Very High Data Rate Digital Subscriber Line

Abkürzung: VDSL

VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) ist ein Übertragungsverfahren für die Teilnehmeranschlussleitung aus Kupfer. Es nutzt einen deutlich breiteren Frequenzbereich als die vorangegangenen DSL-Varianten und erreicht dadurch höhere Datenraten — allerdings nur über kurze Strecken.

In der Praxis ist mit VDSL fast immer VDSL2 gemeint, die zweite Generation des Verfahrens.

Profile

VDSL2 ist in mehreren Profilen spezifiziert, die sich vor allem im genutzten Frequenzbereich unterscheiden. In Deutschland sind zwei davon verbreitet:

ProfilFrequenzbereichtypische Datenrate
17abis rund 17 MHzbis 100 Mbit/s
35bbis rund 35 MHzbis 250 Mbit/s

Das Profil 35b wird als Supervectoring vermarktet. Es verdoppelt den genutzten Frequenzbereich — und weil hohe Frequenzen auf Kupfer besonders stark gedämpft werden, wirkt sich das nur auf sehr kurzen Leitungen aus. Jenseits weniger hundert Meter fällt die Datenrate auf das Niveau von 17a zurück.

Längenabhängigkeit

Die entscheidende Eigenschaft von VDSL ist, dass die Datenrate mit der Leitungslänge sinkt — und zwar erheblich.

Ein Anschluss zweihundert Meter vom Verteilpunkt entfernt erreicht die beworbenen Werte. Bei achthundert Metern bleibt ein Bruchteil davon übrig. Zwei Nachbarn im selben Straßenzug können deshalb unterschiedliche Datenraten haben, ohne dass ein Fehler vorliegt.

Aus diesem Zusammenhang folgt die gesamte Ausbaulogik: Um VDSL nutzbar zu machen, muss die Kupferstrecke kurz sein. Deshalb wird Glasfaser bis zum Kabelverzweiger verlegt und die Technik dorthin verlagert — das Verfahren FTTC.

Vectoring

Auf einem Kupferbündel beeinflussen sich benachbarte Adernpaare gegenseitig. Dieses Übersprechen ist bei den hohen Frequenzen von VDSL2 der wichtigste begrenzende Faktor — stärker als die Dämpfung.

Vectoring begegnet dem, indem die Übertragungstechnik die Störung berechnet und ein Gegensignal aussendet, das sie aufhebt. Das Verfahren ähnelt der Echokompensation und setzt voraus, dass alle Leitungen eines Bündels von derselben Technik gesteuert werden.

Genau daraus ergibt sich ein regulatorisches Problem: Vectoring funktioniert nur, wenn ein einziger Betreiber die Kontrolle über das gesamte Bündel hat. Der bis dahin vorgesehene Zugang von Wettbewerbern zur einzelnen Kupferdoppelader wird dadurch technisch unmöglich — ein Konflikt, der die deutsche Regulierungsdebatte über Jahre geprägt hat.

Asymmetrie

VDSL teilt den Frequenzbereich zwischen Hin- und Rückkanal auf, wobei der Hinkanal deutlich mehr erhält. Ein Anschluss mit 100 Mbit/s im Empfang erreicht typischerweise 40 Mbit/s im Versand.

Die Aufteilung stammt aus einer Zeit, in der Endkunden überwiegend Inhalte abriefen. Mit Videokonferenzen, Auslagerung von Daten in Rechenzentren und Fernzugriff auf Arbeitsplätze ist der Rückkanal zum begrenzenden Faktor geworden — ein Punkt, an dem sich Glasfaseranschlüsse mit symmetrischer Datenrate deutlich unterscheiden.

Einordnung

VDSL hat die vorhandene Kupferinfrastruktur um mehr als eine Größenordnung leistungsfähiger gemacht, ohne dass jedes Grundstück angefasst werden musste. Es ist damit der Grund, warum in Deutschland hohe Versorgungsquoten bei 50 und 100 Mbit/s erreicht werden.

Zugleich ist die Grenze erreicht: Gigabit-Datenraten sind über Kupferstrecken dieser Länge physikalisch nicht darstellbar. Jede weitere Steigerung setzt voraus, dass die Glasfaser näher an den Anschluss rückt.

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