Drama Numbers (Filmrufnummern)

Drama Numbers sind Rufnummern für Filme und Medien, die dauerhaft niemandem zugeteilt sind. In Deutschland gibt es sie seit 2021.

Drama Numbers, im Deutschen auch Filmrufnummern genannt, sind Rufnummern, die von der Bundesnetzagentur dauerhaft keinem Teilnehmer zugeteilt werden und deshalb in Medien gezeigt, abgedruckt oder gesprochen werden können, ohne dass jemand belästigt wird.

Der Anwendungsfall reicht über Spielfilme hinaus: Er umfasst Bücher, Broschüren, Dokumentationen, Lehrmaterialien und alle sonstigen Medien, in denen eine Rufnummer sichtbar oder hörbar wird.

Warum es sie gibt

Eine im Film gezeigte Telefonnummer wird angerufen. Aus Neugier, als Mutprobe, versehentlich — und in Größenordnungen, die für den tatsächlichen Anschlussinhaber unzumutbar sind.

Die bekanntesten Fälle stammen aus dem englischen Sprachraum. Ein Popsong von 1981 nannte eine Rufnummer im Refrain und machte damit die Anschlüsse mit dieser Nummer über Jahrzehnte hinweg unbenutzbar; einzelne Betroffene wechselten die Nummer, andere versuchten sie kommerziell zu verwerten. Eine Filmkomödie aus dem Jahr 2003 zeigte eine Nummer ohne Vorwahl, die dadurch in zahlreichen Ortsnetzen gleichzeitig existierte — Betroffene erhielten tausende Anrufe, und für die spätere Veröffentlichung wurde die Nummer im Film nachträglich geändert.

Vergleichbare Fälle sind aus Deutschland weniger prominent dokumentiert, das Problem ist jedoch dasselbe. Bis 2021 gab es hierzulande keine offizielle Lösung; Produktionen behalfen sich mit erfundenen Nummern, die entweder zufällig vergeben waren oder durch ihre Struktur auffielen.

Die deutschen Filmrufnummern

Die Bundesnetzagentur hat 2021 in fünf Ortsnetzbereichen jeweils 1.000 Rufnummern für diesen Zweck reserviert:

OrtsnetzbereichRufnummern
Berlin(0)30 23125 000 bis 999
Frankfurt am Main(0)69 90009 000 bis 999
Hamburg(0)40 66969 000 bis 999
Köln(0)221 4710 000 bis 999 (leider nicht 4711)
München(0)89 99998 000 bis 999

Ausgewählt wurden die fünf größten Ortsnetzbereiche — jene, die in Produktionen am ehesten vorkommen und deren Vorwahlen dem Publikum vertraut sind.

Bemerkenswert ist die Systematik: Alle fünf Rufnummern sind national exakt zehn Ziffern lang. Wo die Ortsnetzkennzahl kürzer ist, wird der reservierte Block entsprechend länger — Berlin mit zweistelliger Kennzahl erhält einen fünfstelligen Block, Köln mit dreistelliger Kennzahl einen vierstelligen. Die Nummern wirken dadurch in jeder Darstellung gleich plausibel.

Mobilfunknummern

Ergänzend haben die Mobilfunknetzbetreiber Rufnummern für denselben Zweck bereitgestellt. Es handelt sich um einzelne Nummern sowie um zwei Blöcke zu je 100 Nummern:

  • (0)152 28895456
  • (0)152 54599371
  • (0)171 39200 00 bis 99 (100 Rufnummern)
  • (0)172 9925904
  • (0)172 9968532
  • (0)172 9973185
  • (0)172 9973186
  • (0)172 9980752
  • (0)174 9091317
  • (0)174 9464308
  • (0)176 040690 00 bis 99 (100 Rufnummern)

Nutzung

Die genannten Rufnummern dürfen genehmigungsfrei verwendet werden. Eine Anmeldung, Registrierung oder Gebühr ist nicht vorgesehen.

Eine rechtliche Verpflichtung, ausschließlich diese Nummern zu verwenden, besteht nicht — die Bundesnetzagentur spricht eine Empfehlung aus. Wer eine frei erfundene Nummer verwendet, riskiert allerdings, einen real vergebenen Anschluss zu treffen, mit den entsprechenden zivilrechtlichen Folgen.

Regelungen in anderen Ländern

Im nordamerikanischen Nummerierungsplan ist die bekannteste Lösung der Bereich 555. Verbreitet ist die Annahme, sämtliche Nummern mit dieser Vorsilbe seien für fiktive Zwecke reserviert. Tatsächlich gilt das nur für einen Teilbereich; die übrigen 555er-Nummern sind regulär zuteilbar und teilweise vergeben.

Im Vereinigten Königreich hat die Regulierungsbehörde ebenfalls Bereiche freigehalten, darunter ein Mobilfunkblock im Bereich 07700 900 sowie Blöcke in mehreren Ortsnetzen.

Deutschland hat diese Praxis vergleichsweise spät übernommen — der amerikanische 555er-Bereich existiert seit Jahrzehnten.

Verwandte Reservierungen

Der Gedanke, Kennungen dauerhaft für Beispiele und Dokumentation freizuhalten, findet sich auch außerhalb der Telefonie. Im Internet ist er weit systematischer umgesetzt:

  • Die Domänen example.com, example.net und example.org sowie die Endungen .example, .invalid, .test und .localhost sind für Beispiele und Tests reserviert und werden nie regulär vergeben.
  • Für IPv4 stehen drei Adressblöcke ausschließlich für Dokumentationszwecke bereit: 192.0.2.0/24, 198.51.100.0/24 und 203.0.113.0/24.
  • Für IPv6 erfüllt der Bereich 2001:db8::/32 denselben Zweck.

Der Grund ist derselbe wie bei den Filmrufnummern: Eine in einem Handbuch, einer Beispielkonfiguration oder einem Schulungsdokument abgedruckte Adresse wird irgendwann von jemandem tatsächlich aufgerufen.

Wer technische Dokumentation schreibt, sollte diese Bereiche konsequent verwenden — auch dort, wo eine Adresse nur der Veranschaulichung dient.

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