QSIG – Q-interface signalling protocol

Abkürzung: QSIG

QSIG ist das Signalisierungsprotokoll für die Vernetzung von TK-Anlagen untereinander. Es setzt an der Schnittstelle an, die in der Normung als Q-Referenzpunkt bezeichnet wird — der Punkt zwischen zwei Anlagen eines privaten Netzes —, und daraus stammt der Name.

Der Zweck ist ein Verbund aus mehreren Anlagen, der sich für die Nutzer wie eine einzige verhält: durchgehender interner Rufnummernplan, Weitergabe von Namen und Rufnummern, Rückruf und Umleitung über Standortgrenzen hinweg.

Woher QSIG kommt

Technisch ist QSIG eine Weiterentwicklung von DSS1, dem Signalisierungssystem des ISDN-Teilnehmeranschlusses. Die Nachrichtenstruktur nach Q.931 bleibt erhalten, der Unterbau ist LAPD auf dem D-Kanal eines Primärmultiplexanschlusses.

Der entscheidende Unterschied liegt im Verhältnis der Partner. DSS1 kennt eine klare Rollenverteilung zwischen Teilnehmer und Netz. QSIG verbindet dagegen zwei gleichrangige Anlagen, die beide vermitteln können — es ist ein symmetrisches Protokoll. Dass eine Seite beim Takt die Führung übernimmt und die andere sich synchronisiert, ist davon unabhängig und eine Frage der Konfiguration.

Normiert wurde QSIG zunächst von der ECMA, später übernommen als ISO/IEC-Normen: der Grundruf in ISO/IEC 11572, der Rahmen für Zusatzdienste in ISO/IEC 11582.

Die Zweiteilung: Grundruf und generische Funktionen

Diese Gliederung erklärt, warum QSIG-Verbünde zwischen Anlagen verschiedener Hersteller oft teilweise funktionieren — und genau das ist der Punkt, an dem in der Praxis die Diskussionen beginnen.

QSIG BC (Basic Call) regelt den Grundruf: Verbindung aufbauen, Rufnummer übermitteln, Gespräch beenden. Dieser Teil ist gut normiert und arbeitet herstellerübergreifend meist ohne Nacharbeit.

QSIG GF (Generic Functional Procedures) ist der Transportrahmen für alles darüber. Die Zusatzdienste sind einzeln normiert und werden einzeln umgesetzt:

  • Namensübermittlung des Anrufers und des Angerufenen
  • Gesprächsweitergabe über Standorte hinweg
  • Rufumleitung mit Angabe des ursprünglichen Ziels
  • Rückruf bei Besetzt und bei Nichtmelden
  • Nachrichtenanzeige für Sprachspeicher
  • Path Replacement: Wird ein Gespräch zwischen zwei Standorten weitergegeben, baut die Anlage den Weg neu auf, damit die Verbindung nicht unnötig über den vermittelnden Standort läuft

Ein Hersteller kann den Grundruf vollständig und von den Zusatzdiensten nur einen Teil unterstützen. Das Ergebnis ist ein Verbund, in dem telefoniert werden kann, aber die Namensanzeige fehlt oder eine weitergegebene Verbindung die Leitungen zwischen zwei Standorten dauerhaft belegt. Vor der Planung eines herstellergemischten Verbunds gehört deshalb die Liste der tatsächlich umgesetzten Zusatzdienste auf den Tisch, nicht die Aussage, dass QSIG unterstützt wird.

QSIG und der Weg zu SIP

Mit dem Ende der ISDN-Anschlüsse verliert QSIG seine Trägertechnik. Die Vernetzung mehrerer Standorte läuft heute über SIP-Verbindungen zwischen den Anlagen oder über eine zentrale Anlage mit angebundenen Nebenstellen.

Bei der Umstellung tritt eine Lücke auf, die bei der Planung oft übersehen wird: SIP in seiner Grundform kennt die genannten Zusatzdienste nicht in derselben Form. Weitergabe und Umleitung lassen sich abbilden, die Feinheiten — welcher Name bei einer umgeleiteten Verbindung erscheint, ob der ursprünglich gerufene Teilnehmer mitgeteilt wird, ob der Pfad nachträglich verkürzt wird — hängen an herstellereigenen Erweiterungen und an Kopfzeilen, die beide Seiten gleich auslegen müssen.

Für Übergangszeiten gibt es Umsetzer, die QSIG auf SIP abbilden. Sie lösen den Grundruf verlässlich; bei den Zusatzdiensten bleibt es bei dem, was beide Seiten gemeinsam beherrschen.

Abgrenzung

DSS1 ist das Protokoll am Teilnehmeranschluss, von dem QSIG abstammt. Es ist asymmetrisch, QSIG symmetrisch.

CorNet, CAS und weitere herstellereigene Verfahren haben dieselbe Aufgabe wie QSIG erfüllt, allerdings ohne Normung — und damit nur innerhalb einer Produktfamilie.

LAPD bildet die Sicherungsschicht, über die QSIG-Nachrichten laufen.

PRI ist der Primärmultiplexanschluss, dessen D-Kanal QSIG verwendet, während die B-Kanäle die Gespräche tragen.

SS7 ist das Gegenstück im öffentlichen Netz, zwischen den Vermittlungsstellen der Netzbetreiber.

Quellen

  • ISO/IEC 11572: Private Integrated Services Network — Circuit mode bearer services
  • ISO/IEC 11582: Private Integrated Services Network — Generic functional protocol for the support of supplementary services
  • ECMA-143 und ECMA-165: PISN Circuit Mode Basic Call und Generic Functional Protocol
  • ITU-T Q.931: ISDN user-network interface layer 3 specification for basic call control

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