Teilnehmeranschlussleitung

Abkürzung: TAL

Die Teilnehmeranschlussleitung ist die Leitung zwischen dem Verteiler des Netzbetreibers und dem Abschlusspunkt beim Endkunden. Im Kupfernetz besteht sie aus einer verdrillten Doppelader.

Umgangssprachlich ist sie die letzte Meile — jener Abschnitt, dessen Neubau den größten Teil der Kosten eines Anschlussnetzes ausmacht und der deshalb selten doppelt gebaut wird.

Warum sie reguliert wird

Ein Wettbewerber, der eigene Anschlüsse anbieten will, müsste ohne Zugang zur vorhandenen Leitung zu jedem Kunden eine eigene verlegen. Das ist wirtschaftlich ausgeschlossen — der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum erzielbaren Erlös.

Ohne Regulierung bliebe der Anschlussmarkt deshalb beim Inhaber des Bestandsnetzes, unabhängig davon, wie viel Wettbewerb es bei Diensten und Verbindungen gibt.

Deutschland verpflichtete das ehemalige Monopolunternehmen deshalb früh, Wettbewerbern die Kupferdoppelader zu überlassen — als eines der ersten Länder überhaupt. Der Wettbewerber mietet die physische Leitung, schaltet eigene Technik darauf und betreibt den Anschluss vollständig selbst.

Das monatliche Entgelt dafür wird von der Bundesnetzagentur genehmigt und ist damit eine der wirkungsvollsten Stellschrauben der Marktregulierung: Es bestimmt unmittelbar, ob ein Wettbewerbsangebot kalkulierbar ist.

Zugangsvarianten

Der Zugang ist an mehreren Punkten des Netzes möglich.

Ab dem Hauptverteiler. Die vollständige Leitung von der Vermittlungsstelle bis zum Kunden. Der Wettbewerber stellt seine Technik im Gebäude der Vermittlungsstelle auf.

Ab dem Kabelverzweiger. Nur der letzte Abschnitt vom grauen Kasten im Straßenraum bis zum Kunden. Das erfordert Technik am Kabelverzweiger selbst, verkürzt aber die Kupferstrecke und ermöglicht damit höhere Datenraten.

Daneben bestehen Varianten, bei denen nicht die Leitung selbst, sondern ein darauf aufsetzender Vorleistungsdienst bezogen wird — technisch einfacher, aber mit geringerem Gestaltungsspielraum für den Wettbewerber.

Der Konflikt mit Vectoring

Mit dem VDSL-Ausbau geriet das Modell unter Druck. Vectoring rechnet das Übersprechen zwischen benachbarten Adern eines Bündels heraus und setzt dafür voraus, dass eine einzige Technik alle Adern steuert.

Sobald mehrere Betreiber Technik an denselben Kabelverzweiger stellen, funktioniert das Verfahren nicht mehr. Der physische Zugang zur einzelnen Doppelader und die technisch mögliche Datenrate schließen einander aus.

Die Abwägung zwischen beidem — höhere Datenraten bei einem Betreiber gegen niedrigere bei mehreren — hat die deutsche Regulierungsdebatte über Jahre bestimmt und ist einer der Gründe, warum der Glasfaserausbau hierzulande später einsetzte als in vergleichbaren Ländern.

Bedeutung bei Glasfaser

Mit dem Übergang auf Glasfaser stellt sich die Frage neu. Der Grundgedanke bleibt: Wer ein Anschlussnetz besitzt, an dem kein Vorbeikommen ist, soll es anderen zugänglich machen.

Die Umsetzung unterscheidet sich jedoch. Eine Glasfaser lässt sich nicht ohne Weiteres von mehreren Betreibern gleichzeitig nutzen, und bei einer Anbindung über einen gemeinsamen optischen Verteiler ist eine Zuordnung einzelner Fasern zu Wettbewerbern konstruktiv nicht vorgesehen.

An die Stelle der vermieteten Leitung treten deshalb häufiger Vorleistungsprodukte auf höherer Ebene — mit anderen Freiheitsgraden für den Wettbewerber und anderen regulatorischen Fragen.

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