Meet-Me-Room
Abkürzung: MMR
Der Meet-Me-Room ist der Raum eines Rechenzentrums, in dem die Netze verschiedener Carrier und Anbieter zusammengeführt werden. Von hier aus laufen die Cross Connects zu den einzelnen Kunden im Haus.
Er enthält keine Server und erzeugt keinen Umsatz aus Fläche. Trotzdem entscheidet er darüber, was ein Standort wert ist.
Was steht im Meet-Me-Room
Im Kern ist es ein Verteilerraum, allerdings einer mit besonderer Ordnung:
- Spleißkassetten, in denen die einlaufenden Außenkabel der Carrier aufgelegt werden — oft kommen sie aus verschiedenen Richtungen ins Gebäude.
- Rangierverteiler für Glasfaser und Kupfer, über die jede Verbindung gesteckt wird.
- Abgetrennte Bereiche je Carrier, teils als eigene Gitterschränke, damit niemand an fremden Übergabepunkten arbeitet.
- Dokumentation und Zugangsregelung, meist strenger als im übrigen Haus.
Aktive Technik gehört in der Regel nicht hinein. Je weniger Elektronik im Raum steht, desto weniger kann ausfallen — und desto klarer bleibt die Zuständigkeit an jeder Schnittstelle.
Warum er neutral sein muss
Ein Meet-Me-Room funktioniert nur, wenn alle Carrier bereit sind, dort zu terminieren. Das setzt voraus, dass der Betreiber des Raums nicht selbst als Wettbewerber auftritt.
Diese Carrier-Neutralität ist der Unterschied zwischen einem Colocation-Haus und dem Rechenzentrum eines Netzbetreibers. Im zweiten Fall hat der Hausherr ein eigenes Netz zu verkaufen, und andere Carrier überlegen sich zweimal, ob sie dort Infrastruktur aufbauen. Entsprechend dünn bleibt die Auswahl für die Kunden.
Deshalb werben Betreiber ausdrücklich mit Neutralität, und deshalb finden sich die netzreichsten Standorte selten bei Unternehmen, die selbst Transit verkaufen.
Der Rückkopplungseffekt
Jeder zusätzliche Carrier macht den Standort für Kunden attraktiver, und jeder zusätzliche Kunde macht ihn für den nächsten Carrier attraktiver. Diese Schleife erklärt, warum sich Netzdichte an wenigen Orten sammelt statt sich zu verteilen, und warum aus einzelnen Häusern über die Jahre Carrier-Hotels werden.
Sie erklärt auch, warum sich Internetknoten genau dort ansiedeln: Ein Austauschpunkt braucht Teilnehmer, und die sind dort, wo schon alle sind.
Für einen neuen Standort ist dieselbe Schleife das Haupthindernis. Fläche, Strom und Kühlung lassen sich bauen; die Netze muss man einzeln überzeugen.
Redundanz
Ein einzelner Meet-Me-Room ist eine klassische gemeinsame Abhängigkeit: Jede Verbindung des Hauses läuft durch ihn hindurch. Größere Standorte halten deshalb zwei davon vor, baulich getrennt und über verschiedene Wege erreichbar, damit ein Brand oder ein Wasserschaden nicht alle Anbindungen zugleich trifft.
Wer Ausfallsicherheit ernst meint, fragt nicht nur, ob zwei Räume existieren, sondern ob die eigenen Verbindungen tatsächlich auf beide verteilt sind. Zwei Cross Connects durch denselben Raum sind eine Verbindung mit zwei Fasern.
Abgrenzung
Colocation-Fläche ist der Bereich, in dem Kundentechnik steht. Der Meet-Me-Room ist davon getrennt, und Kunden haben dort meist keinen eigenen Zutritt — gearbeitet wird vom Personal des Betreibers.
Internetknoten. Ein Internetknoten ist eine Plattform, über die Netze Verkehr austauschen; er hat eigene Technik und eigene Teilnehmerregeln. Der Meet-Me-Room ist der physische Ort, an dem man ihn erreicht. Ein großer Knoten ist in vielen Häusern präsent, ein Meet-Me-Room gehört zu genau einem Gebäude.
Hauptverteiler. In der strukturierten Verkabelung bezeichnet der Begriff die oberste Verteilerebene eines Gebäudes. Der Meet-Me-Room erfüllt eine ähnliche Funktion, unterscheidet sich aber dadurch, dass dort mehrere unabhängige Parteien aufeinandertreffen statt der Infrastruktur eines einzigen Betreibers.