Customer Cone
Der Customer Cone eines autonomen Systems umfasst alle Netze, die es über Kundenbeziehungen erreicht – direkt oder über Kunden seiner Kunden. Den deutschen Ausdruck Kundenkegel liest man eher selten.
Der Begriff stammt aus der Routingforschung und ist vor allem durch die Rangliste AS Rank von CAIDA bekannt geworden. Er beschreibt, wie viel des Internets ein Netz als Transitanbieter „unter sich" hat.
Beziehungen zwischen Netzen
Autonome Systeme sind auf zwei grundsätzliche Arten verbunden:
- Provider und Kunde: Der Kunde bezahlt den Provider dafür, dass dieser seine Adressen im ganzen Internet bekannt macht und ihm Zugang zu allen anderen Netzen verschafft. Man spricht von Transit.
- Peering: Zwei Netze tauschen Verkehr direkt und meist ohne Bezahlung aus, aber nur für die eigenen Adressen und die ihrer Kunden, nicht für den Rest des Internets.
Definition Customer Cone
Der Customer Cone eines Netzes besteht aus dem Netz selbst, seinen direkten Kunden, deren Kunden und so weiter. Man folgt also von einem Netz aus ausschließlich den Kundenbeziehungen nach unten. Peering-Partner gehören nicht dazu.
Ein Beispiel: Netz A hat die Kunden B und C, und B hat seinerseits den Kunden D. Dann umfasst der Customer Cone von A die Netze A, B, C und D.
Gemessen wird die Größe als Anzahl der enthaltenen autonomen Systeme, Präfixe oder Adressen. AS Rank sortiert nach der Zahl der autonomen Systeme.
Aussagekraft
Ein großer Customer Cone zeigt ein Netz, über das viele andere ihren Zugang zum übrigen Internet beziehen. An der Spitze stehen die großen, weltweit tätigen Transitanbieter.
Über das Verkehrsvolumen sagt der Wert dagegen wenig. Große Inhalteanbieter und Plattformen tauschen enorme Datenmengen aus, haben aber kaum Kunden im Routing-Sinne und entsprechend einen kleinen Customer Cone.
Wie die Werte entstehen
Netzbetreiber veröffentlichen ihre Geschäftsbeziehungen nicht. CAIDA leitet sie aus den AS-Pfaden ab, die öffentliche Routensammler wie RouteViews und RIS aufzeichnen. Das Verfahren ist in der Veröffentlichung „AS Relationships, Customer Cones, and Validation" (Luckie u. a., 2013) beschrieben.
Daraus ergeben sich Grenzen. Beziehungen, die in keinem aufgezeichneten Pfad auftauchen, bleiben unsichtbar. Das betrifft vor allem Peering an Internetknoten. Mischformen wie Transit nur für bestimmte Regionen lassen sich schlecht abbilden, und Netze desselben Konzerns erscheinen mitunter als Kunde und Provider zueinander. Die Werte sind deshalb gute Näherungen, keine exakte Abbildung.