Rechenzentren auf Luftbildern erkennen

Ein großes Rechenzentrum ist von außen ein fensterloser Kasten. Von oben sieht man mehr: Reihen von Rückkühlern auf dem Dach, Notstromaggregate mit ihren Schornsteinen, Umspannwerke, Tanks und Baufelder für die nächste Ausbaustufe. Mit amtlichen Luftbildern, dem Liegenschaftskataster und öffentlichen Registern lässt sich daraus ablesen, wie groß ein Standort ist, in welchen Schritten er gewachsen ist und welche Leistung er ungefähr hat.

Dieser Guide zeigt, wo es die Bilder gibt, woran man die Technik erkennt und wie man zählt und rechnet. Alle Beispiele sind öffentlich bekannte Standorte, zu denen Betreiber, Behörden und Register Zahlen veröffentlichen. Die Luftbilder stammen aus Open-Data-Diensten der Länder und Städte.

Das Wichtigste in Kürze

FrageAntwort
Welche Bilder eignen sich?Digitale Orthofotos der Länder (DOP) mit 20 cm je Pixel, viele als Open Data
Was erkennt man sicher?Gebäude und Grundstück mit Maßen, Umspannwerk, Rückkühler, Photovoltaik, Baustellen, Ausbaustufen
Was erkennt man mit Übung?Notstromaggregate an Radiatoren und Schornsteinen, Tanks, Trafos
Was erkennt man nicht?Betreiber, Kunden, belegte Leistung, Kühlverfahren im Detail
Wie alt sind die Bilder?meist ein bis drei Jahre; Flugdatum steht in den Metadaten
Kann man die Leistung schätzen?grob: Zahl der Aggregate × 2,5 MW ÷ 2 ergibt die IT-Leistung als Größenordnung
Hilft ein Wärmebild aus dem All?nein, die Auflösung reicht nicht und die Abwärme geht in die Luft

Woher die Bilder kommen

Orthofotos der Länder

Die Vermessungsverwaltungen der Länder befliegen ihr Gebiet alle zwei bis drei Jahre und rechnen die Bilder zu Orthofotos: entzerrt, maßstabsgetreu und mit Koordinaten. Die Standardauflösung ist 20 cm je Pixel (DOP20). Ein Rückkühler von 14 m Länge ist damit 70 Pixel lang, ein Lüfter mit rund 2 m Durchmesser 10 Pixel breit.

Viele Länder geben die DOP als Open Data heraus, abrufbar als WMS-Dienst. Hessen und Brandenburg stellen sie ohne Bedingungen bereit (Datenlizenz Deutschland Zero), andere Länder verlangen die Namensnennung. In Österreich liefert basemap.at ein landesweites Orthofoto unter CC BY 4.0. Die Lizenz und der verlangte Quellenvermerk stehen in den Metadaten des Dienstes.

Das Flugdatum ist wichtig. Ein Bild von 2023 zeigt den Stand von 2023, nicht den von heute. Hessen liefert das Datum je Kachel über eine Infoebene, andere Länder nur den Jahrgang oder gar nichts. Ohne Datum hilft die Vegetation: Raps in Blüte heißt Frühjahr, abgeerntete Felder heißen Spätsommer.

Liegenschaftskataster

Das Kataster (ALKIS) liefert Flurstücke und amtliche Gebäudeumrisse. Damit wird aus dem Bild eine Messung: Grundstücksgröße, Grundfläche je Gebäude, Länge und Breite. In Hessen gibt es das vereinfachte ALKIS als freien WFS-Dienst, die Liegenschaftskarte auch als transparente Ebene zum Überlagern.

Die Grundfläche ist der Schlüssel zum Vergleich mit Betreiberangaben. Betreiber nennen meist die Bruttofläche über alle Geschosse oder die IT-Fläche. Grundfläche mal Geschosszahl kommt der Bruttofläche nahe, der Rest sind Verkehrs- und Technikflächen.

Schrägansichten und 3D

Senkrecht von oben sind Schornsteine runde Scheiben und Aggregate graue Kästen. Aus der Schräge werden sie eindeutig. Google Earth im 3D-Modus, Google Street View und Bing Maps eignen sich zur Prüfung. Ihr Aufnahmedatum weicht oft vom amtlichen Orthofoto ab. Das ist ein Vorteil: zwei Quellen mit verschiedenem Stand zeigen, was sich dazwischen geändert hat.

Bewährt hat sich diese Reihenfolge: zuerst Orthofoto und Kataster für Maße und Flächen, dann die Schrägansicht, um die Technik zu deuten und zu zählen.

Vorsicht bei Screenshots: Bilder aus Google Earth, Google Maps, Street View und Bing Maps sind urheberrechtlich geschützt, ihre Nutzung regeln die Bedingungen der Anbieter. Ein Screenshot für die eigene Prüfung ist etwas anderes als ein Bild in einem Blog, einer Präsentation oder einem Gutachten. Wer veröffentlichen will, prüft vorher die Bedingungen des Anbieters oder nimmt gleich amtliche Orthofotos mit offener Lizenz. Die Bilder in diesem Guide stammen deshalb nur aus Open-Data-Diensten.

Zeitreihen und Satellitenbilder

Ältere Jahrgänge zeigen, wie ein Standort gewachsen ist. Frankfurt am Main stellt Luftbilder seit 2000 als Zeitreihe bereit, Hessen landesweit historische Bilder der 1950er- und 1960er-Jahre. Für Lücken zwischen den Befliegungen eignet sich Sentinel-2 aus dem Copernicus-Programm: 10 m Auflösung, frei verfügbar, eine Aufnahme alle paar Tage. Einzelne Geräte sieht man darauf nicht, aber Baugrube, Rohbau und fertige Halle unterscheiden sich deutlich.

Was auf dem Dach und im Hof steht

MerkmalWoran man es erkenntWas es verrät
RückkühlerReihen gleicher Kästen mit runden Lüftern über die ganze Oberseite, oft paarweise oder in V-FormKühlleistung, grob die IT-Leistung
Lüftungszentralen (AHU)geschlossene, blockartige Aufbauten auf dem Dach oder an der Fassade, wenige große Lüfter oder GitterKühlung direkt mit Außenluft, oft mit Verdunstung
Notstromaggregat im Containerlänglicher Kasten, Lüfter nur an einem Ende (Radiator), daneben SchalldämpferZahl der Aggregate, Ausbaustufen
Schornsteinrunde helle Scheibe, oft mit Kreuz- oder Klappenmuster, langer schmaler SchattenAggregate stehen im Gebäude oder in Einhausungen
UmspannwerkPlatz mit großen Transformatoren, Portalmasten und Schaltfeldern, oft mit FreileitungAnschluss ans 110-kV-Netz, Größenordnung des Campus
Übergabestation, Umformerkleines eigenes Gebäude, im Kataster als „Umformer“Anschluss ans Mittelspannungsnetz
Tanksrunde Behälter, teils mit AuffangwanneDiesel für den Notstrom oder Löschwasser
Photovoltaikdunkle, regelmäßige Felder auf Dach oder ParkplatzEigenstrom, meist ein kleiner Anteil am Bedarf
Gründachgrüne Flächen zwischen der TechnikAuflage aus dem Bebauungsplan
Baufeldplanierte Fläche, Fundamente, Kränenächste Ausbaustufe

Rückkühler und Lüftungszentralen

Rückkühler geben die Wärme aus dem Kühlkreislauf an die Außenluft ab. Große Geräte sind 12 bis 14 m lang und 2,2 bis 2,5 m breit, gemessen an mehreren Standorten mit einem 5-m-Raster im Orthofoto. Das passt auf einen Sattelauflieger. Sie stehen dicht an dicht auf dem Dach oder in Reihen auf dem Gelände. Von oben sieht man die Lüfter als Raster aus Kreisen, bei 20 cm je Pixel gut zählbar.

Ob ein Rückkühler trocken arbeitet oder im Sommer mit Wasser besprüht wird (adiabatische Kühlung), sieht man von oben nicht. Offene Kühltürme mit Dampffahnen sind bei neuen Rechenzentren in Deutschland selten.

Nicht jedes Rechenzentrum kühlt über Rückkühler. Manche große Hallen, vor allem bei Hyperscalern, kühlen die Serverräume direkt mit Außenluft, im Sommer unterstützt durch Verdunstung. Die Technik steckt dann in großen Lüftungszentralen (Air Handling Units, AHU). Von oben sehen sie aus wie geschlossene Aufbauten auf dem Dach oder lange Blöcke an der Fassade, mit Gittern statt Lüfterraster. Ein Dach ohne Rückkühler heißt also nicht, dass dort nichts gekühlt wird.

Notstromaggregate und Schornsteine

Jedes große Rechenzentrum hat eine Netzersatzanlage aus Dieselaggregaten. Sie stehen auf drei Arten:

  • Im Container am Boden: ein Kasten von rund 15 × 3 m je Aggregat, mit Radiatorlüftern an einem Ende und einem eigenen Schornstein. Am leichtesten zu zählen.
  • Im Hof oder auf dem Dach mit Sammelschornstein: vier bis fünf Aggregate führen ihr Abgas in einen gemeinsamen Schornstein. Von oben sieht man den Schornstein, die Rohre in der Mündung sind bei 20 cm je Pixel gerade noch zu ahnen.
  • Im Gebäude: nur die Abgasrohre an der Fassade verraten die Aggregate, oft als Bündel, das an der Wand hochläuft.
Nahaufnahme eines Hofs zwischen zwei Rechenzentrumshäusern: Notstromaggregate in Containern mit Radiatoren und Sammelschornsteinen, daneben ein Dach mit Rückkühlern
Hof und Dach am NTT-Campus in Hattersheim, Ausschnitt 160 × 120 m. A Radiatoren der Aggregate, B Aggregat im Container, C Sammelschornstein, D Rückkühler, E Dachfläche ohne Technik. Luftbild: DOP20 © HVBG Hessen, dl-de/zero-2.0, Bildflug 07.07.2023, bearbeitet von netzikon.net

Zur Unterscheidung von Rückkühlern hilft der Lüfter: beim Aggregat sitzen die Lüfter nur am Radiatorende, beim Rückkühler über die ganze Länge. Aggregate haben Schornsteine, Rückkühler nicht. Wer gezielt nach runden Scheiben mit langem Schatten sucht, findet die Schornsteine auch im Senkrechtbild.

Den Hersteller verrät das Luftbild nicht, die Container sehen bei allen ähnlich aus. Er steht in den Genehmigungsbescheiden nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, die die Behörden öffentlich bekannt machen. In acht Bescheiden für Rechenzentren in Hessen tauchen vor allem drei Hersteller auf:

StandortAggregateMotor
Vantage FRA21, Raunheim28Caterpillar 3516E
EdgeConneX, Dietzenbach42MTU 20V4000 G94F
Colt FRA324MTU 20V4000 G94F
Interxion FRA1764MTU 20V4000 G34F und G44F
Mainova WebHouse MWH01.28MTU 20V4000 G34F
Equinix FR16x11Cummins QSK95-G4

Es sind 16- oder 20-Zylinder-Dieselmotoren der Klasse 2,5 bis 3,5 MW. Am häufigsten ist die Baureihe 4000 von MTU (Rolls-Royce Power Systems), dazu Caterpillar und Cummins. Kleinere Zusatzaggregate stammen teils von anderen Herstellern.

Stromanschluss und Umspannwerk

Ein Campus mit mehreren Dutzend Megawatt hängt in der Regel am 110-kV-Netz. Das sieht man oft deutlicher als jede Dachtechnik: ein eigenes Umspannwerk auf dem Gelände oder direkt daneben, mit großen Transformatoren, portalartigen Masten und Schaltfeldern, gespeist über eine Freileitung oder ein Erdkabel. Die Transformatoren erkennt man an ihren Kühlrippen und an der Auffangwanne darunter, ihre Zahl verrät, wie viele unabhängige Einspeisungen der Standort hat. Kleinere Rechenzentren kommen mit dem Mittelspannungsnetz aus. Dann sieht man nur eine Übergabestation, ein kleines Gebäude, das im Kataster oft „Umformer“ heißt.

Gebaut und betrieben wird das Umspannwerk häufig vom Netzbetreiber, auch wenn es auf dem Gelände des Rechenzentrums steht. Bei großen Projekten ist der Netzanschluss oft der Engpass, und neue Umspannwerke sind ein früher Hinweis auf einen geplanten Campus.

Die Karte der Rechenzentren zeigt in der Ebene „Stromnetz“ die Umspannwerke ab 110 kV und nennt bei jedem Standort das nächste Werk mit Entfernung.

Beispiel: Vantage FRA2 in Raunheim

Luftbild des Rechenzentrumscampus Vantage FRA2 in Raunheim, zwei Gebäude mit Technik auf dem Dach
Vantage FRA2 in Raunheim, Ausschnitt 300 × 300 m. Luftbild: DOP20 © HVBG Hessen, dl-de/zero-2.0, Bildflug 07.07.2023
Dasselbe Luftbild mit Grundstück, Gebäudeumrissen, Flächen und Markierungen der Dachtechnik
Dieselbe Ansicht mit Grundstück und Gebäuden aus dem Liegenschaftskataster. Luftbild und ALKIS © HVBG Hessen, dl-de/zero-2.0, bearbeitet von netzikon.net

Der Campus FRA2 von Vantage Data Centers liegt in Raunheim zwischen Bahnlinie und Gewerbegebiet. Das Luftbild vom Juli 2023 zeigt das nördliche Haus FRA21 fertig, das südliche Haus FRA22 im Bau.

AngabeWertQuelle
Grundstück4 Flurstücke, 27.945 m²Liegenschaftskataster
FRA219.186 m² Grundfläche, rund 135 × 83 m, vier GeschosseKataster, Betreiber
FRA224.161 m² Grundfläche, rund 84 × 57 mKataster
Umformereigenes Gebäude, 481 m²Kataster
Fläche laut Betreiber33.000 m² (FRA21) und 12.000 m² (FRA22)Vantage
IT-Leistung laut Betreiber40 MW (FRA21) und 16 MW (FRA22)Vantage
Notstrom27 Dieselaggregate zu je 2,6 MWMarktstammdatenregister

Grundfläche mal Geschosse erklärt die Betreiberangaben: 9.186 m² × 4 ergibt rund 36.700 m² für FRA21, gemeldet sind 33.000 m². Bei FRA22 ergeben 4.161 m² × 3 rund 12.500 m², gemeldet sind 12.000 m². Das Grundstück mit 2,8 ha passt zur Angabe „rund 3 ha“.

Auf dem Westteil von FRA21 liegen lange helle Einhausungen (A). Das Grundstück lässt keinen Platz für 27 Aggregate am Boden, aus der Schräge sind Abgasrohre über dem Dach zu sehen: die Aggregate stehen sehr wahrscheinlich auf dem Dach. Der Ostteil (B) und das Dach von FRA22 (C) tragen Felder aus Lüftermodulen, die Rückkühler.

Die Inbetriebnahmedaten der Aggregate im Marktstammdatenregister zeigen die Bauphasen: 2 im November 2022, 4 im Februar 2023, 6 im Juni 2023, 10 im Februar 2024 und 5 im Juli 2025. Das Luftbild hält einen Zwischenstand fest, das Register den Ablauf.

Notstrom zählen und mit dem Register abgleichen

Das Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur führt Stromerzeuger mit Standort, Leistung und Inbetriebnahme, darunter auch Notstromaggregate. Für Rechenzentren ist das die beste öffentliche Quelle zur Größe der Netzersatzanlage. Registriert werden müssen Notstromaggregate ab 1 MW Nettonennleistung, die fest installiert und unmittelbar oder mittelbar an das Netz angeschlossen sind. Mittelbar reicht schon: Das Aggregat steht auf einem Gelände mit Netzanschluss. Eine Umschaltung, die das Aggregat im Notbetrieb vom Netz trennt, ändert daran nach den Hinweisen der Bundesnetzagentur nichts. Kleinere Aggregate unter 1 MW sind ausgenommen, solange sie nur dem Notstrom dienen. Trotzdem fehlen manche Standorte, etwa weil der Eintrag unter einer Projektgesellschaft steht, noch nicht gemacht ist oder die Koordinate woanders liegt. Ein fehlender Eintrag heißt deshalb nicht, dass etwas falsch läuft.

Luftbild des NTT-Campus in Hattersheim mit fünf fertigen Häusern, Aggregatreihen in den Höfen und zwei Häusern im Bau
NTT-Campus in Hattersheim am Main, Ausschnitt 470 × 470 m. Luftbild: DOP20 © HVBG Hessen, dl-de/zero-2.0, Bildflug 07.07.2023
Dasselbe Luftbild mit Grundstück und sieben Gebäuden aus dem Liegenschaftskataster, je rund 4.100 m² Grundfläche
Dieselbe Ansicht mit vier Flurstücken (89.127 m²) und den Gebäuden laut Kataster; die beiden nördlichen Häuser waren beim Bildflug noch im Bau. Luftbild und ALKIS © HVBG Hessen, dl-de/zero-2.0, bearbeitet von netzikon.net

Wie gut Zählung und Register zusammenpassen, zeigt der Campus von NTT in Hattersheim am Main. Im MaStR stehen 62 Aggregate mit zusammen 144,5 MW, alle als in Betrieb gemeldet (Stand 19.10.2026), in sieben Wellen: 10 im März 2019, 9 im Januar 2020, 8 im Februar 2021, 9 im August 2021, 8 im Juli 2023, 9 im Oktober 2023 und 9 im Januar 2024. Das Luftbild vom Juli 2023 zeigt fünf fertige Häuser und zwei Baustellen. Die Vermutung liegt nahe: je Welle ein Haus.

In der lokalen Debatte ist auch von „rund 40 Dieselmotoren mit 70 MW“ die Rede. Die 70 MW entsprechen der IT-Leistung, die NTT für den Campus im Endausbau nennt. Die Notstromleistung liegt nach dem Register etwa beim Doppelten, wie es für Rechenzentren typisch ist. Woher die rund 40 Motoren stammen, ist offen. Bis Mitte 2023, mit vier bis fünf fertigen Häusern, waren 36 bis 44 Aggregate gemeldet; heute sind es 62.

Gezählt wurden in der Schrägansicht die Schornsteinzüge der fünf fertigen Häuser:

HausBauartGezähltMaStR-Welle
Haus an der StraßeAggregate im Gebäude, zwei Rohrbündel mit je 5 Rohren1010 (03/2019)
SüdhausAggregate im Gebäude109
WestreiheHof, Sammelschornsteine mit 4 und 5 Zügen99
Hof Ost, Haus 12 Sammelschornsteine mit je 4 Zügen88
Hof Ost, Haus 22 Sammelschornsteine mit je 4 Zügen88
Summe4544

Die beiden jüngsten Wellen mit je 9 Aggregaten gehören zu den Häusern, die 2023 noch im Bau waren. Für die fünf fertigen Häuser bleibt eine Abweichung von einem Zug. Er kann ein Reserveaggregat sein, ein noch nicht gemeldetes oder ein Zählfehler. Das Ergebnis: Der Campus lässt sich zu rund 98 % aus dem Register erklären, und jede Ausbauwelle ist ein Haus.

Die Regel zum Zählen: Bei Sammelschornsteinen die Rohre in der Mündung zählen, bei Wandaustritten die Rohröffnungen. Jedes Rohr ist ein Aggregat.

Die Koordinaten im MaStR helfen nur bedingt. Bei manchen Standorten liegen alle Aggregate auf einem Punkt, in Raunheim eines sogar 3,5 km daneben. Bei anderen, etwa Equinix FR2 in Frankfurt-Seckbach, zeigen sie die tatsächliche Lage der Aggregatreihen.

Leistung grob abschätzen

Für Rechenzentren ohne veröffentlichte Zahlen lässt sich die IT-Leistung aus dem Luftbild grob schätzen. Zwei Spuren eignen sich:

SpurRechnungHerleitung
NotstromAggregate × 2,5 MW ÷ 2Neue Aggregate leisten 2,2 bis 2,6 MW. Die Netzersatzanlage deckt IT, Kühlung und Reserve und ist an 25 Standorten mit bekannten Zahlen im Mittel das 1,4- bis 2-Fache der IT-Leistung.
Rückkühlergroße Rückkühler × 1 MWAn drei Standorten mit bekannter Leistung kommen auf einen großen Rückkühler 0,7 bis 1,2 MW IT.

Die Notstromspur ist verlässlicher, weil Aggregate genormte Größen haben und das Register Vergleichswerte liefert. Rückkühler gibt es in vielen Bauformen, manche stehen unter Gitterrosten oder am Boden. Das Ergebnis ist immer eine Spanne, nie ein Wert. Liegen beide Spuren um mehr als den Faktor 2 auseinander, ist eine Zählung falsch oder das Haus noch nicht voll ausgebaut.

Probe Hattersheim: je Haus 9 Aggregate × 2,5 MW ÷ 2 ≈ 11 MW, 14 Rückkühler × 1 MW ≈ 14 MW. NTT nennt 70,4 MW im Endausbau für sieben Häuser, also rund 10 MW je Haus.

Probe Mittenwalde: Der Campus Berlin II von Vantage in Mittenwalde südlich von Berlin hat zwei Häuser. Am Nordhaus BER21 stehen 11 Aggregate in Containern an zwei Seiten, am Südhaus BER22 12 in einer langen Reihe. 23 × 2,5 MW ÷ 2 ergibt rund 29 MW, Vantage nennt 32 MW. Die Faustregel liegt rund 10 % daneben. Beim Zählen im Schatten verzählt man sich leicht: die erste Zählung im Orthofoto ergab am Nordhaus 12, ein neueres Bild zeigte 11.

Wer die Fläche als dritte Spur nimmt, braucht Geschosszahl und Anteil der IT-Fläche. Beides sieht man von oben nicht sicher. Zur Plausibilität taugt sie trotzdem: ein Gebäude mit 4.000 m² Grundfläche und drei Geschossen wird kaum 100 MW tragen.

Wachstum über die Jahre: Digital Park Fechenheim

Dreizehn Luftbilder von 2000 bis 2025: ein Logistikgelände mit Gleisschleife wird abgerissen, an seiner Stelle entsteht ein Rechenzentrumscampus
Gelände des Digital Park Fechenheim in Frankfurt am Main, 2000 bis 2025, je 700 × 700 m. Luftbilder © Stadt Frankfurt am Main, Stadtvermessungsamt

Die Zeitreihe zeigt ein Gelände im Frankfurter Osten über zehn Jahre. Bis 2021 steht dort ein großes Logistikzentrum, gut zu erkennen an den hellen Hallen und der Gleisschleife, die das Gelände umrundet. Im Sommer 2022 ist es abgerissen, 2023 eine Baugrube. Ab 2024 wachsen die ersten Rechenzentrumsbauten des Digital Park Fechenheim von Digital Realty, erkennbar am dunklen Dach im Norden des Geländes. Die Gleisschleife bleibt als Rahmen sichtbar und macht die Bilder vergleichbar.

Einzelne Geräte zeigt Sentinel-2 nicht, ein Pixel ist 10 × 10 m groß. Für den Bauablauf reicht das: Abriss, Baugrube und neue Dächer sind eindeutig. Wer Details will, legt einzelne Jahrgänge der Orthofotos daneben.

Ein Stück weiter westlich, an der Hanauer Landstraße, verlief das Wachstum anders: Dort hat sich seit 2000 ein bestehendes Gewerbegebiet verdichtet, Halle für Halle wurde durch ein Rechenzentrum ersetzt. Beides ist typisch für Frankfurt. Neue Campusflächen entstehen auf Industriebrachen, alte Standorte wachsen in die Nachbarschaft.

Was man nicht sieht

  • Betreiber und Kunden: Ein Rechenzentrum trägt selten ein Schild auf dem Dach. Den Betreiber verraten Bebauungspläne, Genehmigungen, Pressemitteilungen oder die Liste der Rechenzentren.
  • Belegte Leistung: Aggregate und Rückkühler stehen für den Ausbau, nicht für die Auslastung. Ein neues Haus kann fertig und fast leer sein.
  • Kühlverfahren im Detail: trocken oder adiabat, mit oder ohne Kältemaschine, Flüssigkühlung im Gebäude.
  • Abwärme: Wärmepumpen und Übergabestationen für die Abwärmenutzung sind kleine Gebäude, von oben kaum von anderer Technik zu unterscheiden.

Wärmebilder aus dem All

Die Idee liegt nahe: Ein Rechenzentrum mit 50 MW gibt viel Wärme ab, also müsste es im Thermalbild eines Satelliten leuchten. Ein Test mit Landsat 9 über Hattersheim und über Ashburn in Virginia, dem größten Rechenzentrumsgebiet der Welt, zeigt das Gegenteil. Am Tag bestimmen Sonne und Oberfläche die Temperatur: Asphalt und dunkle Dächer sind heiß, Wasser und Wald kühl. Die weißen Dächer der Rechenzentren sind sogar eher kühler als die Parkplätze daneben. Eine ältere Nachtaufnahme von Ashburn zeigt alle versiegelten Flächen wärmer als Felder und Wald, die Rechenzentrumsbauten heben sich davon nicht ab.

Zwei Gründe: Die Thermalkanäle haben 70 bis 100 m Auflösung, ein Rückkühlerfeld ist darin ein paar Pixel. Und die Rückkühler blasen die Wärme in die Luft, der Satellit misst aber die Oberfläche.

Häufige Fehler beim Deuten

  • Kippen übersehen: Hohe Gebäude erscheinen im Orthofoto seitlich versetzt. Dach und Umriss im Kataster decken sich dann nicht ganz, am Bildrand stärker als in der Mitte.
  • Im Schatten zählen: Geräte im Schatten eines Gebäudes verschwimmen. Eine zweite Bildquelle mit anderem Sonnenstand prüfen.
  • Altes Bild für den heutigen Stand nehmen: Flugdatum prüfen, bei Baustellen immer.
  • Radiator für Rückkühler halten: Lüfter nur an einem Ende heißt Aggregat.
  • Betreiberfläche mit Grundfläche vergleichen: Betreiber nennen Brutto- oder IT-Fläche über alle Geschosse.
  • Register als vollständig ansehen: Nicht jedes Aggregat steht im MaStR, nicht jede Koordinate stimmt.
  • Eine Spur allein glauben: Jede Schätzung mit einer zweiten Spur gegenprüfen.

Weblinks

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