Vorwahlen in Österreich

Österreich trägt den Ländercode +43. Der nationale Nummernraum wird von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH verwaltet; die maßgebliche Rechtsgrundlage ist eine Verordnung über Kommunikationsparameter, Entgelte und Mehrwertdienste.

Umgangssprachlich spricht man wie in Deutschland von der Vorwahl. Der Fachbegriff lautet jedoch Bereichskennzahl — ein Unterschied, der beim Nachschlagen in amtlichen Unterlagen zu beachten ist, weil dort der deutsche Ausdruck Ortsnetzkennzahl nicht verwendet wird.

Aufbau

Eine geografische Rufnummer setzt sich zusammen aus der Verkehrsausscheidungsziffer, der Bereichskennzahl und der Teilnehmernummer:

0     662       1234567
│     │         └── Teilnehmernummer
│     └──────────── Bereichskennzahl (Salzburg)
└────────────────── Verkehrsausscheidungsziffer

Wie in Deutschland ist die führende Null kein Bestandteil der Rufnummer, sondern eine Wählanweisung. Im internationalen Format entfällt sie: +43 662 1234567.

Geografische Bereichskennzahlen sind ein bis vier Ziffern lang. Der Grundsatz ist derselbe wie in Deutschland — je größer der Ort, desto kürzer die Kennzahl.

Die Systematik der ersten Ziffer

Anders als in Deutschland folgt die Zuteilung einer erkennbaren Ordnung. Die erste Ziffer einer geografischen Bereichskennzahl bezeichnet weitgehend das Bundesland:

ZifferGebiet
1Wien
2Niederösterreich, nördliches Burgenland
3Steiermark, südliches Burgenland
4Kärnten, Osttirol
5Tirol, Vorarlberg
6Salzburg
7Oberösterreich

Die Abweichungen sind aufschlussreich: Osttirol ist Kärnten zugeschlagen, Vorarlberg zu Tirol, und das Burgenland ist zwischen Niederösterreich und der Steiermark aufgeteilt. Maßgeblich war nicht die politische Gliederung, sondern die Struktur des Fernmeldenetzes — Osttirol ist vom übrigen Tirol durch fremdes Staatsgebiet getrennt und war leitungstechnisch stets über Kärnten angebunden.

An den Landesgrenzen bestehen weitere Ausnahmen. Wie in Deutschland folgen die Bereiche der Vermittlungstechnik, nicht der Verwaltung.

Für die Auswertung einer Rufnummer bedeutet das dennoch: Aus der ersten Ziffer lässt sich in Österreich grob auf die Region schließen — eine Möglichkeit, die es in Deutschland nicht gibt.

Wien und die Landeshauptstädte

Wien trägt heute die Bereichskennzahl 1 und ist damit der einzige Ort in Österreich mit einer einstelligen Kennzahl. Das war nicht immer so. Ursprünglich lautete die Kennzahl für Wien 222; die Umstellung auf 1 erfolgte in den 1990er-Jahren. Die alte Nummer blieb noch lange gültig — erst 2007 wurde sie endgültig abgeschaltet.

Auch die übrigen Landeshauptstädte trugen bis in die 1970er-Jahre vierstellige Kennzahlen: Graz 3122, Linz 7222, Klagenfurt 4222, Innsbruck 5222, Salzburg 6222. Heute sind es 316, 732, 463, 512 und 662.

Bemerkenswert ist der Grund für die auffällige Häufung der Ziffer 2 in den alten Kennzahlen. An der damals üblichen Wählscheibe dauerte jede Ziffer unterschiedlich lange: Die Null benötigte einen vollen Umlauf und damit etwa eine Sekunde, die Zwei dagegen nur einen Bruchteil davon. Eine Kennzahl aus lauter Zweien war deshalb spürbar schneller zu wählen als eine mit hohen Ziffern.

Mobilfunk

Mobilfunknummern tragen ebenfalls eine Bereichskennzahl, die jedoch keinen Ort bezeichnet. Verbreitet sind unter anderem 650, 660, 664, 676, 677, 678, 680, 681, 688 und 699.

Hier liegt eine Besonderheit gegenüber Deutschland: Die mobilen Bereiche sind nicht durch die erste Ziffer von den geografischen getrennt. Sie liegen innerhalb des Blocks, der ansonsten Salzburg zugeordnet ist — 0662 führt nach Salzburg, 0664 in ein Mobilfunknetz. Eine Unterscheidung anhand der ersten beiden Ziffern ist damit nicht möglich.

Aus welchem Netz eine Mobilfunknummer stammt, lässt sich aus der Bereichskennzahl ohnehin nicht mehr ableiten. Ein Bereich war ursprünglich einem Anbieter zugeteilt; durch die Rufnummernmitnahme kann er heute in einem anderen Netz betrieben werden.

Private Netze

Eine Eigenheit des österreichischen Nummernraums sind eigene Bereichskennzahlen für private Netze. Sie beginnen mit 501 bis 509, 517, 57 und 59.

Damit kann ein Unternehmen mit mehreren Standorten seine Mitarbeiter unter einer österreichweit einheitlichen Nummer erreichbar machen, ohne dass die Rufnummer einen Ort erkennen lässt. Voraussetzung für die Zuteilung ist, dass tatsächlich mindestens zwei getrennte Standorte bestehen; virtuelle private Netze sind eingeschlossen.

Die Bereichskennzahl ist in diesem Fall fünf- oder sechsstellig, und für die Entgelte gilt eine Obergrenze: Anrufe zu solchen Nummern müssen wie Anrufe zu geografischen oder mobilen Nummern behandelt werden.

Ein vergleichbarer Nummernbereich existiert in Deutschland nicht.

Dienste- und Mehrwertnummern

Für Dienste bestehen eigene Bereiche, unter anderem 800 für entgeltfreie Nummern sowie 810, 820, 821, 900, 901, 930, 931 und 939 für Dienste mit unterschiedlichen Entgeltmodellen. Auskunftsdienste liegen im Bereich 118.

Rufnummernmitnahme

Bei einem Anbieterwechsel bleibt die Rufnummer erhalten. Technisch wird die Weiterleitung über eigene Routingnummern abgebildet, die aus einer Bereichskennzahl und einer Betreiberkennzahl bestehen und der eigentlichen Rufnummer vorangestellt werden.

Das unterscheidet sich vom deutschen Verfahren: Dort wird dem Zielnetz eine Portierungskennung zugeordnet, die bei der Wegewahl vorangestellt wird. In Österreich übernehmen dafür eigene Nummernbereiche diese Rolle.

Die Regulierungsbehörde bietet eine Abfrage an, mit der sich der Zuteilungsinhaber einer Rufnummer ermitteln lässt. Für portierte Rufnummern gilt das Ergebnis ausdrücklich nicht — es nennt den ursprünglichen Inhaber des Bereichs, nicht das aktuell betreibende Netz.

Unterschiede zu Deutschland im Überblick

ÖsterreichDeutschland
FachbegriffBereichskennzahlOrtsnetzkennzahl
Länge geografisch1–4 Ziffern2–5 Ziffern
Kürzeste Kennzahl1 (Wien)30 (Berlin)
Regionale Systematikerste Ziffer nach Bundeslandkeine
Mobilfunk abgegrenztinnerhalb des 6er-Blockseigener Bereich 15/16/17
Private Netzeeigener Nummernbereichnicht vorgesehen
PortierungRoutingnummernPortierungskennung

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