gegenüber einer Reihe von Basisanschlüssen.

Was den PRI vom Basisanschluss unterscheidet

Über die Kanalzahl hinaus gibt es drei wesentliche Unterschiede, und sie sind der Grund für die meisten Konfigurationsfehler bei der Inbetriebnahme:

Nur ein Endgerät. Am PRI hängt genau eine Anlage, nicht ein Bus mit mehreren Geräten. Die Endgerätekennung ist deshalb fest auf TEI 0 eingestellt, während ein Mehrgeräteanschluss sie automatisch zuteilen lässt. Eine Anlage, die auf die falsche Betriebsart eingestellt ist, bekommt Schicht 2 nicht hoch.

Immer Anlagenanschluss mit Durchwahl. Der PRI wird mit einer Anlagenrufnummer und einem Durchwahlbereich betrieben; Mehrfachrufnummern wie am Basisanschluss gibt es nicht.

Taktführung. Eine Seite gibt den Takt vor, die andere synchronisiert sich darauf. Am öffentlichen Netz ist das der Betreiber, bei einer Direktverbindung zwischen zwei Anlagen muss es festgelegt werden. Ist es auf beiden Seiten gleich eingestellt, läuft die Verbindung zunächst und zeigt dann sporadische Fehler — ein Bild, das schwer zu deuten ist, wenn man den Takt nicht im Blick hat.

Der PRI in der All-IP-Welt

Mit der Abschaltung der ISDN-Anschlüsse ist der PRI als Produkt verschwunden. Zwei Erscheinungsformen begegnen einem trotzdem weiter.

Als Rechengröße. Die Kanalzahl des alten Anschlusses ist die Vorgabe für die Zahl der Sprachkanäle am SIP-Anschluss. Ein Betrieb mit einem PRI und 30 Kanälen braucht 30 gleichzeitige Gespräche — und dafür, mit G.711 gerechnet, rund 3 Mbit/s je Richtung nur für Sprache.

Als Schnittstelle am Übergangsgerät. Wo eine funktionierende TK-Anlage keinen SIP-Anschluss beherrscht, sitzt ein Media Gateway zwischen Anlage und Anschluss, das auf der einen Seite SIP spricht und auf der anderen einen PRI nachbildet. Die Anlage merkt davon nichts. Das ist die übliche Lösung, wenn der Austausch der Anlage sich nicht rechnet, und der Grund, aus dem PRI-Schnittstellen weiter verkauft werden.

Bei dieser Umsetzung geht ein Teil der Zusatzdienste verloren oder muss nachgebildet werden — bei QSIG-Verbünden mehr als beim Teilnehmeranschluss.

Abgrenzung

BRI (Basic Rate Interface) ist der Basisanschluss mit 2B+D. Zwei bis vier Basisanschlüsse sind die Alternative zum kleinen PRI, allerdings mit getrennten Leitungen und ohne gemeinsame Kanalreserve.

S2M ist die deutsche Bezeichnung für die Schnittstelle, an der der PRI übergeben wird — das Gegenstück zum S0-Bus des Basisanschlusses.

E1 und T1 sind die Übertragungsstrecken, auf denen der PRI aufsetzt. Der Begriff E1 bezeichnet die Technik, PRI ihre Nutzung als ISDN-Anschluss; dieselbe E1-Strecke kann auch eine Standleitung tragen.

D-Kanal und B-Kanal sind die beiden Kanalarten, deren Verhältnis den Anschluss beschreibt.

Quellen

  • ITU-T I.431: Primary rate user-network interface — Layer 1 specification
  • ITU-T G.703 und G.704: Hierarchische digitale Schnittstellen und Rahmenstrukturen
  • ITU-T Q.921 und Q.931: LAPD und Signalisierung der Schicht 3

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