Universal International Freephone Numbers
Abkürzung: UIFN
Eine UIFN ist eine weltweit einheitliche, für den Anrufer kostenfreie Rufnummer. Sie beginnt mit der Länderkennzahl +800 und besteht danach aus acht Ziffern — insgesamt elf Stellen, ohne Ortsnetz und ohne Landesvorwahl im herkömmlichen Sinn.
Der Zweck ist eine einzige Nummer für ein Unternehmen, die in jedem teilnehmenden Land gleich lautet. Ein Hersteller mit Kunden in zwölf Ländern muss nicht zwölf nationale Gratisnummern drucken, sondern eine.
Wie die UIFN aufgebaut ist
+800 1234 5678 │ └── achtstellige UIFN └─────── Länderkennzahl für den weltweiten Freephone-Dienst
Die 800 ist dabei keine Vorwahl eines Landes, sondern eine von der ITU für einen Dienst vergebene Kennzahl. Der zugehörige Dienst heißt UIFS (Universal International Freephone Service) und ist in der Empfehlung E.152 beschrieben; der Nummernplan selbst in E.169.
Die acht Ziffern sind weltweit eindeutig und nicht geografisch gegliedert. Welches Ziel hinter der Nummer liegt, entscheidet der Betreiber über eine Umsetzung — und diese Umsetzung kann je Herkunftsland unterschiedlich ausfallen, was den praktischen Reiz des Dienstes ausmacht: Dieselbe gedruckte Nummer landet bei der Niederlassung oder im Callcenter der jeweiligen Sprache.
Vergabe und Voraussetzungen
UIFN werden nicht frei gehandelt. Die ITU führt den Nummernraum, die Zuteilung läuft über die nationale Verwaltung — in Deutschland die Bundesnetzagentur — beziehungsweise über einen Anbieter, der den Antrag dort einbringt.
Zwei Bedingungen prägen das Verfahren:
Der Dienst muss in mehr als einem Land erreichbar sein. Eine UIFN für ein einzelnes Land widerspricht dem Zweck der Kennzahl; dafür ist die nationale Gratisrufnummer vorgesehen.
Die Zuteilung ist an die Inbetriebnahme gebunden. Eine reservierte Nummer verfällt, wenn sie nicht innerhalb der Reservierungsfrist in Betrieb genommen wird. Damit soll das Vorhalten attraktiver Ziffernfolgen ohne Nutzung verhindert werden.
Die Nummer gehört dem Teilnehmer, nicht dem Anbieter: Ein Wechsel des Dienstleisters ist möglich, ohne die Nummer zu verlieren — ein wesentlicher Unterschied zu vielen national vergebenen Servicenummern.
Was in der Praxis gegen die UIFN spricht
Hier liegt der Punkt, an dem Erwartung und Realität auseinandergehen, und er gehört in jede Planung:
Die Erreichbarkeit ist nicht universell. Nicht jedes Netz in jedem Land schaltet +800 frei. Fehlt die Freischaltung, erhält der Anrufer eine Ansage oder ein Besetztzeichen — ohne Hinweis darauf, dass die Nummer selbst in Ordnung ist.
Kostenfrei gilt nicht ausnahmslos. Aus Mobilfunknetzen und von Anschlüssen im Ausland fallen teils Gebühren an, auch aus Hotels und von Münzfernsprechern. Die Zusage der Kostenfreiheit bezieht sich auf die teilnehmenden Festnetze.
Die Kosten trägt der Angerufene, und zwar nach Herkunft. Ein Anruf aus einem entfernten Land ist für den Betreiber der Nummer teurer als ein nationaler. Bei breit gestreuter Nutzung ist die Abrechnung entsprechend zu beobachten.
Kein Rückruf, keine Rufnummernanzeige als Ziel. Eine UIFN ist eine Zielnummer. Sie taucht beim Angerufenen nicht als Absender auf und lässt sich nicht als abgehende Nummer verwenden.
Aus diesen Gründen stehen in der Praxis häufig beide Varianten auf derselben Seite: die UIFN als international gültige Angabe und daneben nationale Gratisnummern für die Hauptmärkte.
Abgrenzung
0800 ist die deutsche nationale Gratisrufnummer. Sie ist aus deutschen Netzen kostenfrei erreichbar, aus dem Ausland in der Regel überhaupt nicht — der häufigste Grund, aus dem eine Supportnummer für Kunden jenseits der Grenze unbrauchbar ist.
ITFS (International Toll Free Service) ist das älteste Modell: je Land eine eigene, dort kostenfreie Nummer, die auf dasselbe Ziel führt. Erreichbarkeit und Kosten sind verlässlicher als bei der UIFN, der Auftritt dafür nicht einheitlich.
+979 ist die Kennzahl für den weltweiten Premium-Rate-Dienst, also das kostenpflichtige Gegenstück.
Service-Rufnummern ist der Oberbegriff für Nummern, bei denen die Kosten zwischen Anrufer und Angerufenem anders verteilt sind als beim normalen Verbindungsentgelt.
Quellen
- ITU-T E.169: Application of Recommendation E.164 numbering plan for universal international freephone numbers
- ITU-T E.152: International freephone service
- ITU-T E.164: The international public telecommunication numbering plan
- Bundesnetzagentur: Nummernraum und Zuteilungsregeln für Service-Dienste