MAU – Multistation Access Unit
Abkürzung: MAU
Die MAU ist der zentrale Verteiler eines Token-Ring-Netzes. Sie löst einen Widerspruch, den die Ringtopologie mitbringt: Logisch läuft das Signal im Kreis von Station zu Station, verkabelt wird aber sternförmig von einem Schrank aus.
Genau diese Umsetzung leistet die MAU — sie bildet den Ring in ihrem Inneren nach und führt zu jeder Station ein eigenes Kabel.
Was die MAU im Token Ring leistet
Jede angeschlossene Station hängt über ein Adernpaar für den Hin- und eines für den Rückweg an einem Anschluss der MAU. Innen sind diese Anschlüsse hintereinandergeschaltet, sodass ein geschlossener Ring entsteht.
Der wichtigste Teil ist dabei ein Mechanismus, der ohne Strom funktioniert: In jedem Anschluss sitzt ein Relais, das den betreffenden Abschnitt überbrückt, solange keine Station angeschlossen oder eingeschaltet ist. Erst wenn eine Station eine Gleichspannung anlegt — das sogenannte Phantomsignal —, zieht das Relais an und schaltet sie in den Ring ein.
Daraus folgt die eigentliche Leistung der MAU: Eine ausgeschaltete oder abgezogene Station unterbricht den Ring nicht. Beim klassischen Ring ohne Verteiler hätte jede Lücke das ganze Netz gestoppt. Mit der MAU fällt die Station heraus und der Ring schließt sich um sie.
Eine passive MAU kommt dabei ohne eigene Stromversorgung aus; die Relais werden von den Stationen gespeist. Typisch waren Geräte mit acht Anschlüssen, dazu zwei weitere — Ring In und Ring Out —, über die mehrere MAU zu einem größeren Ring verkettet wurden.
Verkabelung und Steckverbinder
Die MAU gehört zu der Verkabelungswelt, die IBM mit dem Token Ring eingeführt hat, und die unterscheidet sich von allem, was heute üblich ist:
Typ-1-Kabel mit zwei abgeschirmten Adernpaaren und 150 Ohm Wellenwiderstand, deutlich dicker und starrer als heutige Datenleitungen.
Der IBM Data Connector, auch Hermaphroditenstecker genannt: Er hat keine Stift- und Buchsenseite, sondern passt auf sich selbst. Zwei zusammengesteckte Stecker schließen zugleich den Ring — eine Eigenschaft, die beim Verkabeln praktisch war und optisch unverwechselbar ist.
Spätere Geräte boten auch Anschlüsse für ungeschirmte Leitungen mit RJ45. Dafür war dann ein Media Filter nötig, der die unterschiedlichen Wellenwiderstände anpasste — ein Bauteil, das bei Fehlersuche in Altanlagen gern übersehen wird.
Warum die MAU verschwand
Token Ring war in seiner Zeit technisch überlegen: Durch das Token gab es keine Kollisionen, das Verhalten unter Last war vorhersagbar, und mit 4 beziehungsweise 16 Mbit/s lag er über dem frühen Ethernet.
Verloren hat er trotzdem, und die Gründe betreffen die MAU unmittelbar:
Der Preis. MAU, Typ-1-Kabel und Datenstecker kosteten ein Mehrfaches einer Ethernet-Verkabelung mit Twisted Pair.
Die Verkabelung. Dicke, geschirmte Leitungen mit 150 Ohm passten nicht in die strukturierte Verkabelung, die sich mit 100 Ohm durchsetzte.
Die Entwicklung der Gegenseite. Mit dem Switch verlor Ethernet seine Kollisionen, und mit 100 Mbit/s seinen Geschwindigkeitsnachteil. Danach gab es kein Argument mehr für den höheren Aufwand.
Übrig bleibt die MAU als Begriff in Bestandsdokumentationen und in Prüfungsfragen — und als Beispiel dafür, dass Sterntopologie und Ringlogik zwei getrennte Fragen sind.
Die zweite Bedeutung: MAU im Ethernet
Hier liegt eine Falle. In den Ethernet-Normen bezeichnet MAU (Medium Attachment Unit) etwas völlig anderes: den Transceiver, der am AUI-Anschluss einer Netzwerkkarte sitzt und die Anpassung an das Übertragungsmedium vornimmt — Koaxialkabel, Twisted Pair oder Glasfaser.
Beide Begriffe stammen aus derselben Zeit und derselben Normungswelt. Welcher gemeint ist, erkennt man am Umfeld: Geht es um Token Ring, ist der Ringverteiler gemeint; geht es um Ethernet und AUI, der Transceiver.
Abgrenzung
CAU (Controlled Access Unit) ist die aktive, verwaltbare Variante des Ringverteilers mit eigener Stromversorgung und Überwachungsfunktionen.
Hub ist das Gegenstück in der Ethernet-Welt: ebenfalls ein sternförmiger Verteiler, allerdings mit gemeinsamer Kollisionsdomäne statt eines Rings.
Switch hat beide ersetzt, indem er jedem Anschluss einen eigenen Abschnitt gibt.
Token Ring ist das Verfahren, dessen Verkabelung die MAU trägt.
Quellen
- IEEE Std 802.5: Token Ring Access Method and Physical Layer Specifications
- IEEE Std 802.3, Abschnitte zur Medium Attachment Unit
- IBM: Token-Ring Network Introduction and Planning Guide