E.164
Was ist E.164?
E.164 ist ein internationaler Standard der ITU-T (International Telecommunication Union, Telecommunication Standardization Sector), der den weltweiten Nummerierungsplan für die öffentliche Telekommunikation festlegt. Er definiert das Format, den Aufbau und die maximale Länge von Telefonnummern, die länderübergreifend eindeutig und erreichbar sein müssen. Jede Nummer, die global gewählt werden kann, folgt den Regeln von E.164. Der Standard stellt sicher, dass eine Rufnummer aus einem beliebigen Land der Welt dieselbe Zieladresse erreicht und dass keine zwei Nummern doppelt vergeben werden. E.164 bildet das Fundament für die weltweite Sprachkommunikation und wird zunehmend auch für andere Dienste wie SMS, Fax und Datenverbindungen genutzt.
Aufbau einer E.164-Nummer
Eine E.164-konforme Telefonnummer besteht aus bis zu 15 Ziffern und setzt sich aus drei Komponenten zusammen.
- Country Code (CC): Der Ländercode identifiziert das Zielland, dem die Rufnummer zugeordnet ist. Er besteht aus einer, zwei oder drei Ziffern. Deutschland hat den Country Code 49, Österreich 43, die Schweiz 41, die USA und Kanada 1. Die Ländercodes sind global eindeutig und werden von der ITU vergeben.
- National Destination Code (NDC): Der nationale Zielcode, umgangssprachlich Ortsnetzkennzahl oder Vorwahl, beschreibt eine Region, ein Netz oder einen Dienst innerhalb des Landes. In Deutschland ist das etwa 30 für Berlin, 89 für München oder 151 für ein Mobilfunknetz. Die NDC kann je nach Land unterschiedlich lang sein und ist innerhalb des nationalen Nummerierungsplans eindeutig.
- Subscriber Number (SN): Die Teilnehmerrufnummer identifiziert den einzelnen Anschluss oder Dienst innerhalb des durch den NDC beschriebenen Bereichs. Auch ihre Länge variiert national. Zusammen mit dem NDC darf sie die maximale Gesamtlänge von 15 Ziffern abzüglich des Country Codes nicht überschreiten.
Ein vollständiges Beispiel ist die E.164-Nummer +49 30 1234567. Die führende Plus-Zeichen steht für den internationalen Präfix, der länderspezifisch variiert, in Deutschland und vielen anderen Ländern die 00. Das Plus wird in Geräten und Datenbanken verwendet, um die Ortsunabhängigkeit der Nummer zu signalisieren.
Maximale Länge und Flexibilität
Die Grenze von 15 Ziffern für die gesamte Nummer ohne internationalen Präfix ist ein zentrales Element von E.164. Sie wurde gewählt, um Kompatibilität mit bestehenden Signalisierungssystemen zu gewährleisten und ausreichend Adressraum für Milliarden von Anschlüssen zu bieten. Innerhalb dieser Grenze können die nationalen Regulierungsbehörden ihre Nummerierungspläne flexibel gestalten. Länder mit vielen Teilnehmern, etwa China oder Indien, nutzen längere nationale Nummern. Deutschland hat mit der Vorwahl und der Teilnehmernummer üblicherweise Längen zwischen 10 und 13 Ziffern. Die Beschränkung auf 15 Ziffern stellt sicher, dass eine E.164-Nummer in einem Datenbankfeld fester Länge gespeichert und in Signalisierungsprotokollen effizient übertragen werden kann.
Technische Umsetzung in Netzen
E.164-Nummern werden in praktisch allen Telekommunikationsnetzen als primäre Adressierungsinformation verwendet.
- ISDN und SS7: Im ISDN-Protokoll wird die E.164-Nummer im Informationselement „Called Party Number“ des SETUP-Signals übertragen. Die Vermittlungsstellen analysieren den Country Code, routen den Ruf zum Zielland und anschließend anhand des NDC und der Subscriber Number zum Zielanschluss.
- Mobilfunk (GSM/UMTS/LTE): Die MSISDN (Mobile Subscriber Integrated Services Digital Network Number) eines Mobilfunkteilnehmers ist eine E.164-konforme Nummer. Sie dient der globalen Adressierung und wird im Home Location Register (HLR) und in den Signalisierungsprotokollen verwendet.
- SIP (VoIP): In SIP-Netzen werden E.164-Nummern in der Request-URI und im To-Header des INVITE als Tel-URI gemäß RFC 3966 verwendet, etwa `sip:+49301234567@example.com` oder als `tel:+49301234567`. ENUM (E.164 Number Mapping) setzt E.164-Nummern mittels DNS in SIP-Adressen um und bildet so die Brücke zwischen klassischer Telefonie und IP-Welt.
Abgrenzung zu anderen Nummerierungssystemen
E.164 ist der Standard für öffentliche, globale Telefonnummern und von anderen Adressierungsschemata zu unterscheiden.
- Private Nummerierungspläne: Unternehmen nutzen intern oft kurze Nebenstellennummern, die nicht E.164-konform sind und nur innerhalb der eigenen TK-Anlage gelten. Für externe Erreichbarkeit werden sie mit Durchwahl in E.164-Nummern eingebettet.
- E.163: Der Vorgängerstandard von E.164, der in den 1980er Jahren abgelöst wurde. Er hatte eine geringere maximale Ziffernanzahl und wird nicht mehr verwendet.
- IP-Adressen und SIP-URIs: Diese Adressen sind für die paketvermittelte Kommunikation ausgelegt und folgen nicht dem hierarchischen Länder- und Regionensystem von E.164. ENUM und andere Mapping-Verfahren stellen die Verbindung her.
- E.212: Ein Standard für die Identifizierung von Mobilfunknetzen und Teilnehmern mittels IMSI (International Mobile Subscriber Identity), der nicht für die Rufnummernwahl, sondern für die interne Netzzuordnung verwendet wird.
Praktische Bedeutung und Verwaltung
E.164 wird von der ITU-T verwaltet, die die Ländercodes zuteilt und den globalen Nummerierungsplan pflegt. Die nationalen Regulierungsbehörden, in Deutschland die Bundesnetzagentur, verwalten die nationalen Nummerierungspläne innerhalb der von der ITU vorgegebenen Struktur. Sie legen die Gassen und Blöcke fest und vergeben Nummern an Netzbetreiber und Diensteanbieter. Die Einhaltung von E.164 stellt sicher, dass jede vergebene Nummer weltweit einzigartig ist und dass Anrufe aus jedem Land korrekt geroutet werden können. Auch die Rufnummernportierung zwischen Anbietern innerhalb eines Landes verändert die E.164-Nummer selbst nicht; sie bleibt dieselbe und wird lediglich netzseitig anders geroutet.
Grenzen und aktuelle Entwicklungen
Der 15-stellige Adressraum von E.164 ist für die reine Sprachtelefonie ausreichend dimensioniert, stößt aber durch das Internet der Dinge und die Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) an Grenzen. Milliarden Sensoren und Geräte benötigen ebenfalls Adressen, die zunehmend auf E.164-Nummern abgebildet werden. Diskussionen über eine Erweiterung oder alternative Adressierungsschemata werden in der ITU geführt. Ein weiteres Thema ist die Nutzung von E.164-Nummern in reinen IP-Netzen, wo SIP-URIs und andere Identifikatoren flexibler sind, aber die globale Erreichbarkeit aus dem öffentlichen Telefonnetz weiterhin eine E.164-Nummer voraussetzt. Der Standard bleibt trotz dieser Herausforderungen der zentrale Anker für die weltweite Sprach- und Telefoniekommunikation.