Zertifizierung von Rechenzentren

Ein Rechenzentrum kann für drei verschiedene Dinge zertifiziert werden: für sein Gebäude und seine Technik, für seine Informationssicherheit und für sein Energiemanagement. Die Zertifikate ergänzen sich, keines ersetzt ein anderes. Wer ein Rechenzentrum auswählt, sollte immer fragen, was genau geprüft wurde und für welchen Teil der Anlage.

Übersicht

ZertifikatPrüftHerausgeberStufen
EN 50600Gebäude, Strom, Kühlung, Sicherheit, BetriebNorm von CENELEC, Zertifikat durch PrüfstellenVerfügbarkeitsklassen 1–4
TierAusfallsicherheit von Strom und KühlungUptime InstituteTier I–IV
TIA-942Infrastruktur und VerkabelungNorm der TIA, Prüfung durch lizenzierte PrüfstellenRated-1 bis Rated-4
TSIphysische Sicherheit und VerfügbarkeitTÜV NORDLevel 1–4
ISO/IEC 27001Informationssicherheits-Managementsystemakkreditierte Zertifiziererkeine
BSI C5Sicherheit von Cloud-DienstenPrüfkatalog des BSI, Testat durch Wirtschaftsprüferkeine
ISO 50001Energiemanagementsystemakkreditierte Zertifiziererkeine

Infrastruktur

EN 50600. Die europäische Norm für Rechenzentren. Sie teilt Stromversorgung, Kühlung und Verkabelung in Verfügbarkeitsklassen 1 bis 4 ein und den Zutritt in Schutzklassen. Die Norm selbst vergibt kein Zertifikat; Prüfstellen wie TÜV NORD bestätigen die Konformität.

Tier. Das Modell des Uptime Institute aus den USA, weltweit das bekannteste. Uptime vergibt drei Zertifikate nacheinander:

ZertifikatPrüft
Tier Certification of Design Documentsdie Planung
Tier Certification of Constructed Facilitydas gebaute Rechenzentrum
Tier Certification of Operational Sustainabilityden Betrieb, nur für bereits zertifizierte Anlagen

Ein Zertifikat für die Planung sagt nichts über das gebaute Rechenzentrum. Werbung mit „Tier III“ ohne Angabe, welches Zertifikat vorliegt, ist ein Warnsignal.

TIA-942. Die US-Norm der Telecommunications Industry Association, mit vier Stufen Rated-1 bis Rated-4.

TSI. Trusted Site Infrastructure, das Prüfverfahren von TÜV NORD, im Einsatz seit 2001, aktuell Version 4.6 vom 1. November 2024. Die Level 2 bis 4 sind mit den Verfügbarkeitsklassen 2 bis 4 der EN 50600 abgeglichen. Ein Audit kann zugleich Zertifikate nach TSI, EN 50600 und ISO/IEC 22237 ergeben.

Informationssicherheit

ISO/IEC 27001. Zertifiziert das ISMS, also die Organisation der Informationssicherheit, nicht die Technik. Was es abdeckt, steht im Geltungsbereich des Zertifikats — bei Colocation-Anbietern meist der Betrieb der Fläche, nicht die Systeme der Kunden.

BSI C5. Der Cloud Computing Compliance Criteria Catalogue des BSI richtet sich an Cloud-Anbieter. Geprüft wird nicht mit Zertifikat, sondern mit Testat eines Wirtschaftsprüfers. Aktuell gilt C5:2020; für Prüfzeiträume, die ab dem 1. Juni 2027 enden, empfiehlt das BSI den Nachfolger C5:2026.

Energie

ISO 50001 und EMAS. Seit dem 1. Juli 2025 müssen Rechenzentren in Deutschland nach § 12 des Energieeffizienzgesetzes ein Energie- oder Umweltmanagementsystem betreiben. Ab dem 1. Januar 2026 muss es validiert oder zertifiziert sein:

Werab nicht redundanter Nennanschlussleistung
Rechenzentren allgemein1 MW
Rechenzentren öffentlicher Träger300 kW
Betreiber von Informationstechnik in fremden Rechenzentren500 kW IT-Leistung
Informationstechnik für öffentliche Träger300 kW IT-Leistung

Das Gesetz nennt keine bestimmte Norm. In der Praxis sind ISO 50001 für Energiemanagement und EMAS für Umweltmanagement die üblichen Wege.

Normen

  • DIN EN 50600 – Einrichtungen und Infrastrukturen von Rechenzentren
  • ISO/IEC 22237 – Data centre facilities and infrastructures
  • ANSI/TIA-942-C – Telecommunications Infrastructure Standard for Data Centers
  • ISO/IEC 27001 – Informationssicherheits-Managementsysteme
  • ISO 50001 – Energiemanagementsysteme

Weblinks

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