AUI – Attachment Unit Interface

Abkürzung: AUI

AUI ist die Schnittstelle zwischen einem Ethernet-Controller und dem Transceiver, der ihn ans Medium anschließt. Sie stammt aus dem ersten Ethernet-Standard und ist das Urbild eines Prinzips, das bis zu den heutigen SFP-Modulen durchhält: die Trennung von Logik und Medium.

Die Trennung, um die es geht

Im ursprünglichen Ethernet lag das Medium nicht am Gerät, sondern im Raum: ein dickes Koaxialkabel, das durch das Gebäude führte. Angeschlossen wurde nicht der Rechner selbst, sondern ein Transceiver direkt am Kabel — die MAU (Medium Attachment Unit).

Zwischen Rechner und MAU lief das AUI-Kabel, bis zu 50 Meter lang. Der Rechner stand damit irgendwo im Raum, die MAU klemmte am Kabel in der Decke.

Diese Arbeitsteilung hat einen Grund, der heute noch gilt: Der Controller im Rechner muss nichts über das Medium wissen. Er liefert Daten an die AUI, und was daraus auf der Leitung wird — Koaxialkabel, Twisted Pair, Glasfaser — entscheidet die MAU.

Der AUI-Stecker

Die AUI verwendet einen 15-poligen D-Sub-Stecker mit einem Slide Latch statt Schrauben: ein Schieber, der den Stecker mechanisch verriegelt. Die Verriegelung war nötig, weil ein herausfallender Stecker im Shared-Medium-Betrieb die Station stumm machte — und weil an einem AUI-Kabel gezogen wurde, wenn Geräte umgestellt wurden.

Übertragen werden drei Signalpaare — Senden, Empfangen und Kollisionserkennung — sowie die Versorgung der MAU. Die Kollisionserkennung als eigene Leitung ist der sichtbare Beleg dafür, dass hier noch CSMA/CD mit gemeinsamem Medium regierte.

Vom Stecker zum Modul

Mit 10BASE2 und 10BASE-T wanderte der Transceiver in die Netzwerkkarte: Der Anschluss saß direkt am Gerät, die AUI wurde innerhalb des Chips zur internen Schnittstelle. Viele Karten jener Zeit hatten beides — BNC oder RJ45 für den Normalfall, dazu eine AUI-Buchse für den Sonderfall.

Genau diese Buchse war die Medienwahl: Mit einem externen Transceiver am AUI-Port ließ sich dieselbe Karte an Koaxialkabel, Twisted Pair oder Glasfaser betreiben. Ein Gerät, drei Medien, entschieden beim Einstecken.

Damit ist die Linie gezogen, die das Lemma eigentlich erklärt:

GenerationSchnittstelleTransceiver
10 Mbit/sAUIexterne MAU am Kabel
100 Mbit/sMIImeist integriert
1 Gbit/sGMII, SGMIIGBIC, später SFP
10 Gbit/s und mehrXAUI, XFI und NachfolgerSFP+, QSFP

Die Namen wechseln, das Prinzip bleibt: Der Controller spricht eine standardisierte interne Schnittstelle, das Modul macht daraus Licht oder Strom. Wer heute einen SFP-Käfig bestückt, tut dasselbe wie damals der Techniker mit dem Transceiver am AUI-Port — nur kleiner, schneller und ohne Slide Latch.

Wo AUI noch auftaucht

Im Bestand praktisch nicht mehr. Begegnen wird man dem Begriff in der Dokumentation alter Industrieanlagen, in Prüfungsfragen zur Ethernet-Geschichte und als Erklärung dafür, warum die Ethernet-Normen zwischen MAC und PHY so sauber getrennt sind.

Der letzte praktische Nachhall war der AUI-Port an Switches der 1990er Jahre, über den sich eine Glasfaserstrecke oder ein Medienkonverter anschließen ließ — die Funktion, die heute ein Uplink-Slot übernimmt.

Abgrenzung

Die MAU ist der Transceiver, den die AUI anschließt.

Ein Vampire Tap war die mechanische Verbindung der MAU zum durchgehenden Koaxialkabel — angeklemmt, ohne das Kabel zu unterbrechen.

MII ist die Nachfolgeschnittstelle für 100 Mbit/s, GBIC und SFP sind die Modulbauformen, die dasselbe Prinzip für Gigabit und darüber umsetzen.

Ein Medienkonverter verbindet zwei verschiedene Medien und übernimmt damit die Aufgabe, die früher ein Transceiver am AUI-Port erfüllte.

Quellen

  • IEEE Std 802.3: Ethernet, Clause 7 (AUI) und Clause 8 (MAU)
  • IEEE Std 802.3, Clause 22: Reconciliation Sublayer and Media Independent Interface

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