Cross Connect

Ein Cross Connect ist eine direkte physische Verbindung zwischen zwei Kunden innerhalb desselben Rechenzentrums — vom Rack eines Kunden zum Rack eines Carriers, zu einem Internetknoten oder zu einem anderen Mieter.

Mehr ist es nicht: ein Stück Glasfaser oder Kupfer, gepatcht über die Verteiler des Hauses, meist über den Meet-Me-Room. Es gibt keine Elektronik dazwischen und keinen Dienst darüber — der Betreiber liefert den Weg, nicht das, was darauf läuft.

Warum Cross Connect

Gegenüber einer Anbindung über das offene Internet oder eine angemietete Leitung hat der Cross Connect handfeste Vorteile:

  • Kürzester Weg. Wenige Meter statt einer Strecke über fremde Netze. Die Laufzeit ist vernachlässigbar.
  • Keine fremde Technik dazwischen. Niemand kann drosseln, überbuchen oder umrouten.
  • Keine Transitkosten. Die Verbindung kostet eine Monatsgebühr, unabhängig vom Volumen.
  • Vorhersagbar. Was an einem Ende hineingeht, kommt am anderen heraus — die Fehlersuche hat genau zwei Enden.

Deshalb laufen Peering, Anbindungen an Carrier und die direkten Zugänge zu Cloud-Anbietern praktisch immer über Cross Connects.

Die wirtschaftliche Seite

Hier wird es interessant, denn das Kabel kostet den Betreiber einmalig wenig und bringt ihm monatlich dauerhaft etwas ein.

Ein Haus mit vielen Netzen zieht Kunden an, die genau diese Netze erreichen wollen; jeder neue Kunde legt Verbindungen, und jede Verbindung erhöht den Wert des Standorts für den nächsten. Diese Rückkopplung ist der Grund, warum Carrier-Hotels entstehen und warum Interconnection-Erlöse bei großen Betreibern einen erheblichen Anteil am Umsatz ausmachen — bei deutlich höheren Margen als die Vermietung von Fläche und Strom.

Für den Kunden ist dieselbe Rückkopplung ein Bindungsmittel. Wer über Jahre Dutzende Cross Connects aufgebaut hat, zieht nicht um, weil anderswo die Fläche billiger ist: Jede einzelne Verbindung müsste am neuen Standort neu bestellt, gelegt und getestet werden, und manche Gegenstelle ist dort gar nicht vertreten. Die Wechselkosten stecken nicht in der Hardware, sondern im Beziehungsgeflecht.

Was man bestellt

Üblich sind Einmodenfaser für längere Wege und höhere Datenraten, Mehrmodenfaser innerhalb kurzer Distanzen und Kupfer für klassische Telefonie- und Übergabeschnittstellen. Bestellt wird in der Regel paarweise, weil Senden und Empfangen getrennte Fasern nutzen.

Zwei Punkte, die in der Praxis regelmäßig übersehen werden:

Beide Seiten müssen zustimmen. Ein Cross Connect wird nicht einseitig bestellt — die Gegenstelle muss die Verbindung autorisieren und einen Port bereitstellen. Die Durchlaufzeit bestimmt damit die langsamere der beiden Organisationen.

Redundanz heißt zwei Wege, nicht zwei Fasern. Zwei Verbindungen, die durch dieselbe Trasse und dasselbe Patchfeld laufen, sind eine Verbindung mit zwei Fasern. Wer Ausfallsicherheit will, muss nach getrennten Wegen fragen — und das ist nicht überall vorgesehen.

Begriffe im Umfeld

Virtueller Cross Connect bezeichnet ein softwaregesteuertes Angebot, bei dem der Kunde eine Verbindung über eine vorhandene Fabric des Betreibers schaltet, statt ein eigenes Kabel legen zu lassen. Bequemer und schneller, dafür liegt wieder fremde Technik dazwischen.

Dark Fiber ist der entsprechende Gedanke über größere Entfernungen: unbeschaltete Faser zwischen Standorten, die der Mieter selbst betreibt.

Abgrenzung

Kein Netzdienst. Ein Cross Connect transportiert nichts von sich aus; er verbindet zwei Schnittstellen. Was darüber läuft — Peering, Transit, ein Mietleitungsdienst — vereinbaren die beiden Parteien untereinander.

Nicht dasselbe wie ein Patchkabel im eigenen Rack. Entscheidend ist, dass zwei verschiedene Parteien verbunden werden und der Betreiber den Weg dazwischen verantwortet.

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