Erdrakete
Die Erdrakete ist ein druckluftbetriebener Hammer, der sich durch das Erdreich arbeitet und dabei einen Kanal hinter sich lässt. Sie trägt kein Material ab, sondern verdrängt es zur Seite — daher die genauere Bezeichnung Bodenverdrängungshammer oder Erdverdrängungsrakete.
Sie ist das Standardwerkzeug für kurze Unterquerungen: Einfahrten, Gehwege, Wirtschaftswege, schmale Straßen.
Wie die Erdrakete arbeitet
Ein Schlagkolben im Inneren des zylindrischen Gehäuses wird von Druckluft angetrieben und schlägt gegen die Spitze. Der Hammer frisst sich mit jedem Schlag ein Stück vor und schiebt das Erdreich radial beiseite. Der so entstehende Kanal bleibt durch die Verdichtung der Wandung offen.
Der Ablauf:
Start- und Zielgrube ausheben. Beide müssen so tief liegen wie die geplante Trasse und lang genug für das Gerät sein.
Ausrichten. Die Rakete wird in einem Lafettengestell auf Richtung und Neigung eingestellt. Dieser Schritt entscheidet über das Ergebnis, denn korrigieren lässt sich später nichts.
Durchschuss. Das Gerät arbeitet sich durch und tritt in der Zielgrube aus.
Einziehen. Rohr oder Kabel werden eingezogen; manche Geräte ziehen das Rohr unmittelbar hinter sich her.
Übliche Durchmesser liegen zwischen etwa 45 und 130 Millimetern, die Längen bei bis zu rund 15 bis 20 Metern. Darüber hinaus wird die Abweichung zu groß.
Die entscheidende Einschränkung: nicht steuerbar
Eine Erdrakete fliegt, wohin sie ausgerichtet wurde — korrigieren kann man sie nicht. Daraus folgt alles Weitere:
Die Abweichung wächst mit der Länge. Auf kurzen Strecken ist sie vernachlässigbar, auf zwanzig Metern kann das Gerät deutlich neben der Zielgrube austreten.
Steine lenken ab. Trifft die Spitze einen Findling schräg, wird die Rakete abgelenkt und läuft aus dem Ruder — im ungünstigen Fall nach oben, wo sie die Fahrbahndecke anhebt.
Fels und bindige Böden scheiden aus. Im Fels kommt sie nicht voran, in nassem Ton verliert die Verdrängung ihre Wirkung.
Mindestüberdeckung einhalten. Liegt die Trasse zu flach, kann die Verdrängung die Oberfläche anheben. Als Faustwert gilt ein Vielfaches des Gerätedurchmessers als Abstand zur Oberfläche.
Wo diese Grenzen nicht reichen, ist die Spülbohrung das richtige Verfahren: steuerbar, länger, dafür aufwendiger.
Grundomat und der Gattungsname
In Ausschreibungen und Mietkatalogen steht häufig Grundomat statt Erdrakete. Das ist ein Markenname des Herstellers Tracto-Technik, der sich wie Zollstock oder Tempo zum Gattungsbegriff entwickelt hat — die Typenbezeichnungen nach Durchmesser, etwa 45, 55, 65, 75, 95 und 130, werden entsprechend wie Größenangaben verwendet.
Wer eine Leistung ausschreibt, schreibt besser die Gattung und die Maße aus. Ein Markenname im Leistungsverzeichnis ist vergaberechtlich heikel und schließt gleichwertige Geräte anderer Hersteller unnötig aus.
Wo die Erdrakete im Glasfaserausbau sitzt
Fast immer am Hausanschluss und an Querungen. Die Haupttrasse entsteht mit Pflug, Fräse oder Trenching; die Erdrakete bringt das Rohr unter der Einfahrt, unter dem Gehweg oder unter der Zufahrt hindurch, ohne dass Pflaster aufgenommen werden muss.
Genau das ist ihr Wert gegenüber dem Grundstückseigentümer: Die Einfahrt bleibt heil. Bei der Frage, ob jemand die Grundstückseigentümererklärung unterschreibt, ist dieses Argument oft wirksamer als jedes andere.
Abgrenzung
Spülbohrung ist steuerbar, überbrückt größere Längen und arbeitet mit Bohrspülung. Sie ist das Verfahren für alles, was die Erdrakete nicht schafft.
Rohrvortrieb und Pressbohrung arbeiten mit größeren Durchmessern und fördern Material aus — ein anderes Größenordnung.
Kabelpflug verdrängt ebenfalls, zieht aber eine durchgehende Trasse statt einer Querung.
Verlegeverfahren ordnet die Methoden ein.
Quellen
- DWA-A 125: Rohrvortrieb und verwandte Verfahren
- DIN EN 12889: Grabenlose Verlegung und Prüfung von Abwasserleitungen und -kanälen
- Herstellerunterlagen zu Bodenverdrängungshämmern