Vampire Tap
Der Vampire Tap ist die Anschlusstechnik für 10Base5, das erste Ethernet auf dickem Koaxialkabel. Der Name beschreibt das Verfahren: Ein spitzer Kontaktstift bohrt sich durch den Kabelmantel, bis er den Innenleiter erreicht — wie ein Vampirzahn.
Das Kabel
10Base5 arbeitet mit einem Koaxialkabel von rund 10 Millimetern Durchmesser und 50 Ohm Wellenwiderstand, meist in gelbem Mantel. Daher die bis heute gebräuchlichen Namen Thicknet und Yellow Cable.
Das Kabel ist steif und lässt sich nur in großen Radien biegen. Ein Segment durfte 500 Meter lang sein — daher die 5 in der Bezeichnung — und bis zu 100 Teilnehmer tragen.
Auf dem Mantel sind alle 2,5 Meter Ringe aufgedruckt. Sie markieren die zulässigen Anschlussstellen: Nur dort darf ein Tap gesetzt werden, damit sich die Reflexionen der einzelnen Anschlüsse nicht aufsummieren.
Der Anschlussvorgang
Der Tap wird als zweiteilige Schelle um das Kabel geklemmt. Dann treibt eine Bohrvorrichtung den Kontaktstift durch Mantel, Schirm und Dielektrikum bis zum Innenleiter; kürzere Kontakte greifen gleichzeitig den Außenleiter ab.
Der entscheidende Vorteil: Das Kabel bleibt durchgehend. Der Betrieb läuft während des Anschließens weiter — ein Grund, warum die Technik in Rechenzentren und Fabriken beliebt war, wo man ein Netz nicht für jeden neuen Teilnehmer anhalten konnte.
Am Tap sitzt der Transceiver, auch MAU genannt. Von dort führt ein bis zu 50 Meter langes AUI-Kabel mit 15-poligem Steckverbinder zur Netzwerkkarte.
Der Unterschied zum T-Stück
Der Nachfolger 10Base2 — Thinnet oder Cheapernet — verwendet dünneres, biegsameres Kabel und BNC-Steckverbinder mit T-Stücken.
Dort muss das Kabel aufgetrennt werden: Jeder Teilnehmer sitzt zwischen zwei Kabelenden. Das ist billiger und einfacher, hat aber die bekannte Folge — ein gelöstes T-Stück unterbricht das gesamte Segment, und die Fehlersuche beginnt bei allen Teilnehmern gleichzeitig.
Beiden Varianten gemeinsam ist die Bustopologie mit Abschlusswiderständen von 50 Ohm an beiden Enden.
Warum es verschwunden ist
Mit Fast Ethernet und der sternförmigen Verkabelung über Twisted Pair verlor die Technik ihre Grundlage. Ein Fehler betrifft dort nur noch einen Teilnehmer, nicht das ganze Segment.
Vampire Taps finden sich heute allenfalls in Bestandsanlagen und Museen. Der Begriff hält sich dennoch, weil er die anschauliche Erklärung für ein Prinzip liefert, das anderswo weiterlebt: das Abgreifen eines Signals ohne Unterbrechung der Strecke.