Ortsnetzkennzahl

Abkürzung: ONKZ

Was ist eine Ortsnetzkennzahl?

Die Ortsnetzkennzahl, abgekürzt ONKz, ist eine Ziffernfolge im nationalen Telefonnummernplan, die ein geografisch abgegrenztes Ortsnetz innerhalb eines Landes eindeutig identifiziert. Das durch eine ONKz definierte Gebiet wird als Ortsnetzbereich bezeichnet, die zugehörigen Telefonnummern als Ortsnetzrufnummern. Die ONKz wird der eigentlichen Teilnehmerrufnummer vorangestellt, wenn ein Anruf aus einem anderen Ortsnetz erfolgt. Zusammen mit der Teilnehmerrufnummer bildet sie die vollständige nationale Ortsnetzrufnummer. Im internationalen Kontext ist die ONKz Teil des National Destination Code (NDC) gemäß ITU-T E.164. In Deutschland verwaltet die Bundesnetzagentur die Vergabe und Struktur der Ortsnetzkennzahlen.

Aufbau und Struktur in Deutschland

Die deutschen Ortsnetzkennzahlen sind hierarchisch aufgebaut und lassen Rückschlüsse auf die Größe und Bedeutung des Ortsnetzbereichs zu. Eine ONKz besteht aus zwei bis fünf Ziffern. Die führende Null ist die nationale Verkehrsausscheidungsziffer (VAZ), die dem Netz signalisiert, dass ein Ruf zu einem anderen Ortsnetz oder in ein anderes Netz führt. Sie wird bei der Darstellung der ONKz oft in Klammern gesetzt, etwa (030) für Berlin. Die Teilnehmerrufnummer und die ONKz ergeben zusammen die Ortsnetzrufnummer, die innerhalb des eigenen Ortsnetzbereichs auch ohne ONKz gewählt werden kann.

  • Zweistellige Kennzahlen: Diese sind den größten Städten vorbehalten. 030 für Berlin, 040 für Hamburg, 069 für Frankfurt am Main, 089 für München. Die kurze Vorwahl spiegelt die historische Bedeutung und die hohe Teilnehmerzahl im Ortsnetzbereich wider.
  • Dreistellige Kennzahlen: Typisch für Großstädte wie 0511 für Hannover, 0711 für Stuttgart oder 0911 für Nürnberg.
  • Vierstellige Kennzahlen: Für Mittelzentren und kleinere Städte, etwa 0441 für Oldenburg.
  • Fünfstellige Kennzahlen: Für kleinere Gemeinden und ländliche Regionen, zum Beispiel 033456 für einen Ort im Landkreis Barnim.

Innerhalb eines Ortsnetzbereichs wird die ONKz nicht mitgewählt. Ein Anrufer in München wählt für eine Münchner Ortsnetzrufnummer nur die Teilnehmerrufnummer. Erst bei einem Ortsnetzwechsel wird die ONKz mit vorangestellter Null benötigt.

Karte mit Ortsbereichen im Raum Sonneberg
Darstellung der Ortsnetzkennzahlen am Beispiel Sonneberg

Technische Umsetzung im Netz

Die Ortsnetzkennzahl steuert das Routing in den Vermittlungsstellen. Wählt ein Teilnehmer eine Ortsnetzrufnummer mit einer ONKz, analysiert die Ursprungsvermittlungsstelle die Ziffern. Anhand der ONKz erkennt sie, dass das Ziel nicht im eigenen Ortsnetzbereich liegt, und leitet den Ruf in Richtung des Zielortes weiter. Im Zielortsnetz wird die ONKz von der Teilnehmerrufnummer getrennt, und die Verbindung zum Endanschluss wird auf Basis der Teilnehmerrufnummer hergestellt.

Mit der Digitalisierung und dem Übergang zu VoIP hat sich die Vermittlung verändert. Die Nummeranalyse und das Routing erfolgen in zentralen Routern oder Softswitches, die anhand der ONKz den optimalen Weg zum Zielnetz ermitteln. Bei der Rufnummernportierung kann die ONKz ihre Aussagekraft über den tatsächlichen Anbieter verlieren; eine Berliner Ortsnetzrufnummer mit 030 kann technisch über einen SIP-Trunk eines Anbieters realisiert sein, der seinen Sitz nicht in Berlin hat.

Vergabe und Verwaltung

In Deutschland ist die Bundesnetzagentur für die Strukturierung und Zuteilung des Nummernraums zuständig. Sie legt die ONKz fest und teilt sie den Ortsnetzbereichen zu. Neue Ortsnetze entstanden vor allem durch die Zusammenlegung kleinerer Gemeinden. Die ONKz wird von der Bundesnetzagentur an Netzbetreiber vergeben, die sie an Endkunden weitergeben. Der Betreiber muss sicherstellen, dass die Ortsnetzrufnummer nur in dem zugewiesenen Ortsnetzbereich genutzt wird.

Historische Entwicklung

Vor der Einführung der ONKz gab es handvermittelte Verbindungen und später das Impulswahlverfahren mit schwer merkbaren komplexen Nummerierungen. Der standardisierte deutsche Nummernplan mit den heute bekannten ONKz und Ortsnetzbereichen wurde in den 1950er und 1960er Jahren eingeführt und mit der Digitalisierung der Netze weiterentwickelt. Die Nachfrage nach Ortsnetzrufnummern führte zu mehreren Reformen, darunter die Einführung der fünfstelligen ONKz und die Aufhebung der strikten Kopplung von ONKz und geografischem Ort durch Dienste wie 032-Nummern und nomadische VoIP-Nutzung.

Ortsnetzkennzahlen und VoIP

Die klassische Bindung einer ONKz an einen physischen Ort wird durch Voice over IP aufgeweicht. Ein Kunde mit einer Berliner Ortsnetzrufnummer (030) kann diesen Anschluss bundesweit oder sogar weltweit betreiben, solange eine Internetverbindung besteht. Der Anrufer wählt eine Berliner Nummer und zahlt den Tarif für Berlin, ohne zu wissen, dass der Angerufene in München sitzt. Dieses als Nomadismus bezeichnete Verhalten ist rechtlich zulässig, solange der Anbieter sicherstellt, dass die Adresse für Notrufe korrekt hinterlegt ist. Die Bundesnetzagentur toleriert den Nomadismus innerhalb Deutschlands bei ortsgebundenen Rufnummern.

Abgrenzung zu anderen Kennzahlen

Die ONKz und die darauf basierenden Ortsnetzrufnummern sind von anderen Nummernbestandteilen und -gassen zu unterscheiden.

  • Ländercode (Country Code): Steht international vor der nationalen Rufnummer, für Deutschland die 49.
  • Nationale Teilnehmerrufnummer (032): Eine standortunabhängige Gasse, die keine ONKz verwendet und bundesweit einheitlich ist. Sie gehört nicht zu einem Ortsnetzbereich.
  • Mobilfunkvorwahl (015, 016, 017): Ebenfalls keine ONKz im Sinne eines geografischen Ortes, sondern ein Code für ein Mobilfunknetz, der jedoch im Aufbau ähnlich funktioniert und ebenfalls der VAZ 0 vorangestellt wird.
  • Service-Rufnummern (0800, 0180, 0900): Funktionale Nummernbereiche ohne Ortsbezug, die keine Ortsnetzrufnummern darstellen.

Praktische Bedeutung

Die ONKz und die Ortsnetzrufnummer sind für den Alltag der Nutzer meist unsichtbar. In Mobiltelefonen und modernen Festnetztelefonen werden Nummern häufig mit ONKz gespeichert, sodass sie von jedem Ort aus direkt wählbar sind. Telefonanlagen von Unternehmen mit mehreren Standorten nutzen die ONKz im internen Routing und zur Kostenoptimierung, indem sie Rufe in einen Ortsnetzbereich über den dortigen Standort absetzen und so Ferngesprächskosten sparen. Die ONKz dient ferner als Grundlage für viele geografisch orientierte Dienste und Auswertungen.

Grenzen und aktuelle Entwicklungen

Die Bedeutung der ONKz und der klassischen Ortsnetzbereiche nimmt in der Wahrnehmung der Nutzer ab. Flatrates und All-Net-Flatrates nivellieren die Kostenunterschiede zwischen Orts- und Ferngesprächen, und die einheitliche Speicherung aller Nummern mit Vorwahl im Mobiltelefon macht die bewusste Nutzung der ONKz überflüssig. Dennoch bleibt sie als zentrales Routing-Merkmal und als Bestandteil der nationalen und internationalen Adressierung unverzichtbar. Die Bundesnetzagentur prüft kontinuierlich, ob die vorhandenen ONKz-Blöcke für die bestehenden Ortsnetzbereiche ausreichen, und passt die Nummerierungspläne an die Marktentwicklung an.

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