Cage (Rechenzentrum)

Ein Cage ist eine mit Gitterwänden abgetrennte Fläche innerhalb eines Rechenzentrumsraums, die einem einzelnen Kunden zugewiesen ist. Darin stehen dessen eigene Racks; der Zutritt erfolgt über eine eigene, gesondert gesicherte Tür.

Gemietet wird dabei Fläche und Leistung, nicht Schrankplatz. Wie die Fläche bestückt wird, entscheidet der Kunde.

Die Stufen der Colocation

Cage ist eine Stufe in einer Reihe, und die Begriffe werden oft durcheinandergeworfen:

StufeWas gemietet wird
Höheneinheiteneinzelne HE in einem fremden Schrank
Rack oder Cabinetein ganzer, abschließbarer Schrank (einige Anbieter vermieten auch Teile von Racks)
Cageabgetrennte Fläche mit eigenen Schränken
Suite oder Private Roomeigener Raum mit massiven Wänden und eigener Tür

Der Sprung vom Schrank zum Cage ist weniger eine Frage der Größe als der Abgrenzbarkeit: Ab hier endet fremder Zugriff an einer eigenen Tür, und der Betreiber betritt den Bereich nur nach Vereinbarung.

Warum Gitter und keine Wand

Die Gitterbauweise wirkt improvisiert, ist aber bewusst gewählt.

Luftführung. Eine massive Wand mitten im Raum würde die Luftführung des Saals zerschneiden. Das Gitter lässt Kalt- und Warmluft so strömen, wie der Raum ausgelegt ist — die Einhausung bleibt die des Kaltgangs, nicht die des Cages.

Brandmeldung und Löschung. Rauchansaugsysteme und Löschanlagen sind für den gesamten Raum ausgelegt. Ein geschlossenes Volumen darin müsste eigene Technik bekommen und eigens abgenommen werden.

Veränderbarkeit. Gitterelemente lassen sich versetzen, wenn der Kunde wächst oder die Fläche neu geschnitten wird.

Ausgeführt wird üblicherweise bis zur Decke oder mit Gitterdach, damit niemand übersteigen kann. Wo Sichtschutz verlangt ist, kommen blickdichte Platten im unteren Bereich dazu — was die Luftführung wieder beeinträchtigt und deshalb mit dem Betreiber abzustimmen ist.

Wofür man einen nimmt

Nachweisbare Trennung. Der häufigste Grund ist nicht Diebstahlsorge, sondern Prüfbarkeit. Regelwerke zur Informationssicherheit verlangen dokumentierte Zutrittskontrolle zu den Systemen; ein eigener Bereich mit eigener Zutrittsliste und eigenem Protokoll ist gegenüber Prüfern deutlich einfacher darzustellen als ein Schrankschloss in einer gemeinsamen Reihe.

Eigene Ordnung. Innerhalb des Cages bestimmt der Kunde Aufstellung, Kabelführung, Beschriftung und Schrankmodell. Wer viele Systeme betreibt, gewinnt dadurch mehr als durch jede Einzelmaßnahme am Schrank.

Arbeitsfläche. Platz für Tische, Ersatzteile, Verpackungsmaterial und das Staging neuer Systeme — im Mietschrank nicht vorgesehen.

Reserve. Eine Fläche lässt sich größer anmieten als zunächst bestückt. Das sichert Wachstum an einem Standort, der sonst vielleicht ausgebucht ist.

Was im Vertrag steht

Die Fläche in Quadratmetern ist die auffällige Größe, aber selten die teure. Preisbestimmend ist die zugesicherte Leistung in Kilowatt — und die wird bezahlt, ob sie abgerufen wird oder nicht; Näheres unter Anschlussleistung.

Daraus folgt, dass die sinnvolle Cage-Größe von der Leistungsdichte abhängt. Wer dieselbe Leistung auf weniger Schränke verdichtet, braucht weniger Fläche — stößt aber früher an die Kühlgrenze des Raums.

Weitere Punkte, die geregelt werden: die Liste zutrittsberechtigter Personen, ob Begleitung durch Betriebspersonal nötig ist, wer im Störungsfall ohne Voranmeldung eintreten darf, und wie Cross Connects in den Bereich geführt werden — in der Regel über ein eigenes Patchfeld am Rand des Cages, von dort weiter zum Meet-Me-Room.

Abgrenzung

Käfigmutter. Im Englischen cage nut — dasselbe Wort, ein völlig anderer Gegenstand. Siehe Käfigmutter.

Suite. Massive Wände, eigene Tür, teils eigene Kühlung und eigene Brandmeldung. Die Trennung ist vollständiger, die Abhängigkeit von der Raumtechnik geringer — und der Aufwand entsprechend größer.

Shared Cage. Mehrere Kunden teilen sich einen abgetrennten Bereich mit getrennten Schlössern. Günstiger, aber die nachweisbare Trennung, derentwegen man einen Cage nimmt, ist damit gerade aufgegeben.

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