RZReg – Rechenzentrumsregister
Abkürzung: RZReg
Das Rechenzentrumsregister — amtlich Energieeffizienzregister für Rechenzentren — sammelt die Betriebsdaten deutscher Rechenzentren. Grundlage ist das Energieeffizienzgesetz, zuständig das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, geführt wird es von der Bundesstelle für Energieeffizienz im BAFA.
Seit dem 14. August 2026 gibt es eine öffentliche Plattform, auf der die gemeldeten Daten einsehbar und als Tabelle herunterladbar sind.
Wer melden muss
Meldepflichtig sind Betreiber von Rechenzentren mit einer nicht redundanten Nennanschlussleistung ab 300 kW. Gemeldet werden jedes Jahr die Daten des letzten vollen Kalenderjahres.
Die ersten Fristen lagen gestaffelt: Rechenzentren ab 500 kW meldeten erstmals zum 15. August 2024, die Gruppe zwischen 300 und 500 kW zum 1. Juli 2025.
Die nicht redundante Nennanschlussleistung ist die Leistung, für die das Rechenzentrum ohne Reservepfade ausgelegt ist. In der Praxis steht sie im Netzanschlussvertrag als maximale Leistung oder Bestellleistung, oder sie wird aus der Summe der nicht redundanten Absicherungen in der Niederspannungshauptverteilung ermittelt.
Die Felder
Was gemeldet und veröffentlicht werden muss, legt Anlage 3 des Energieeffizienzgesetzes fest. Sie unterscheidet zwei Gruppen.
Allgemeine Angaben
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Bezeichnung | Name des Rechenzentrums |
| Eigentümer | Eigentümer des Rechenzentrums |
| Betreiber | bei 35 der 319 Einträge ein anderer als der Eigentümer |
| Größenklasse | Stufe nach IT-Anschlussleistung, von unter 500 kW bis 100 MW und mehr |
| Postleitzahl | der einzige Ortsbezug — keine Adresse, keine Koordinate |
| Gebäudefläche | Gesamtgröße in m² |
| Nennanschlussleistung der IT | wofür die IT-Versorgung ausgelegt ist |
| nicht redundante Nennanschlussleistung | wofür das ganze Rechenzentrum ausgelegt ist, inklusive Kühlung |
Betriebsdaten des Vorjahres
| Feld | Bedeutung |
|---|---|
| Gesamtstromverbrauch | einschließlich Eigenerzeugung, getrennt nach Bezug aus dem Netz und Rückspeisung |
| REF | Renewable Energy Factor: Anteil erneuerbarer Energie in % nach DIN EN 50600-4-3; gemeldet aufgeschlüsselt nach Herkunftsnachweisen, Power Purchase Agreements und Eigenerzeugung |
| Abwärme an die Umgebung | Menge und mittlere Temperatur der Wärme, die an Luft, Wasser oder Boden geht |
| Abwärme an Abnehmer | Menge in kWh pro Jahr |
| mittlere Abwärmetemperatur | in °C, ein Wert je Rechenzentrum |
| Datenmenge | im Register als Bandbreite und Jahresvolumen des ein- und ausgehenden Datenverkehrs |
| PUE | Power Usage Effectiveness nach DIN EN 50600-4-2 |
| ERF | Anteil wiederverwendeter Energie nach DIN EN 50600-4-6 |
| CER | Effizienz des Kühlsystems nach DIN EN 50600-4-7: abgeführte Wärme je Kilowattstunde Kühlstrom |
| WUE | Wassernutzung nach DIN EN 50600-4-9 |
Die Kennzahlen sind nicht frei gewählt, sondern verweisen auf die Teile der EN 50600. Damit sind die Werte verschiedener Betreiber zumindest nach Definition vergleichbar.
Die Tabelle zum Herunterladen hat 21 Spalten: genau diese Felder, Datenverkehr und Bandbreite jeweils getrennt nach ein- und ausgehend. Rohwerte wie IT-Verbrauch, Kühlstrom oder Wassereinsatz, aus denen die Kennzahlen berechnet werden, und das Berichtsjahr enthält sie nicht.
Ein Beispiel
Das Bayerische Landesamt für Steuern veröffentlicht die Angaben für seine Rechenzentren selbst. Für das Rechenzentrum „RZ 9“ in Nürnberg (PLZ 90489), Berichtsjahr 2025:
| Feld | Wert |
|---|---|
| Größenklasse | unter 500 kW |
| Nutzfläche | 1.737 m² |
| Nennanschlussleistung IT | 480 kW |
| nicht redundante Nennanschlussleistung | 1.000 kW |
| Gesamtenergieverbrauch | 4.303.940 kWh |
| davon Netzersatzanlage | 5.895 kWh |
| Energieverbrauch der IT | 2.561.869 kWh |
| Stromverbrauch der Kühlung | 1.239.247 kWh |
| Anteil erneuerbarer Energie | 100 %, vollständig über Herkunftsnachweise |
| Abwärme an die Umgebung | 3.581.533 kWh, im Mittel 15 °C |
| Abwärme an Abnehmer | 0 kWh |
| Bandbreite ein / aus | je 59 GByte/s |
| Datenverkehr ein / aus | 379.062 TB / 384.082 TB |
| PUE | 1,68 |
| CER | 2,89 |
| WUE | 0, kein Wassereinsatz |
Die Kennzahlen lassen sich aus den Rohwerten nachrechnen: 4.303.940 kWh Gesamtverbrauch geteilt durch 2.561.869 kWh IT-Verbrauch ergibt den PUE von 1,68. 3.581.533 kWh abgeführte Wärme geteilt durch 1.239.247 kWh Kühlstrom ergibt die CER von 2,89.
Und die Daten erzählen mehr als die Kennzahlen: Bei 480 kW ausgelegter IT-Leistung lag die mittlere IT-Last bei rund 290 kW. Fast 29 % des Stroms gingen in die Kühlung. Die Abwärme mit 15 °C ist für eine Nutzung zu kalt, und es gibt keinen Abnehmer.
Was das Register zeigt — und was nicht
Mitte Oktober 2026 standen 319 Rechenzentren auf der Plattform, mit zusammen 910 MW nicht redundanter und 534 MW IT-Anschlussleistung und einem Jahresverbrauch von 2.594 GWh.
Gemessen an den rund 2.000 Rechenzentren über 100 kW in Deutschland ist das ein kleiner Ausschnitt, und zwar aus einem einfachen Grund: Pflicht ist die Veröffentlichung, nicht die Veröffentlichung im Register. Betreiber dürfen ihre Angaben auch auf der eigenen Website bekannt machen. Mehrere große internationale Colocation-Anbieter fehlen deshalb auf der Plattform ganz, während Firmen- und Behördenrechenzentren gut vertreten sind.
Dazu kommen Lücken und Fehler in den Meldungen selbst. Einzelne Einträge veröffentlichen keine Leistung, und manche Werte sind offensichtlich falsch eingetragen — etwa eine Anschlussleistung von 1 kW bei einem Jahresverbrauch von 135 GWh. Wer mit den Daten rechnet, muss sie plausibilisieren.
Unsere Übersicht der Rechenzentren in Deutschland nutzt das Register als eine von mehreren Quellen.
Abgrenzung
Marktstammdatenregister. Das Register der Bundesnetzagentur für Anlagen der Stromerzeugung. Rechenzentren erscheinen dort nicht als Verbraucher, sondern über ihre Netzersatzanlagen — mit Koordinaten, aber ohne Verbrauch oder PUE.
EU-Datenbank für Rechenzentren. Die Energieeffizienzrichtlinie der EU verlangt eine eigene Berichterstattung an eine europäische Datenbank, geregelt in der Delegierten Verordnung (EU) 2024/1364. Die Datenpunkte überschneiden sich weitgehend.