Telefax
Abkürzung: Fax
Telefax überträgt eine Seite als Bild über die Telefonleitung. Die Technik ist auf analoge Leitungen ausgelegt und ist seit der Umstellung auf IP-Anschlüsse unzuverlässig.
Definition
Beim Fax wird eine Vorlage zeilenweise abgetastet, in Schwarz-Weiß-Punkte zerlegt, komprimiert und als Töne über die Telefonverbindung geschickt. Das Gegengerät setzt daraus wieder ein Bild zusammen.
Maßgeblich ist die Gruppe 3 nach ITU-T T.4 und T.30. T.4 beschreibt, wie die Seite kodiert wird, T.30 den Ablauf der Verbindung. Beide stammen aus den 1980er-Jahren und sind bis heute in Gebrauch.
Übliche Auflösungen sind 98 Zeilen je Zoll im Standardmodus und 196 im feinen Modus. Die Übertragungsrate liegt je nach Leitung zwischen 2400 und 14400 bit/s.
Der Ablauf
Nach dem Verbindungsaufbau handeln beide Geräte aus, was sie können: Rate, Auflösung, Kompression, Papierformat. Danach wird Seite für Seite übertragen und jede einzeln bestätigt.
Eine Fehlerkorrektur ist vorgesehen. Sie fasst die Daten in Blöcke und lässt fehlerhafte wiederholen. Auf einer sauberen Leitung ist das ein Vorteil, über IP kann es dazu führen, dass die Übertragung wegen zu vieler Wiederholungen ganz abbricht. Viele Anleitungen empfehlen deshalb, sie bei Problemen abzuschalten.
Warum Fax über IP schwierig ist
Sprachcodecs sind auf die menschliche Stimme abgestimmt. Sie werfen weg, was für das Ohr unwichtig ist. Faxsignale sind aber genau das: Töne, die Daten tragen und keine Sprache.
Wird ein Fax über einen komprimierenden Codec geschickt, kommt es verfälscht an. Dazu kommen Paketverluste und Laufzeitschwankungen, die bei Sprache kaum auffallen, beim Fax aber den Ablauf zum Abbruch bringen.
Zwei Wege führen daran vorbei.
Unveränderte Übertragung mit G.711. Der Codec komprimiert nicht, die Töne bleiben erhalten. Das funktioniert oft, ist aber empfindlich gegen Paketverluste und muss auf der gesamten Strecke gelten.
T.38. Ein eigenes Verfahren, bei dem die Faxdaten nicht als Ton übertragen werden, sondern als Daten. Die Geräte an beiden Enden sprechen weiterhin Fax, die Umsetzung übernehmen die Zugänge. Das ist die robustere Lösung, muss aber vom Anbieter und von beiden Seiten unterstützt werden.
Beides hilft nicht, wenn die Gegenstelle an einem Anschluss hängt, der es nicht beherrscht. Genau das macht Fax über IP unberechenbar: Es funktioniert mit dem einen Empfänger und mit dem nächsten nicht.
Empfehlungen bei Problemen
- Rate auf 9600 bit/s begrenzen. Langsamere Übertragung ist robuster.
- Fehlerkorrektur abschalten.
- Prüfen, ob der Anschluss T.38 unterstützt, und es verwenden.
- Falls nicht, im Gerät G.711 erzwingen.
- Bei wiederkehrenden Schwierigkeiten auf einen Faxdienst ausweichen, der die Zustellung serverseitig übernimmt.
Verbreitung heute
Fax ist im privaten Bereich weitgehend verschwunden, hält sich aber in Verwaltung, Gesundheitswesen und bei Ämtern. Der Grund ist weniger technischer als organisatorischer Natur: Abläufe und Vorschriften sind darauf ausgelegt.
Beim Umstieg auf einen IP-Anschluss ist das Faxgerät deshalb regelmäßig das Gerät, das Schwierigkeiten macht, zusammen mit Alarmanlagen, Aufzügen und Frankiermaschinen.
Abgrenzung
Fax over IP bezeichnet die Übertragung über IP-Netze, unabhängig vom verwendeten Verfahren.
Gruppe 4 war für ISDN vorgesehen und hat sich nicht durchgesetzt.
Computerfax verschickt ein Dokument direkt aus einer Anwendung, ohne Papier. Technisch läuft dasselbe Verfahren.
Quellen
- ITU-T T.4: Standardization of Group 3 facsimile terminals
- ITU-T T.30: Procedures for document facsimile transmission in the general switched telephone network
- ITU-T T.38: Procedures for real-time Group 3 facsimile communication over IP networks