Colocation-Checkliste: Rechenzentrum richtig auswählen
Datenblätter von Rechenzentren sehen sich ähnlich: N+1, Tier 3, Design-PUE unter 1,3, carrier-neutral, ISO 27001. Was dahinter steckt, zeigt sich erst bei der Nachfrage. Diese Checkliste übersetzt die üblichen Angaben in konkrete Fragen und nennt, woran Sie eine gute Antwort erkennen.
Sie richtet sich an drei Lesergruppen:
- Eigenbetreiber, die ihren Serverraum aufgeben und Fläche in einem Rechenzentrum suchen.
- IT-Dienstleister, die für eigene Plattformen oder für Kunden Racks und Cages anmieten.
- Outsourcing-Anbieter, die ein Rechenzentrum passend zu den Vorgaben einer Ausschreibung oder öffentlichen Vergabe finden müssen.
Bevor Sie anfragen: den eigenen Bedarf klären
Ohne eigene Zahlen lassen sich Angebote nicht vergleichen. Vorab gehören auf ein Blatt:
| Bedarf | Was Sie wissen sollten |
|---|---|
| Fläche | Zahl der Geräte und ihre Höheneinheiten, nicht nur die Zahl der Racks; Reserve für drei bis fünf Jahre |
| Leistung | gemessene Leistungsaufnahme in kW je Rack heute und geplant, nicht die Typenschildwerte der Netzteile |
| Redundanz | Haben alle Geräte zwei Netzteile? Wenn nicht, brauchen Sie einen Transferschalter im Rack |
| Anbindung | benötigte Carrier, Bandbreiten, Verbindungen zu Cloud-Anbietern und anderen Standorten |
| Zugang | Wie oft sind eigene Techniker vor Ort, wie weit ist der Weg? |
| Vorgaben | Branchenregeln, Kundenverträge, Ausschreibung oder Vergabeunterlagen, Versicherung |
Standort und Gebäude
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| Wie ist der Standort gefährdet? Hochwasser, Flugschneise, Industrieanlagen, Bahn | Nach den Standortkriterien des BSI scheiden manche Lagen von vornherein aus | Anbieter kennt die Gefährdungen und nennt Abstände. Warnsignal: „bisher ist nichts passiert“ |
| Wie weit liegt das Rechenzentrum vom eigenen Zweitstandort entfernt? | Für Georedundanz empfiehlt das BSI rund 200 km, mindestens 100 km | Entfernung passt zum eigenen Redundanzkonzept |
| Wie kommt die Hardware ins Gebäude? | Laderampe, Türmaße und Aufzugslast entscheiden über schwere Racks | Rampe, Aufzug ab 2 t, Staging-Raum zum Auspacken. Warnsignal: Anlieferung über Treppenhaus |
| Wie viel Last trägt der Boden? | Volle Racks wiegen über eine Tonne | Wert in kN/m² oder kg/m² für die konkrete Fläche |
| Gibt es Lager, Arbeitsplätze, Besprechungsraum? | Ersatzteile, Ersteinrichtung, Notfall | Lagerfläche mietbar, Arbeitsplätze für Techniker, auf Wunsch Ausweicharbeitsplätze |
| Ist Platz zum Wachsen? | Umzug in ein zweites Rechenzentrum ist teuer | Vorkaufsrecht auf Nachbarflächen im Vertrag |
Strom
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| Wie viel kW je Rack sind möglich — je Feed oder gesamt? | Angaben in Ampere oder „bis zu“ lassen viel offen | kW-Wert je Rack, getrennt nach A- und B-Feed |
| Sind A- und B-Feed bis zur Quelle getrennt? | Zwei Steckdosen an derselben USV sind keine Redundanz | getrennte USV, Verteilung und Pfade bis zur Netzersatzanlage |
| Wie ist das Gebäude ans Stromnetz angeschlossen? | Ein Schaden am gemeinsamen Umspannwerk trifft beide Feeds | zwei unabhängige Einspeisungen, möglichst aus verschiedenen Umspannwerken. Warnsignal: eine Einspeisung, Redundanz erst ab der NEA |
| Welche Absicherung und Stecker gibt es je Feed? | entscheidet, welche PDU passt | z. B. 16 A oder 32 A, CEE oder C13/C19, dreiphasig auf Wunsch |
| Wie lange reicht der Kraftstoff bei Volllast? | Ein langer Netzausfall ist ein Logistikproblem | Tankreichweite in Stunden, mehrere Lieferverträge. Warnsignal: „Tank ist groß genug“ |
| Wie oft wird unter Last getestet? | Ungetestete Notstromanlagen versagen im Ernstfall | regelmäßige Lastprobe, Black Building Test mit Protokoll; keine Auflagen, etwa zum Lärmschutz, die Probeläufe einschränken |
| Wie werden die USV-Batterien geprüft und getauscht? | Batterien altern auch ohne Last | Prüfintervalle, Protokolle, geplanter Austauschzyklus |
| Woher kommt der Strom aus erneuerbaren Quellen? | Für eigene Nachhaltigkeitsberichte zählt der Nachweis | entwertete Herkunftsnachweise oder PPA, Nachweise auf den Kunden übertragbar |
| Welche Redundanz haben USV und NEA? | N, N+1 und 2N unterscheiden sich im Wartungsfall | Angabe nach Redundanz für jede Stufe einzeln |
| Wie hoch ist die Leistungsdichte, die der Anbieter wirklich kühlen kann? | Strom ohne Kühlung nützt nichts | Strom- und Kühlgrenze stimmen überein |
Kühlung
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| In welchem Temperaturbereich wird gefahren, gemessen wo? | Maßgeblich ist die Ansaugseite der Geräte | Bereich nach ASHRAE, Messpunkt am Rack |
| Sind Kalt- und Warmgang eingehaust? | ohne Einhausung mischt sich Luft, die Kühlung wird unberechenbar | Einhausung vorhanden oder für eigene Cages möglich |
| Welche Redundanz hat die Kälteerzeugung? | Ausfall eines Kühlgeräts darf nicht zum Ausfall führen | N+1 oder besser, auch bei Wartung |
| Ist Flüssigkühlung möglich, und welche? | GPU-Server brauchen sie ab einigen zehn kW je Rack | Anschluss für eine CDU an Gebäudewasser, mit Temperaturangabe; für Immersionskühlung zusätzlich Bodenlast und Umgang mit der Kühlflüssigkeit geklärt |
| Wie hoch ist die PUE im Betrieb, nicht im Design? | Die Design-PUE gilt bei Volllast, ein halb belegtes Haus liegt schlechter | gemessener Jahreswert nach PUE. Warnsignal: nur der Designwert |
| Wird Abwärme genutzt? | Thema für Nachhaltigkeitsberichte | Angabe zum Energy Reuse Factor |
| Wie viel Wasser verbraucht die Kühlung? | Verdunstung spart Strom, kostet aber Wasser | gemessene WUE, Verdunstung nur an heißen Tagen oder geschlossene Kreisläufe |
| Wird das Kühlwasser auf Legionellen untersucht? | Bei Verdunstungskühlung gelangt Wasser in die Außenluft; Untersuchungen sind Pflicht nach 42. BImSchV | Betrieb nach VDI 2047 Blatt 2, regelmäßige Laborbefunde, Prüfberichte auf Anfrage einsehbar |
Netz und Anbindung
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| Welche Carrier sind im Haus? | carrier-neutral heißt nicht, dass Ihr Carrier da ist | Liste mit Namen. Warnsignal: nur eine Anzahl |
| Sind Hauseinführungen und Trassen knoten- und kantendisjunkt? | zwei Carrier im selben Kabelkanal oder im selben Schacht fallen gemeinsam aus | mindestens zwei Einführungen an verschiedenen Gebäudeseiten; kantendisjunkt (kein gemeinsamer Kabelweg) und knotendisjunkt (kein gemeinsamer Schacht, Verteiler oder Netzknoten), belegt mit Trassenplan |
| Wie viele Meet-Me-Rooms gibt es? | der Meet-Me-Room ist sonst ein Single Point of Failure | zwei Räume in verschiedenen Brandabschnitten, jeder mit eigener Hauseinführung |
| Wie schnell wird ein Cross Connect geschaltet? | Neue Verbindungen sollen nicht Wochen dauern | Zusage in Werktagen, klarer Ablauf mit LOA |
| Gibt es einen Internetknoten oder direkte Cloud-Anbindung? | Peering und Cloud senken Kosten und Latenz | Präsenz eines Knotens wie DE-CIX, Cloud On-Ramp zu den genutzten Anbietern |
| Wie lässt sich ein zweiter Standort anbinden? | Data Center Interconnect für Spiegelung und Georedundanz | Auswahl zwischen Dark Fiber (eigene Technik an beiden Enden, volle Kontrolle), Wellenlänge über WDM (Anbieter liefert die Optik) und Ethernet-Port als fertiger Dienst (einfach, aber Bandbreite und Latenz vom Anbieter abhängig); Trassenverlauf und Latenz bekannt. Für synchrone Spiegelung zählt die Umlaufzeit (RTT): Licht braucht in der Faser rund 1 ms für 100 km hin und zurück |
| Gibt es eine Zeitreferenz? | Handel, Telekommunikation, Messtechnik und verteilte Datenbanken brauchen genaue Zeit | Zeitdienst per NTP oder PTP (IEEE 1588) im Meet-Me-Room, oder ein Antennensignal von GNSS-Antennen auf dem Dach, verteilt bis ins Rack |
| Dürfen eigene Antennen montiert werden? | eigene GNSS- oder DCF77-Empfänger für unabhängige Zeit | Montageplatz auf dem Dach oder am Gebäude, Kabelweg ins Rack, Blitz- und Überspannungsschutz für die Zuleitung durch den Betreiber geregelt |
Sicherheit und Zutritt
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| Wie ist der Weg bis zum Rack gesichert? | Sicherheit entsteht in Schalen | Zaun, Vereinzelungsanlage, Zonen bis zum Cage, jede Stufe protokolliert |
| Welche Widerstandsklasse haben Türen, Wände und Cage-Gitter? | Einbruchschutz ist nur so stark wie das schwächste Bauteil | Klasse nach EN 1627, für Data Hall und Cage typisch RC3 oder höher; Cage-Gitter bis zur Rohdecke und unter dem Doppelboden geschlossen. Warnsignal: Gitter endet an der abgehängten Decke |
| Ist Personal rund um die Uhr vor Ort? | Kamera ohne Mensch reagiert nicht | Sicherheitspersonal und Leitstand 24/7 |
| Wie kommen eigene Techniker hinein? | Zutritt nachts und am Wochenende | 24/7, Anmeldefrist in Stunden, Ausweis mit PIN oder Biometrie |
| Darf ich eigene Schlösser, Kartenleser, Kameras einbauen? | eigene Protokollierung, Vorgaben der Kunden | erlaubt, mit Aufschaltung auf eigenes System |
| Welche Brandmelde- und Löschtechnik schützt die Fläche? | Wasser in der Data Hall ist ein eigenes Risiko | Ansaugrauchmelder, Gas- oder Sauerstoffreduktion; bei Sprinklern: vorgesteuert, trocken |
| Sind die Gaslöschdüsen schallgedämpft? | Der Schalldruck beim Auslösen kann Festplatten beschädigen | schallgedämpfte Düsen, Druckentlastung des Raums |
| Wie ist das Personal des Betreibers überprüft? | Wer an Ihr Rack kommt, ist Teil Ihres Sicherheitskonzepts | Führungszeugnis bei Einstellung, Verpflichtung auf Vertraulichkeit. Sicherheitsüberprüfungen nach SÜG betreffen in Vergabeprojekten die eigenen Administratoren mit Zugriff auf die Systeme, nicht das Personal des RZ-Betreibers |
| Dürfen Sie oder Ihre Prüfer vor Ort auditieren? | Nachweis für ISO 27001, KRITIS, Finanzaufsicht | Audit- und Zutrittsrecht im Vertrag, Kosten geregelt |
| Wer bekommt Zutrittslisten und Protokolle? | Nachweis für eigene Audits | Auszug auf Anfrage oder im Portal |
Zertifikate richtig lesen
Ein Zertifikat sagt nur so viel wie sein Geltungsbereich. Fragen Sie bei jedem: Für welchen Standort, welche Fläche und welche Leistungen gilt es, und bis wann? Ein ISO-27001-Zertifikat der Konzernzentrale sagt über das Rechenzentrum in einer anderen Stadt nichts.
| Zertifikat | Was es belegt | Worauf achten |
|---|---|---|
| EN 50600 | Infrastruktur nach europäischer Norm | Verfügbarkeitsklasse VK 1 bis 4 angeben lassen |
| Tier | Redundanzkonzept nach Uptime Institute | Design, Constructed Facility oder Operational — nur die letzten beiden prüfen das gebaute Haus |
| ISO/IEC 27001 | Informationssicherheits-Managementsystem | Geltungsbereich; in Deutschland auch auf Basis IT-Grundschutz |
| ISO 50001 | Energiemanagementsystem | nach EnEfG brauchen Rechenzentren ab 1 MW seit 2026 ein zertifiziertes oder validiertes Energiemanagementsystem (ISO 50001 oder EMAS) |
| ISAE 3402 / SOC 1, SOC 2 | Prüfbericht eines Wirtschaftsprüfers über Kontrollen | Typ 2 prüft die Wirksamkeit über einen Zeitraum, Typ 1 nur den Stichtag; Bericht einsehen, nicht nur das Logo |
| PCI DSS | Anforderungen der Kartenzahlungsbranche | nur relevant, wenn Sie Kartendaten verarbeiten |
Mehr dazu unter Zertifizierung von Rechenzentren.
Recht und Regulierung
Energieeffizienzgesetz
Das Energieeffizienzgesetz verpflichtet Betreiber zu Grenzwerten für PUE, Anteil erneuerbarer Energie und Abwärmenutzung, zum Eintrag ins Rechenzentrumsregister und zu einem Energiemanagementsystem. Für Kunden wichtig: Nach § 15 muss der Betreiber jedem Kunden jährlich die direkt zuzuordnenden Energieverbräuche darstellen.
Das Gesetz wird derzeit geändert. Der Entwurf verschiebt mehrere Fristen und Grenzwerte und streicht § 15. Vereinbaren Sie die Verbrauchsdaten deshalb im Vertrag, statt sich auf das Gesetz zu verlassen — vor allem, wenn Sie sie für eigene Nachhaltigkeitsberichte brauchen.
NIS2, KRITIS und Finanzsektor
Anbieter von Rechenzentrumsdiensten fallen selbst unter NIS2 und mussten sich bis März 2026 beim BSI registrieren. Fragen Sie nach der Registrierung. Fallen Sie selbst unter NIS2 oder KRITIS, müssen Sie Ihre Dienstleister in das eigene Risikomanagement einbeziehen; der Anbieter sollte Nachweise liefern, die Sie in eigenen Audits verwenden können.
Das KRITIS-Dachgesetz regelt seit 2026 zusätzlich den physischen Schutz kritischer Anlagen, mit Risikoanalyse, Resilienzplan und Meldepflicht. Welche Rechenzentren darunter fallen, legt eine Verordnung fest, die noch aussteht.
Banken, Versicherer und Zahlungsdienstleister unterliegen zusätzlich der EU-Verordnung DORA und den Vorgaben der Finanzaufsicht. Verlangt werden unter anderem uneingeschränkte Zugangs-, Prüf- und Auditrechte für Sie und die Aufsicht, eine dokumentierte Exit-Strategie, Transparenz über die Kette der Unterauftragnehmer und bei kritischen Funktionen die Mitwirkung an bedrohungsorientierten Penetrationstests (TLPT). Klären Sie früh, ob der Anbieter einen fertigen DORA-Zusatz zum Vertrag hat oder eigene Klauseln akzeptiert.
Datenschutz und Konzernstruktur
Fasst das Personal des Anbieters Ihre Geräte oder Datenträger an, etwa bei Remote Hands, kann ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung nötig sein. Fragen Sie auch nach der Vernichtung von Datenträgern vor Ort.
Gehört der Anbieter zu einem Konzern mit Sitz in den USA, spielt für manche Auftraggeber der CLOUD Act eine Rolle — vor allem bei öffentlichen Ausschreibungen.
Betrieb im Alltag
| Frage | Warum sie zählt | Antwort |
|---|---|---|
| Was leisten Remote Hands, in welcher Reaktionszeit? | Neustart, Kabeltausch, Austausch von Festplatten ohne eigene Anreise | Leistungskatalog, Reaktionszeit getrennt für normal und Notfall, nachts verfügbar |
| Wie werden Wartungen angekündigt? | Arbeiten an Strom und Kühlung betreffen Sie | feste Vorlaufzeit in Tagen, Ankündigung per Mail und Portal |
| Wie werden Störungen gemeldet? | Sie wollen nicht als Letzter davon erfahren | aktive Meldung, Ticketsystem, Abschlussbericht |
| Gibt es ein Kundenportal? | Strom und Temperatur selbst prüfen | Werte je Rack und Feed, Zutrittsprotokolle, Tickets |
| Wer nimmt Lieferungen an? | Pakete kommen nicht nur zu Geschäftszeiten | Annahme mit Lagerung, Benachrichtigung |
| Wo wird neue Hardware ausgepackt und akklimatisiert? | Kalte Geräte im warmen Raum beschlagen | temperierter Staging-Raum, Geräte erst nach Angleichen der Temperatur einschalten |
| Wird das Haus von eigenen Leuten betrieben? | ausgelagerter Betrieb verlängert Wege | eigenes Betriebsteam und eigenes NOC vor Ort |
Kosten
Angebote lassen sich nur vergleichen, wenn alle Positionen auf dem Tisch liegen. Vieles, was im Datenblatt selbstverständlich wirkt, kostet extra.
| Position | Abrechnung | Was Sie fragen sollten |
|---|---|---|
| Rack oder Cage | monatlich | Was ist im Preis enthalten: Strom, Schloss, PDU, Kühlung? |
| Strom | Pauschale, Kontingent oder Zähler | kWh-Preis, Aufschlag für Kühlung (PUE-Faktor), Preisgleitklausel, Verfall ungenutzter Kontingente |
| Cage-Bau | einmalig | Gitter, Tür, Decke, Einhausung |
| Cross Connect | einmalig und monatlich | Preis je Verbindung, Unterschied Kupfer/Glasfaser |
| Internet-Zugang | einmalig und monatlich | Bereitstellungsentgelt, Abrechnung nach Bandbreite oder 95. Perzentil, Mindestabnahme, Kosten für Upgrade der Bandbreite |
| PDUs | einmalig oder Miete | schaltbar, mit Messung je Port, zusätzliche Stromkreise |
| Schlösser, Kartenleser, eigene Kameras | einmalig und monatlich | Einbau, Aufschaltung, Wartung |
| Remote Hands | nach Aufwand | Taktung in 15 oder 30 Minuten, Zuschläge nachts und am Wochenende, Kontingente |
| Antennen, Zeitsignal | einmalig und monatlich | Montage und Kabelweg für eigene Antennen, Blitzschutz, Miete für Dachfläche, Gebühr für einen Zeitdienst oder ein verteiltes Antennensignal |
| Lager, Entsorgung, Datenträgervernichtung | nach Aufwand | Preise je Leistung |
| Besucherbegleitung, Zutritt außerhalb der Geschäftszeit | nach Aufwand | ob überhaupt berechnet |
| Rückbau | einmalig | Zustand bei Rückgabe, Kosten |
Vergleichen pro Kilowatt
Rechnen Sie alle Angebote auf Kosten je kW IT-Leistung und Monat um, einschließlich Strom. Ein günstiges Rack mit 4 kW kann teurer sein als ein teures mit 10 kW, wenn Sie dafür zwei Racks brauchen. Über die gesamte Laufzeit hilft eine Betrachtung der TCO.
Preisbindung und Bereitstellung
- Preisbindung: Wie lange ist der Flächenpreis fest? Strom ist fast immer variabel. Gibt es eine jährliche Indexierung, etwa an den Verbraucherpreisindex?
- Bereitstellungszeiten: Rack, Cage, zusätzlicher Feed und Cross Connect haben unterschiedliche Vorlaufzeiten. Gibt es dafür feste Zusagen oder nur Richtwerte?
- Wachstum: Werden Preise für spätere Erweiterungen schon heute festgeschrieben?
SLA: was im Kleingedruckten steht
Ein SLA ist kein Versicherungsschein, sondern ein Rabatt bei Ausfall. Gegen den eigentlichen Schaden schützen nur Redundanz und die eigene Versicherung. Umso wichtiger ist, was genau zugesagt wird.
Was abgedeckt ist
| SLA | Gemessen wird | Fragen Sie |
|---|---|---|
| Strom | Verfügbarkeit am Abgang der PDU | Gilt der Wert nur, wenn beide Feeds genutzt werden? |
| Klima | Temperatur und Feuchte an der Ansaugseite | Wo sitzt der Messpunkt, wie lange darf der Wert überschritten werden? |
| Netz | Verfügbarkeit, Latenz, Paketverlust des Internet-Zugangs | Bis wohin reicht das SLA — Port im Rack oder Übergabe im Meet-Me-Room? |
| Bereitstellung | Zeit bis zur Schaltung | fest zugesagt oder „in der Regel“? |
| Remote Hands | Reaktionszeit | Reaktion heißt Rückruf oder Techniker am Rack? |
Worauf es ankommt
- Was als Ausfall zählt. Manche SLAs zählen Unterbrechungen erst ab einer Mindestdauer oder nur, wenn beide Feeds ausfallen.
- Ausnahmen. Angekündigte Wartung, höhere Gewalt, Fehler auf Kundenseite wie überlastete PDUs oder Geräte mit nur einem Netzteil.
- Messzeitraum. 99,99 % pro Jahr erlauben rund 53 Minuten Ausfall am Stück, pro Monat nur 4,4 Minuten. Mehr unter Verfügbarkeitsklassen.
- Gutschriften. Meist ein Prozentsatz der Monatsgebühr, gedeckelt. Mit dem tatsächlichen Schaden hat das nichts zu tun.
- Geltendmachung. Oft nur auf Antrag innerhalb einer Frist — wer nicht beantragt, bekommt nichts.
- Sonderkündigung. Dürfen Sie bei wiederholter Verletzung außerordentlich kündigen?
- Nachweis. Wer misst, und bekommen Sie Zugriff auf die Werte?
- Haftung. Gutschriften sind meist die einzige Entschädigung; Folgeschäden sind ausgeschlossen.
Vertrag
| Punkt | Fragen Sie |
|---|---|
| Laufzeit | Mindestlaufzeit, automatische Verlängerung, Kündigungsfrist |
| Wachstum | Vorkaufsrecht auf Nachbarflächen, Zusage zusätzlicher Leistung |
| Haftung und Versicherung | Haftungsgrenzen, Versicherung des Anbieters, eigene Versicherung für die Hardware |
| Unterauftragnehmer | Wer betreibt Sicherheit, Technik, Remote Hands? |
| Eigentümerwechsel | Was gilt bei Verkauf des Rechenzentrums oder Insolvenz des Betreibers? |
| Ende | Rückbau, Fristen für den Auszug, Zugang während des Umzugs |
Für Ausschreibungen und öffentliche Vergabe
Wer ein Rechenzentrum für eine Ausschreibung sucht, arbeitet gegen feste Vorgaben. Bei öffentlichen Auftraggebern stehen sie in den Vergabeunterlagen, und das Vergaberecht gibt die Begriffe vor:
| Begriff | Bedeutung für die RZ-Auswahl |
|---|---|
| Leistungsbeschreibung | beschreibt, was das Rechenzentrum leisten muss; oft als Leistungsverzeichnis mit einzelnen Positionen |
| Eignungskriterien | prüfen den Bieter: Fachkunde, Leistungsfähigkeit, Referenzen, Zertifikate |
| Zuschlagskriterien | bewerten das Angebot: Preis, Qualität, oft mit Gewichtung in Prozent |
| Mindestanforderungen | Ausschlusskriterien; wer sie nicht erfüllt, scheidet aus |
| Nachweise | Zertifikat, Prüfbericht oder Eigenerklärung — welche Form gefordert ist, steht in den Unterlagen |
| Bieterfragen | Unklarheiten in den Vergabeunterlagen schriftlich klären, bevor die Frist abläuft |
Wer als Dienstleister anbietet und das Rechenzentrum nicht selbst betreibt, muss die Nachweise des RZ-Betreibers beibringen. Klären Sie früh, ob der Betreiber Zertifikate, Prüfberichte und eine Besichtigung für die Vergabe zur Verfügung stellt und ob er als Unterauftragnehmer benannt werden muss.
Typische Anforderungen an das Rechenzentrum in Leistungsbeschreibungen:
- Verfügbarkeit: Verfügbarkeitsklasse nach EN 50600 oder Tier-Stufe, oft mit Nachweis durch Zertifikat
- Georedundanz: Mindestabstand zwischen Haupt- und Ausweichstandort in Kilometern, oft angelehnt an die BSI-Empfehlung
- Standort: Betrieb in Deutschland oder der EU, Vorgaben zur Konzernstruktur des Anbieters
- Sicherheit: ISO 27001, häufig auf Basis IT-Grundschutz, oder ein Prüfbericht nach ISAE 3402
- Energie: Anteil erneuerbarer Energie, PUE-Obergrenze
- Nachweise: Referenzen, Besichtigung, Auszüge aus Prüfberichten
Hilfreich ist eine Tabelle mit jedem Kriterium, der Einordnung als Muss oder Kann, dem verlangten Nachweis und der Antwort jedes Anbieters. Muss-Kriterien, die ein Anbieter nicht erfüllt, sortieren ihn aus, bevor über Preise gesprochen wird.
Die häufigsten Fehler
- Racks verglichen statt Kilowatt.
- Strompreis nicht nachgefragt, weil die Pauschale günstig aussah.
- Zertifikat geprüft, aber nicht den Geltungsbereich.
- Zwei Carrier gewählt, die im selben Kabelkanal liegen.
- Geräte mit nur einem Netzteil an A- und B-Feed verteilt — und geglaubt, sie seien redundant.
- SLA gelesen, aber nicht die Ausnahmen.
- Keine Reserve für Wachstum vereinbart.