AWADo – Automatische Wechselschalter-Anschlussdose

Abkürzung: AWADo

Die AWADo schaltet mehrere analoge Telefone an eine Amtsleitung mit einer Rufnummer. Sie sorgt dafür, dass alle angeschlossenen Apparate klingeln, gesprochen aber nur an einem werden kann — und löst damit ein Problem, das sich bei jeder Parallelschaltung von Telefonen stellt.

Sie ist ein Endgeräteumschalter, keine Nebenstellenanlage: Gespräche zwischen den angeschlossenen Apparaten sind nicht möglich.

Warum es den automatischen Wechselschalter braucht

Mehrere Telefone einfach parallel an eine Leitung zu klemmen, geht technisch und war rechtlich nicht zulässig. Zwei Gründe:

Die Belastung der Leitung. Jeder abgehobene Apparat zieht Schleifenstrom. Zwei gleichzeitig abgehobene Telefone verändern die Verhältnisse so weit, dass die Vermittlungsstelle den Wählvorgang nicht mehr sauber auswertet.

Das Mithören. Ohne Umschaltung schaltet sich jeder, der in einem anderen Raum den Hörer abnimmt, in das laufende Gespräch.

Die AWADo löst beides, ohne dass jemand einen Schalter bedienen muss. Im Ruhezustand liegen die Apparate parallel, und ein ankommender Ruf lässt alle klingeln. Wer zuerst abhebt, bekommt die Verbindung — die übrigen werden abgeschaltet.

Eine Gesprächsweitergabe ist dabei möglich, allerdings in fester Reihenfolge: Die übernehmende Sprechstelle muss den Hörer abnehmen, bevor die übergebende auflegt. Erst mit dem Einhängen wird weitergeschaltet. Legt die übergebende Seite zu früh auf, ist das Gespräch beendet.

Die Ausführungen

TypTelefoneBerechtigung
AWADo 12beide gleichberechtigt
AWADo 22Telefon 1 ist vorberechtigt
AWADo 1/22per Steckbrücke oder Schalter als 1 oder 2 einstellbar
AWADo 1/33gleichberechtigt
AWADo 1/44gleichberechtigt

Die AWADo 2 ist der interessante Fall. Nimmt an Sprechstelle 1 jemand den Hörer ab, erhält dieser Apparat die Leitung — auch dann, wenn an Sprechstelle 2 bereits ein Gespräch läuft, das damit abgeschaltet wird. Gedacht war das für Konstellationen mit einem Hauptapparat, etwa im Betrieb oder in der Arztpraxis.

Äußerlich ist eine AWADo von einer gewöhnlichen TAE-F-Dose kaum zu unterscheiden; das Erkennungszeichen ist ein Umschaltersymbol auf der Abdeckung. Es gab sie in Aufputz- und Unterputzausführung, ältere Ausführungen in Form einer Verbinderdose ohne eigene Steckmöglichkeit.

Die W-Ader: der Grund für das Ende

Hier liegt die technische Eigenheit, an der die AWADo heute scheitert. Sie arbeitet dreiadrig: neben a und b braucht sie die W-Ader, ursprünglich die Weckerader. Die Klemmen im Inneren lauten entsprechend La und Lb für die Amtsleitung, dazu a1/b1/W1 und a2/b2/W2 für die Sprechstellen sowie E für die Fernmeldebetriebserde beim Betrieb an einer Telefonanlage.

Moderne Telefone haben keine W-Ader mehr. Daraus folgen die Punkte, über die bei Altinstallationen gestolpert wird:

Beim Mehrfrequenzwahlverfahren lassen sich Apparate ohne W-Ader betreiben, wenn an der betreffenden Sprechstelle eine Drahtbrücke zwischen a und W eingesetzt wird. Beim Impulswahlverfahren geht es nicht.

Die AWADo-2-Vorberechtigung setzt an Sprechstelle 1 einen Apparat voraus, der die W-Ader beim Abheben abschaltet. Das tun die Tastwahlapparate der Bundespost; Telefone mit Nummernschalter wie W48 oder FeTAp 61 und 79 tun es nicht — mit einem solchen Gerät an Sprechstelle 1 funktioniert die Betriebsart nicht.

In einer TAE-Reihenschaltung hinter der AWADo gehört in die letzte Dose eines Zweiges eine Brücke zwischen a2 und W. Fehlt sie und wird das Telefon dieses Zweiges abgezogen, blockiert die AWADo — und der andere Zweig bekommt dann ebenfalls keine Verbindung mehr. Das ist das verwirrendste Fehlerbild dieser Technik, weil der Fehler an einer Stelle auftritt, an der gar nichts verändert wurde.

Bei älteren Bauformen dürfen La und Lb nicht vertauscht werden; neuere Ausführungen sind polungsunabhängig.

Der Nachfolger: AMS

Wegen der fehlenden W-Ader wird die AWADo nicht mehr hergestellt. An ihre Stelle trat in den 1980er und 1990er Jahren der Automatische Mehrfachschalter (AMS), auch T2-Schalter oder AWS genannt, der die Sprechstellen zweiadrig anschaltet und damit mit jedem handelsüblichen Telefon arbeitet. Je nach Ausführung lassen sich zwei bis vier Apparate anschließen.

Was dabei verlorenging, ist die Vorberechtigung: Beim AMS bekommt immer der die Leitung, der zuerst abhebt. Ein Gegenstück zur AWADo 2 gibt es nicht.

Eine Warnung für die Beschaffung in Bestandsanlagen: Moderne AMS werden vielfach weiterhin als AWADo verkauft. Wer eine Vorberechtigung braucht oder eine vorhandene dreiadrige Installation ersetzen will, prüft deshalb die Aderzahl und nicht die Produktbezeichnung.

Abgrenzung

Gemeinschaftsumschalter (GUm) wird häufig damit verwechselt, leistet aber etwas anderes: Er versorgt über eine Teilnehmeranschlussleitung zwei Anschlüsse mit zwei verschiedenen Rufnummern. AWADo und AMS verteilen umgekehrt eine Rufnummer auf mehrere Endgeräte.

TAE ist die Anschlusseinheit, deren Bauform die AWADo übernimmt. Die Reihenschaltung mit F- und N-Kodierung regelt die Rangfolge von Telefon und Nebengerät an einer Sprechstelle; die AWADo regelt die Rangfolge zwischen Sprechstellen.

Nebenstellenanlage ermöglicht zusätzlich interne Gespräche und mehrere Amtsleitungen. Genau das kann ein Endgeräteumschalter nicht.

Anschlussdose (ADo) ist die Bauform ohne Umschaltfunktion.

Quellen

  • Deutsche Bundespost: Anschaltehinweise Automatischer Wechselschalter AWADo 1 AP/UP
  • Horst Frey, Detlef Schönfeld: Alles über moderne Telefonanlagen im analogen Netz und im Euro-ISDN, Franzis' Verlag 1996
  • Graue Post: Automatische Endgeräteumschalter (abgerufen am 9. Oktober 2026)
  • Wikipedia: AWADo (abgerufen am 9. Oktober 2026)

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