Anklopfen

Was ist Anklopfen / Call Waiting?

Call Waiting, im Deutschen als Anklopfen bezeichnet, ist ein vermittlungstechnisches Leistungsmerkmal, das einen Teilnehmer während eines bestehenden Telefonats über einen weiteren eingehenden Anruf informiert. Statt dass der zweite Anrufer ein Besetztzeichen hört, wird ihm eine Rufsignalisierung vorgespielt, und der Angerufene vernimmt einen akustischen Hinweiston im laufenden Gespräch. Der Teilnehmer kann den wartenden Anruf annehmen, ablehnen oder ignorieren. Call Waiting verhindert, dass wichtige Anrufe in die Besetztlage laufen, und bildet die Grundlage für das Makeln zwischen zwei Gesprächen.

Funktionsweise

Führt ein Teilnehmer ein aktives Gespräch und erreicht ihn ein weiterer Anruf, prüft die Vermittlungsstelle zunächst, ob der Anschluss für Call Waiting konfiguriert ist. Ist dies der Fall, wird der neue Anruf nicht mit einem Besetztzeichen abgewiesen. Stattdessen sendet das Netz dem Angerufenen einen Call-Waiting-Ton, einen kurzen, meist periodisch wiederholten Signalton, der unhörbar für den ersten Gesprächspartner in das Audiosignal eingefügt wird. Dem wartenden Anrufer wird eine Rufansage oder ein Freizeichen vorgespielt. Der Angerufene hat nun mehrere Optionen: Er kann das laufende Gespräch beenden, woraufhin sein Apparat klingelt und er den wartenden Anruf annehmen kann. Er kann das aktuelle Gespräch halten und den wartenden Anruf durch Betätigen der R-Taste oder einer Funktionstaste annehmen. Oder er ignoriert den Hinweiston, bis der wartende Anruf nach einer netzseitigen Zeitspanne ausläuft oder auf eine Umleitung wie CFNR oder Voicemail geschaltet wird.

Technische Umsetzung in verschiedenen Netzen

Die Signalisierung des wartenden Rufes erfolgt je nach Netztechnologie auf unterschiedlichen Wegen.

  • ISDN: Die Ortsvermittlungsstelle erkennt die Besetztlage des B-Teilnehmers, verwirft jedoch das Besetztzeichen aufgrund des aktivierten Dienstes CALL-WAITING. Stattdessen sendet sie eine SETUP-Nachricht für den zweiten Ruf auf dem D-Kanal, während der B-Kanal für das laufende Gespräch belegt bleibt. Der Angerufene empfängt die Information über den neuen Anruf und kann diesen mit HOLD und RETRIEVE annehmen. Der Call-Waiting-Ton wird netzseitig in den Sprachkanal eingemischt.
  • Mobilfunk (GSM/UMTS/LTE): Das Mobile Switching Center verwaltet mehrere Anrufe pro Teilnehmer. Bei eingehendem Ruf während eines aktiven Gesprächs wird dem mobilen Endgerät eine Call-Waiting-Indikation über die Luftschnittstelle gesendet. Das Telefon spielt daraufhin den lokalen Hinweiston ab und zeigt Nummer oder Namen des wartenden Anrufers auf dem Display an. Die Steuerung erfolgt über 3GPP TS 24.083.
  • SIP (VoIP): In SIP-Netzen wird der wartende Ruf durch ein zweites INVITE an denselben Kontakt signalisiert, während der erste Dialog aktiv ist. Der gerufene Client erkennt anhand der Call-ID, dass es sich um einen separaten Anruf handelt, und spielt den Hinweiston lokal ein. Er kann den neuen Anruf mit einem 180-Ringing quittieren und später per re-INVITE halten. Der Back-to-Back-User-Agent oder Application Server kann alternativ die Logik zentral verwalten und den Ton serverseitig einspielen.

Abgrenzung zu anderen Merkmalen

Call Waiting ist eng mit Halten und Makeln verknüpft, aber nicht deckungsgleich.

  • Halten (Call Hold) erlaubt das Unterbrechen eines Gesprächs, Call Waiting informiert hingegen über ein neues Gespräch während eines bestehenden.
  • Makeln (Brokering) ist das abwechselnde Sprechen mit zwei Teilnehmern, was Call Waiting und Halten voraussetzt.
  • Besetztumleitung (CFB) leitet Anrufe automatisch um, ohne den Angerufenen zu informieren. Call Waiting signalisiert stattdessen den Ruf und überlässt dem Teilnehmer die Entscheidung.
  • Anklopfen bei Besetzt (im analogen Netz) war ein Vorläufer mit hörbarem Ton, aber ohne Möglichkeit, das erste Gespräch zu halten.

Konfiguration und Aktivierung

In den meisten Netzen ist Call Waiting standardmäßig aktiviert. Der Teilnehmer kann es fallweise oder dauerhaft deaktivieren, etwa über einen netzspezifischen Service-Code oder das Endgerätemenü. Typische Codes sind *43# zur Aktivierung und #43# zur Deaktivierung im Mobilfunk. In ISDN-Anlagen lässt sich der Dienst pro Endgerät konfigurieren. Bei SIP-Telefonen kann die Funktion über das Webinterface oder die Provisionierung ein- und ausgeschaltet werden. Während eines aktiven Gesprächs kann der Angerufene den wartenden Anruf ablehnen, indem er eine spezielle Tastenkombination drückt; der abgewiesene Anrufer hört dann einen Besetztton oder gelangt auf die Mailbox.

Praktischer Nutzen und Anwendungsszenarien

Call Waiting stellt sicher, dass ein Anschluss auch während eines laufenden Telefonats für dringende Anrufe erreichbar bleibt. Im privaten Bereich verhindert es, dass Familienmitglieder oder Ärzte ständig besetzt antreffen. Im Geschäftsumfeld zeigt es der Sekretärin einen ankommenden Chefanruf an, ohne dass der erste Gesprächspartner etwas davon mitbekommt. In Kombination mit CLIP erkennt der Angerufene den wartenden Anrufer und kann priorisieren, ob er das laufende Gespräch unterbricht oder nicht. Call Center setzen die Funktion hingegen selten ein, da sie meist mit Warteschlangen arbeiten. Für Einzelarbeitsplätze im Service ist sie jedoch wertvoll, um persönliche Erreichbarkeit zu signalisieren.

Grenzen und Fehlerquellen

Call Waiting erfordert, dass der Anschluss technisch in der Lage ist, mehrere Anrufe gleichzeitig zu verwalten. Bei analogen Anschlüssen ohne ISDN oder VoIP ist die Funktion nur eingeschränkt möglich und unterbricht das laufende Gespräch hörbar. Der Call-Waiting-Ton kann als störend empfunden werden, besonders bei längeren Konferenzen oder wichtigen Verhandlungen. Einige Endgeräte oder Headsets geben den Ton nicht korrekt wieder oder spielen ihn so leise ab, dass er überhört wird. Werden zu viele wartende Anrufe in kurzer Zeit signalisiert, kann es zur Verwirrung des Teilnehmers und versehentlichem Trennen des ersten Gesprächs kommen. In VoIP-Umgebungen kann die korrekte Einspielung des Tons vom verwendeten Codec und der Jitter-Puffer-Einstellung abhängen. Bei deaktiviertem Call Waiting greift stattdessen ein konfiguriertes Besetztverhalten wie CFB oder Voicemail, was für den Anrufer transparenter sein kann.

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