pigtail
Ein Pigtail ist ein kurzes, einseitig vorkonfektioniertes Stück Lichtwellenleiter: An einem Ende sitzt ein werkseitig montierter Steckverbinder, das andere Ende ist eine blanke Faser, die eingespleißt wird.
Er ist das Verbindungsstück zwischen Kabel und Steckfeld — überall dort, wo ein Außenkabel auf eine steckbare Schnittstelle treffen muss.
Wozu der Pigtail dient
Ein Erd- oder Innenkabel lässt sich nicht unmittelbar stecken. Seine Fasern sind blank, empfindlich und ohne Zentrierung. Ein Steckverbinder dagegen verlangt eine exakt geschliffene, in einer Ferrule zentrierte Faserendfläche — eine Arbeit, die unter Werksbedingungen besser gelingt als im Schacht.
Der Pigtail löst das: Der Stecker kommt fertig und geprüft aus der Fertigung, und im Feld bleibt nur der Spleiß, der mit dem Spleißgerät zuverlässig gelingt. Die Arbeit verschiebt sich damit von einer schwierigen Tätigkeit zu einer beherrschbaren.
Aufbau und Varianten
Faser und Mantel
Die Faser trägt üblicherweise eine 900-Mikrometer-Aderhülle, die sich greifen und in der Spleißkassette führen lässt. Typische Längen liegen bei einem bis zwei Metern — genug, um in der Kassette eine Reserveschleife zu legen.
Steckverbinder
Gebräuchlich sind LC, SC, E2000, seltener ST und FC. Welcher verwendet wird, gibt das Gegenstück vor: Im Zugangsnetz dominiert in Deutschland E2000 oder SC/APC, in Rechenzentren LC.
Schliff
PC und UPC haben eine gerade polierte Endfläche, APC eine um acht Grad geneigte. Der Schrägschliff wirft Reflexionen aus dem Kern heraus und liefert eine deutlich bessere Rückflussdämpfung — Pflicht überall dort, wo Fernsehsignale über die Faser laufen.
APC-Stecker sind grün gekennzeichnet, UPC blau. Ein APC-Stecker in eine UPC-Kupplung gesteckt verbindet zwar mechanisch, erzeugt aber einen Luftspalt mit hoher Dämpfung — und beschädigt im ungünstigen Fall beide Endflächen. Das ist der häufigste Montagefehler mit Pigtails.
Fasertyp
Die Farbe der Aderhülle folgt der Faserklasse: gelb für Singlemode, orange für die älteren Multimode-Klassen, aquamarin für OM3 und OM4. Ein Multimode-Pigtail an einer Singlemode-Strecke funktioniert nicht brauchbar, auch wenn er mechanisch passt.
Wo Pigtails eingesetzt werden
In der Spleißmuffe im Erdreich, im Netzverteiler, am Hausübergabepunkt, im Patchfeld eines Verteilerschranks und im ODF einer Vermittlungsstelle. Überall gilt dasselbe Muster: Kabelfaser wird eingespleißt, Steckerseite wird aufgelegt.
Eine Alternative ist das feldkonfektionierbare Steckersystem, bei dem der Stecker vor Ort auf die Faser gesetzt wird — schneller, ohne Spleißgerät, dafür mit höherer und stärker streuender Dämpfung. Für den Hausanschluss im Einzelfall brauchbar, für Strecken mit knappem Leistungsbudget nicht.
Die zweite Bedeutung: Antennenpigtail
In der Funktechnik bezeichnet Pigtail etwas anderes: ein kurzes Koaxialkabel, das zwischen einem internen Steckverbinder und einem Antennenanschluss vermittelt — etwa von einem U.FL- oder MHF-Anschluss auf einer Platine zu einer SMA- oder N-Buchse am Gehäuse.
Begegnen wird einem das bei WLAN-Karten, Mobilfunkmodems und Routern, an denen eine externe Antenne betrieben werden soll. Mit Glasfaser hat es nichts zu tun; gemeinsam ist beiden Bedeutungen nur das Bild vom kurzen Schwänzchen.
Welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich aus dem Umfeld — bei Steckerangaben wie LC oder E2000 die optische, bei U.FL oder SMA die koaxiale.
Abgrenzung
Patchkabel trägt an beiden Enden einen Stecker und verbindet zwei Steckfelder. Der Pigtail hat nur einen.
Breakout und Fanout teilen ein mehrfaseriges Kabel auf Einzeladern auf; sie werden häufig gemeinsam mit Pigtails verwendet.
Spleißen ist der Arbeitsgang, mit dem der Pigtail an das Kabel kommt.
Ferrule ist die Hülse im Steckverbinder, die die Faser zentriert.
Einfügedämpfung ist der Kennwert, an dem die fertige Verbindung gemessen wird.
Quellen
- IEC 61754: Steckgesichter für Lichtwellenleiter-Steckverbinder
- IEC 61300-3-4: Prüfverfahren — Dämpfung
- IEC 60794-2: Innenkabel für Lichtwellenleiter