Zutrittskontrolle

Zutrittskontrolle regelt, wer welche Räume oder Bereiche betreten darf, und setzt das durch: Eine Tür öffnet nur für berechtigte Personen, und jeder Zutritt wird protokolliert. Anders als ein mechanisches Schloss lässt sich eine elektronische Zutrittskontrolle zentral verwalten: Eine verlorene Karte wird gesperrt, statt Schlösser zu tauschen, und Berechtigungen lassen sich zeitlich begrenzen.

Die Begriffe werden oft verwechselt. Zutritt meint das körperliche Betreten von Räumen, Zugang die Nutzung von IT-Systemen, Zugriff die Nutzung von Daten. Diese Unterscheidung verwendet auch das BSI im IT-Grundschutz.

Wie sich Personen ausweisen

MerkmalBeispieleStärkeSchwäche
BesitzKarte, Transponder, Smartphonebequem, schnellkann verloren gehen, weitergegeben oder kopiert werden
WissenPIN, Codenichts zum Verlierenwird weitergesagt oder beim Eintippen beobachtet
BiometrieFingerabdruck, Handvenen, Gesicht, Irisan die Person gebundenDatenschutz, Fehlerkennungen, nicht änderbar, wenn kompromittiert

Für sensible Bereiche werden zwei Merkmale kombiniert, etwa Karte und PIN oder Karte und Fingerabdruck. Eine weitergegebene Karte allein reicht dann nicht.

Karten und Transponder

Die meisten Systeme arbeiten mit RFID. Dabei ist die Frequenz ein Hinweis auf die Sicherheit:

TechnikFrequenzSicherheit
ältere Transponder, etwa EM4102 oder HID Prox125 kHzübertragen nur eine Nummer, leicht zu kopieren
MIFARE Classic13,56 MHzVerschlüsselung seit 2008 gebrochen, ebenfalls kopierbar
MIFARE DESFire EV2/EV3, LEGIC advant13,56 MHzstarke Verschlüsselung, Stand der Technik

Wer eine Anlage erneuert oder übernimmt, sollte prüfen, welche Kartentechnik im Einsatz ist. Viele ältere Systeme lassen sich mit günstigen Geräten in Sekunden kopieren.

Aufbau einer Anlage

KomponenteAufgabe
Leserliest Karte, Code oder biometrisches Merkmal an der Tür
Sperrelementelektrischer Türöffner, Motorschloss, elektronischer Schließzylinder, Drehkreuz
Zutrittskontrollzentraleentscheidet, ob die Tür öffnet, auch wenn die Verbindung zum Server fehlt
VerwaltungssoftwarePersonen, Berechtigungen, Zeitprofile, Protokolle
Türüberwachungmeldet, ob die Tür offen steht oder aufgebrochen wurde

Online, offline, virtuell vernetzt

Online. Jede Tür ist verkabelt und mit der Zentrale verbunden. Berechtigungen und Sperren wirken sofort, jeder Zutritt wird sofort gemeldet. Aufwendig in der Installation.

Offline. Batteriebetriebene Schließzylinder oder Beschläge ohne Kabel, die Berechtigungen gespeichert haben. Günstig nachzurüsten, aber Änderungen müssen an jede Tür gebracht werden.

Virtuell vernetzt. Offline-Türen, die ihre Informationen über die Karte erhalten: An einem Online-Leser, etwa am Eingang, werden Berechtigungen und Sperrlisten auf die Karte geschrieben und von dort an die Türen weitergegeben.

Regeln für den Betrieb

  • Berechtigungen nach dem Prinzip der geringsten Rechte vergeben: nur die Räume, die jemand für seine Arbeit braucht
  • Berechtigungen regelmäßig überprüfen, beim Ausscheiden sofort entziehen
  • Besucher und Dienstleister registrieren und begleiten
  • verlorene Karten sofort sperren
  • Fluchtwege müssen sich jederzeit von innen öffnen lassen, auch bei Stromausfall

Protokolle der Zutrittskontrolle sind personenbezogene Daten. Ihre Speicherdauer und Auswertung gehören in ein Datenschutzkonzept. Biometrische Daten sind besonders geschützt und nur unter engen Voraussetzungen zulässig. In Unternehmen mit Betriebsrat ist die Einführung mitbestimmungspflichtig, weil sie das Verhalten der Beschäftigten überwachen kann.

Im Rechenzentrum

Im Rechenzentrum ist Zutrittskontrolle gestaffelt. Jede Zone ist nur über die vorherige erreichbar, und die Anforderungen steigen nach innen:

ZoneTypische Kontrolle
GrundstückZaun, Tor, Videoüberwachung, Wachdienst
GebäudeEmpfang mit Ausweisprüfung, Besucheranmeldung
SicherheitsbereichPersonenschleuse oder Vereinzelungsanlage, oft mit Biometrie
Data HallKarte und zweites Merkmal
Cage oder Rackeigene Leser oder Schlösser je Kunde

Colocation-Kunden erhalten nur Zutritt zu ihren eigenen Flächen. Für Audits nach ISO/IEC 27001 oder Prüfberichte wie SOC 2 sind die Zutrittsprotokolle ein zentraler Nachweis. Auch die Gebäudetechnik zählt dazu: Wer Zutritt zu Strom- und Kälteräumen hat, kann den Betrieb ebenso stören wie jemand im Serverraum.

Normen

  • DIN EN 60839-11-1: Alarmanlagen und elektronische Sicherheitssysteme — Teil 11-1: Elektronische Zutrittskontrollanlagen — Anforderungen an Anlagen und Geräte

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