American Registry for Internet Numbers

Abkürzung: ARIN

ARIN ist die Regional Internet Registry für Nordamerika und Teile der Karibik. Sie verwaltet dort IP-Adressbereiche und AS-Nummern — eine von fünf solchen Stellen, die sich die Welt aufteilen.

Das RIR-System

Die Vergabe läuft über drei Stufen. Die IANA hält die globalen Bereiche und gibt sie blockweise an die Regional Internet Registries. Diese vergeben an Local Internet Registries — meist Provider — und an Endkunden mit eigenem Bedarf. Die LIR wiederum weist ihren Kunden Teilbereiche zu.

Fünf RIRs teilen die Welt:

RIRZuständig für
ARINNordamerika, Teile der Karibik
RIPE NCCEuropa, Naher Osten, Zentralasien
APNICAsien-Pazifik
LACNICLateinamerika, Karibik
AFRINICAfrika

Für Betreiber in Deutschland ist das RIPE NCC zuständig; ARIN begegnet einem bei der Recherche zu amerikanischen Netzen — etwa wenn ein Whois-Lookup dorthin verweist.

Die RIRs sind keine Behörden, sondern Mitgliederorganisationen der Branche. Ihre Regeln entstehen in offenen Policy-Prozessen, an denen jeder teilnehmen kann, und unterscheiden sich zwischen den Regionen deutlich — besonders bei Transfers und Nachweispflichten.

Was ARIN verwaltet

IPv4- und IPv6-Bereiche samt der Registrierung, wem sie zugeteilt sind.

AS-Nummern für Netze, die eigenes BGP betreiben.

Reverse-DNS-Delegationen für die zugeteilten Bereiche.

RPKI: ARIN betreibt eine Certificate Authority, über die Mitglieder ROAs anlegen — die kryptografische Zusage, welches AS ein Prefix ankündigen darf. Das ist die Stelle, an der RIR-Verwaltung unmittelbar auf die Routingsicherheit durchschlägt.

Abfragbar ist der Bestand über Whois und das modernere RDAP, das strukturierte Antworten liefert und von IP- und AS-Lookups genutzt wird.

IPv4-Erschöpfung und Transfermarkt

ARIN hat seinen freien IPv4-Vorrat im September 2015 erschöpft — als zweite RIR nach APNIC. Seitdem gibt es dort keine regulären Zuteilungen mehr, nur noch eine Warteliste, die aus zurückgegebenen Beständen bedient wird.

Daraus ist ein Transfermarkt entstanden: Adressbereiche wechseln gegen Bezahlung den Inhaber, und die RIR trägt den Wechsel ein, sofern die Bedingungen erfüllt sind. ARIN erlaubt dabei auch Inter-RIR-Transfers mit Regionen, deren Regeln dies zulassen — weshalb Adressen aus dem ARIN-Raum in europäischen Netzen auftauchen können und umgekehrt.

Für die Praxis heißt das: Die Geolokalisierung nach RIR-Zuständigkeit ist unzuverlässig. Ein Bereich, der bei ARIN registriert ist, kann in Europa oder Asien im Einsatz sein. Wer Standorte aus Adressen ableitet, braucht andere Datenquellen.

Legacy-Ressourcen

Ein Sonderfall, der nur im ARIN-Raum größere Bedeutung hat: Adressen, die vor Gründung der RIRs vergeben wurden — teils in den 1980er Jahren an Universitäten, Behörden und Konzerne, oft als ganze /8-Bereiche.

Diese Inhaber haben nie einen Vertrag mit ARIN geschlossen. Sie stehen im Register, unterliegen aber nicht ohne weiteres den heutigen Regeln, zahlen keine Gebühren und sind zu nichts verpflichtet. ARIN bietet Verträge an, die Legacy-Inhaber freiwillig abschließen können.

Praktisch bedeutet das zweierlei: Die Registerdaten solcher Bereiche sind häufig veraltet — Ansprechpartner existieren nicht mehr, Organisationen sind erloschen. Und sie sind ein beliebtes Ziel für Hijacking, weil niemand widerspricht, wenn ein scheinbar verwaister Bereich plötzlich angekündigt wird. RPKI ist dagegen das wirksame Mittel, aber genau diese Inhaber legen selten ROAs an.

Abgrenzung

Das RIPE NCC ist die zuständige RIR für Europa und für deutsche Betreiber der relevante Ansprechpartner.

Die IANA steht eine Stufe darüber und vergibt an die RIRs, nicht an Netze.

PeeringDB verzeichnet, wo ein Netz erreichbar ist — das RIR-Register, wem die Nummern gehören. Beides wird bei der Recherche verwechselt.

RPKI ist das Verfahren, die RIR die Vertrauensanker-Instanz dafür.

Ein IRR nimmt Routing-Absichten auf und wird teils von den RIRs mitbetrieben, ist aber vom Zuteilungsregister zu unterscheiden.

Quellen

  • ARIN: Number Resource Policy Manual
  • NRO: Statistiken zur Adressvergabe der fünf RIRs

Weblinks

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