Vermittlungsstelle

Eine Vermittlungsstelle verbindet Telefonanschlüsse miteinander. Wer eine Nummer wählt, gibt der Vermittlungsstelle damit eine Adresse; sie sucht den Weg zum Ziel und schaltet eine Verbindung durch, im eigenen Ortsnetz direkt, sonst über weitere Vermittlungsstellen. Ursprünglich taten das Menschen am Klappenschrank, später elektromechanische Wähler, ab den 1980er-Jahren Rechner.

Im Sprachgebrauch meint „Vermittlungsstelle“ oft das Gebäude, nicht die Technik darin. Dort enden die Kupferleitungen der Haushalte am Hauptverteiler, und dort stehen heute die Geräte für DSL und Telefonie über IP.

Die Hierarchie im alten Netz

Das Telefonnetz der Deutschen Bundespost war in vier Ebenen gegliedert:

EbeneAbkürzungAufgabe
Ortsvermittlungsstelle (Endvermittlungsstelle)OVSt, EVStAnschlüsse eines Ortsnetzes oder Teils davon
KnotenvermittlungsstelleKVStfasst mehrere Ortsnetze zusammen
HauptvermittlungsstelleHVStregionale Ebene
ZentralvermittlungsstelleZVStoberste Ebene, je eine für einen Zentralbereich

Diese Gliederung steckt bis heute in den Vorwahlen. Die erste Ziffer nach der Null einer Ortsnetzkennzahl steht für einen Zentralbereich, die weiteren Ziffern folgen den Ebenen darunter. Darum haben benachbarte Orte meist ähnliche Vorwahlen, etwa 0711 für Stuttgart und 07141 für Ludwigsburg.

Digitale Vermittlungsstellen

Mit der Digitalisierung ab den 1980er-Jahren ersetzte die Bundespost die Wähler durch rechnergesteuerte Systeme. Die Bezeichnungen DIVO (Digitale Vermittlungsstelle Ort) und DIVF (Digitale Vermittlungsstelle Fern) stammen aus dieser Zeit. Die digitalen Vermittlungsstellen brachten Tonwahl, ISDN und Leistungsmerkmale wie die Rufnummernübermittlung. Untereinander verständigten sie sich über das Signalisierungssystem SS7, das Verbindungen getrennt vom Sprachkanal auf- und abbaut. Mit der Digitaltechnik ließ sich das Netz flacher bauen; die vier Ebenen wurden auf weniger reduziert.

Was heute davon übrig ist

Mit der Umstellung auf IP-Telefonie hat die klassische Vermittlung ausgedient. Gespräche werden heute als Datenpakete über das IP-Netz geführt und von zentralen Plattformen gesteuert, nicht mehr in jedem Ortsnetz durchgeschaltet.

Die Gebäude sind geblieben, und ihre Rolle hat sich verschoben. Am Hauptverteiler enden die Teilnehmeranschlussleitungen aus Kupfer; über Kabelverzweiger am Straßenrand führen sie in die Häuser. In der Vermittlungsstelle oder im Kabelverzweiger stehen die DSLAM, die DSL bereitstellen, und Systeme, die den analogen Telefonanschluss für alte Telefone nachbilden. Wettbewerber mieten dort Flächen und Leitungen, um eigene Anschlüsse zu schalten. Wo Glasfaser verlegt wird, entstehen neue Knoten, die nicht mehr an die alten Standorte gebunden sind.

Für die Länge der Kupferleitung ist die Lage der Vermittlungsstelle bis heute entscheidend: Je weiter ein Haus vom Hauptverteiler oder Kabelverzweiger entfernt ist, desto geringer die mögliche DSL-Geschwindigkeit.

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