VoLTE – Voice over LTE

Abkürzung: VoLTE

VoLTE überträgt Telefonate im Mobilfunknetz als IP-Daten. Es löst den früheren getrennten Sprachkanal ab.

Ausgangslage

Mobilfunknetze ab LTE sind reine Datennetze. Einen eigenen leitungsvermittelten Kanal für Sprache, wie ihn 2G und 3G hatten, gibt es dort nicht. Telefonie muss also über dieselbe Technik laufen wie jede andere Übertragung.

In der Anfangszeit von LTE wurde das umgangen, indem das Gerät für ein Telefonat in ein älteres Netz wechselte. Das Verfahren hieß Circuit Switched Fallback. Es kostete mehrere Sekunden beim Verbindungsaufbau und trennte für die Dauer des Gesprächs die schnelle Datenverbindung.

Mit der Abschaltung der 3G-Netze ist dieser Weg entfallen. In Deutschland erfolgte sie 2021.

Funktionsweise von VoLTE

VoLTE überträgt das Gespräch als IP-Daten im Mobilfunknetz. Die verwendeten Protokolle sind dieselben wie in der übrigen IP-Telefonie: SIP für die Signalisierung, RTP für die Sprache.

Verwaltet wird der Dienst von einer Plattform im Netz des Betreibers, dem IP Multimedia Subsystem. Dort liegen die Teilnehmerdaten, dort werden Anrufe vermittelt, und dort greifen die Leistungsmerkmale wie Rufumleitung oder Anklopfen.

Der entscheidende Unterschied zur Telefonie über das offene Internet liegt in der Behandlung des Verkehrs. Das Netz richtet für das Gespräch einen eigenen Träger mit zugesicherter Qualität ein. Sprache konkurriert dadurch nicht mit dem übrigen Datenverkehr des Geräts oder der Funkzelle.

Das ist der Grund, warum VoLTE zuverlässiger arbeitet als ein Telefoniedienst, der dieselbe Datenverbindung wie alles andere benutzt.

Was sich für den Nutzer ändert

Kürzerer Verbindungsaufbau. Statt mehrerer Sekunden für den Wechsel ins alte Netz wird die Verbindung unmittelbar aufgebaut.

Daten bleiben verfügbar. Während des Gesprächs läuft die Datenverbindung in voller Geschwindigkeit weiter. Das war bei Circuit Switched Fallback nicht der Fall.

Besserer Klang. Es ist ein breitbandiger Codec nutzbar, der einen größeren Frequenzbereich überträgt als die schmalbandige Telefonie. Beworben wird das als HD-Telefonie. Voraussetzung ist, dass beide Gesprächspartner ihn unterstützen.

Geringerer Stromverbrauch. Das Gerät muss nicht mehr zwischen Funktechniken wechseln.

Voraussetzungen für VoLTE

Drei Bedingungen müssen zusammenkommen: Der Netzbetreiber muss den Dienst anbieten, der Tarif muss ihn einschließen, und das Gerät muss ihn unterstützen und dafür freigeschaltet sein.

Fehlt eine davon, erscheint die Einstellung im Gerät oft gar nicht. Bei Geräten, die nicht über den Betreiber bezogen wurden, kommt es vor, dass die Funktion trotz erfüllter technischer Voraussetzungen fehlt, weil die Freigabe an eine Liste geprüfter Geräte gebunden ist.

VoNR

Im 5G-Netz heißt die Entsprechung Voice over New Radio. Sie arbeitet nach demselben Muster über dieselbe Plattform, nur über die 5G-Funkschnittstelle.

Solange VoNR in einem Netz nicht verfügbar ist, wechseln 5G-Geräte für Gespräche auf VoLTE. Das geschieht unbemerkt und ist kein Fehler.

Abgrenzung

VoWiFi nutzt dieselbe Plattform, aber ein beliebiges WLAN statt des Mobilfunknetzes.

VoIP am Festnetzanschluss verwendet dieselben Protokolle, ist aber ein eigener Vertrag mit eigener Rufnummer und ohne zugesicherte Qualität im Zugangsnetz.

Gespräche über Nachrichtendienste laufen über deren eigene Infrastruktur, nutzen nicht die Rufnummer und sind aus dem Festnetz nicht erreichbar.

Quellen

  • 3GPP TS 23.228: IP Multimedia Subsystem (IMS)
  • 3GPP TS 23.401: General Packet Radio Service enhancements for E-UTRAN access
  • GSMA IR.92: IMS Profile for Voice and SMS
  • ITU-T G.722.2: Wideband coding of speech, Grundlage der breitbandigen Sprachübertragung

Erstellt: