VoWiFi – Voice over WiFi
Abkürzung: VoWiFi
VoWiFi verlegt Mobilfunkgespräche in ein beliebiges WLAN. Rufnummer, Erreichbarkeit und Abrechnung bleiben unverändert.
Definition
Voice over WiFi, auch WLAN-Telefonie oder WLAN Call genannt, erlaubt es, mit der Mobilfunkrufnummer über ein WLAN zu telefonieren. Das Gerät baut dafür einen gesicherten Tunnel zum Netz des Mobilfunkbetreibers auf und führt das Gespräch darin.
Am anderen Ende des Tunnels steht dieselbe Plattform, die auch VoLTE bedient. Für das Netz sieht ein Gespräch über WLAN deshalb nahezu genauso aus wie eines über Mobilfunk.
Für den Nutzer ändert sich nichts. Es gilt die gewöhnliche Rufnummer, Anrufe kommen normal an, die Abrechnung läuft über den Mobilfunkvertrag. Eine zusätzliche Anwendung ist nicht nötig.
Wozu es gut ist
Der Nutzen liegt in der Abdeckung. An Orten ohne Mobilfunkempfang, aber mit WLAN funktioniert das Telefon weiter. Das betrifft Keller, Gebäude mit gedämmten Fassaden oder Stahlbeton, und ländliche Lagen am Rand der Versorgung.
Der Zugang ist dabei beliebig. Es muss nicht das eigene WLAN sein, ein Gastnetz oder ein öffentlicher Zugang genügt, sofern er den Aufbau des Tunnels zulässt.
Was im eigenen Netz zählt
Ein Gespräch über WLAN reagiert empfindlicher auf Störungen als eine Datenverbindung. Beim Surfen bleibt eine Unterbrechung von einer Sekunde unbemerkt, im Gespräch ist sie hörbar.
Daraus folgt der wichtigste Punkt für die Praxis: Ein Wechsel zwischen zwei Access Points reicht für eine Lücke oder einen Abbruch. Wer im ganzen Haus telefonieren will, braucht deshalb nicht nur Abdeckung, sondern auch einen sauberen Wechsel zwischen den Access Points. Die Frage nach WLAN-Telefonie ist in der Praxis meist eine Frage nach dem Roaming.
Gleiches gilt für die Bandbreite in der Gegenrichtung. Ein Gespräch braucht wenig, reagiert aber empfindlich auf Verzögerung. Ein ausgelasteter Anschluss ohne Bevorzugung des Sprachverkehrs führt zu abgehacktem Ton, obwohl die Anzeige volle Verbindung meldet.
Wechsel zwischen den Netzen
Bewegt man sich während eines Gesprächs aus dem WLAN heraus, soll die Verbindung an das Mobilfunknetz übergeben werden. Umgekehrt beim Betreten.
Ob das gelingt, hängt vom Betreiber und vom Gerät ab. Nicht jede Kombination beherrscht die Übergabe, und dann bricht das Gespräch beim Verlassen der Wohnung ab.
Ein verwandtes Fehlerbild entsteht am Rand der WLAN-Abdeckung. Das Gerät hält an einer schwachen Verbindung fest, statt auf Mobilfunk zu wechseln, weil es das WLAN weiterhin als verfügbar sieht.
Voraussetzungen und Einschränkungen
Netzbetreiber, Tarif und Gerät müssen den Dienst unterstützen und freigeschaltet haben. Fehlt eines davon, erscheint die Einstellung meist gar nicht erst.
Im Ausland. Je nach Betreiber ist VoWiFi dort eingeschränkt oder gesperrt. Die rechtliche Behandlung solcher Gespräche ist nicht überall geregelt, und manche Länder untersagen sie. Das ist der häufigste Grund dafür, dass die Funktion im Urlaub nicht arbeitet, obwohl sie zu Hause läuft.
Notrufe. Ein Notruf wird über die Standortangabe an die zuständige Leitstelle vermittelt. Im Mobilfunk ergibt sie sich aus der Funkzelle. Über WLAN ist der Standort dem Netz nicht bekannt. Betreiber lösen das über eine hinterlegte Adresse oder schließen Notrufe über WLAN aus und leiten sie auf das Mobilfunknetz um. Wer sich auf VoWiFi verlässt, weil kein Mobilfunkempfang besteht, sollte wissen, wie sein Betreiber das handhabt.
Abgrenzung
VoLTE nutzt dieselbe Plattform, aber das Mobilfunknetz als Zugang.
Gespräche über Nachrichtendienste laufen ebenfalls über WLAN, aber über deren eigene Infrastruktur. Sie nutzen nicht die Rufnummer und sind aus dem Festnetz nicht erreichbar.
Ein Festnetzanschluss über VoIP verwendet dieselben Protokolle, ist aber ein eigener Vertrag mit eigener Rufnummer.
Quellen
- 3GPP TS 23.402: Architecture enhancements for non-3GPP accesses
- 3GPP TS 24.302: Access to the 3GPP Evolved Packet Core via non-3GPP access networks
- GSMA IR.51: IMS Profile for Voice, Video and SMS over untrusted Wi-Fi access
- GSMA IR.92: IMS Profile for Voice and SMS