Vorwahlen in Österreich (Landesvorwahl 0043)

Die Ländervorwahl 0043 (+43) führt nach Österreich. Der nationale Nummernraum wird von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH verwaltet; die maßgebliche Rechtsgrundlage ist die Kommunikationsparameter-, Entgelte- und Mehrwertdiensteverordnung (KEM-V 2009).

Umgangssprachlich spricht man wie in Deutschland von der Vorwahl. Der Fachbegriff lautet jedoch Bereichskennzahl — ein Unterschied, der beim Nachschlagen in amtlichen Unterlagen zu beachten ist, weil dort der deutsche Ausdruck Ortsnetzkennzahl nicht verwendet wird.

Ländervorwahl 0043

Für Anrufe ins Ausland ist die 00 als Verkehrsausscheidungsziffer entscheidend: 0043 bringt einen nach Östereich. Die E.164-Schreibweise nutzt das führende Plus als Kennzeichen: +43 steht hier für Östereich. Anschlüsse in Wien erreicht man aus dem Ausland daher unter 0043 1. Die Schreibweise „043" ist falsch. Aus Deutschland gewählt landet man damit im Ortsnetz 0431 Kiel.

Aufbau

Eine geografische Rufnummer setzt sich zusammen aus der Verkehrsausscheidungsziffer, der Bereichskennzahl und der Teilnehmernummer:

0     662       1234567
│     │         └── Teilnehmernummer
│     └──────────── Bereichskennzahl (Salzburg)
└────────────────── Verkehrsausscheidungsziffer

Wie in Deutschland ist die führende Null kein Bestandteil der Rufnummer, sondern eine Wählanweisung. Im internationalen Format entfällt sie: +43 662 1234567. Verbreitet ist eher die Variante mit den führenden Nullen: 0043 662 1234567

Geografische Bereichskennzahlen sind ein bis vier Ziffern lang. Der Grundsatz ist derselbe wie in Deutschland — je größer der Ort, desto kürzer die Kennzahl.

Österreich hat einen offenen Nummernplan: Die Gesamtlänge einer Rufnummer ist nicht festgelegt, Teilnehmernummern im selben Ortsnetz können unterschiedlich lang sein. Wer Rufnummern maschinell prüft, kann daher nicht wie in geschlossenen Plänen auf eine feste Stellenzahl testen, sondern nur auf die Obergrenze nach E.164.

Innerhalb eines Ortsnetzes teilt die RTR den Betreibern Rufnummernblöcke zu, die über die führenden Ziffern der Teilnehmernummer definiert sind. Ein Block wie 20000–20099 im Ortsnetz Sillian umfasst alle Teilnehmernummern, die mit diesen Ziffern beginnen. Die Zuteilung nennt den ursprünglichen Inhaber; durch Rufnummernmitnahme kann eine einzelne Nummer in einem anderen Netz liegen.

Die Systematik der ersten Ziffer

Anders als in Deutschland folgt die Zuteilung einer erkennbaren Ordnung. Die erste Ziffer einer geografischen Bereichskennzahl bezeichnet weitgehend das Bundesland:

ZifferGebiet
1Wien
2Niederösterreich, nördliches Burgenland
3Steiermark, südliches Burgenland
4Kärnten, Osttirol
5Tirol, Vorarlberg
6Salzburg
7Oberösterreich

Die Abweichungen sind aufschlussreich: Osttirol ist Kärnten zugeschlagen, Vorarlberg zu Tirol, und das Burgenland ist zwischen Niederösterreich und der Steiermark aufgeteilt. Maßgeblich war nicht die politische Gliederung, sondern die Struktur des Fernmeldenetzes — Osttirol ist vom übrigen Tirol durch fremdes Staatsgebiet getrennt und war leitungstechnisch stets über Kärnten angebunden.

An den Landesgrenzen bestehen weitere Ausnahmen. Das Salzkammergut wurde von Salzburg aus erschlossen: Bad Ischl (06132), Hallstatt (06134) und Gosau (06136) liegen in Oberösterreich, tragen aber die 6. Umgekehrt wählt das westliche Niederösterreich mit der 7 von Linz aus — Amstetten (07472), Waidhofen an der Ybbs (07442) und Scheibbs (07482).

Drei Ortsnetze liegen sogar über der Landesgrenze, weil die Grenze mitten durch den Ort verläuft: Unterlaussa (03631, Oberösterreich und Steiermark), Mandling (06454, Salzburg und Steiermark) und Terz (03883, Steiermark und Niederösterreich). Wie in Deutschland folgen die Bereiche der Vermittlungstechnik, nicht der Verwaltung.

Für die Auswertung einer Rufnummer bedeutet das dennoch: Aus der ersten Ziffer lässt sich in Österreich grob auf die Region schließen — eine Möglichkeit, die es in Deutschland nicht gibt.

Jungholz und Kleinwalsertal

Zwei österreichische Gebiete sind auf dem Landweg nur über Deutschland erreichbar: die Tiroler Gemeinde Jungholz bei Reutte und das Vorarlberger Kleinwalsertal mit dem Hauptort Mittelberg. Beide wurden historisch von der Deutschen Bundespost versorgt und tragen deutsche Ortsnetzkennzahlen — Jungholz die 08365, das Kleinwalsertal die 08329. Anrufe dorthin laufen über +49, nicht über +43.

Inzwischen existieren daneben österreichische Bereichskennzahlen: 05676 für Jungholz und 05517 für Riezlern im Kleinwalsertal. Beide Systeme laufen parallel; welche Nummer ein Anschluss trägt, hängt vom Anbieter ab. Es ist das Spiegelbild von Osttirol — dort bestimmt die Anbindung über Kärnten die Kennzahl, hier die Anbindung über Bayern.

Wien und die Landeshauptstädte

Wien trägt heute die Bereichskennzahl 1 und ist damit der einzige Ort in Österreich mit einer einstelligen Kennzahl. Das war nicht immer so. Ursprünglich lautete die Kennzahl für Wien 222; die Umstellung auf 1 erfolgte in den 1990er-Jahren. Die alte Nummer blieb noch lange gültig — erst 2007 wurde sie endgültig abgeschaltet.

Auch die übrigen Landeshauptstädte trugen bis in die 1970er-Jahre vierstellige Kennzahlen: Graz 3122, Linz 7222, Klagenfurt 4222, Innsbruck 5222, Salzburg 6222. Heute sind es 316, 732, 463, 512 und 662.

Bemerkenswert ist der Grund für die auffällige Häufung der Ziffer 2 in den alten Kennzahlen. An der damals üblichen Wählscheibe dauerte jede Ziffer unterschiedlich lange: Die Null benötigte einen vollen Umlauf und damit etwa eine Sekunde, die Zwei dagegen nur einen Bruchteil davon. Eine Kennzahl aus lauter Zweien war deshalb spürbar schneller zu wählen als eine mit hohen Ziffern.

Eine aktuelle Liste der Vorwahlen Österreich finden Sie in den Referenzlisten.

Mobilfunk

Mobilfunknummern tragen ebenfalls eine Bereichskennzahl, die jedoch keinen Ort bezeichnet. Verbreitet sind unter anderem 0043 650, 660, 664, 676, 677, 678, 680, 681, 688 und 699.

Hier liegt eine Besonderheit gegenüber Deutschland: Die mobilen Bereiche sind nicht durch die erste Ziffer von den geografischen getrennt. Sie liegen innerhalb des Blocks, der ansonsten Salzburg zugeordnet ist — 0662 führt nach Salzburg, 0664 in ein Mobilfunknetz. Eine Unterscheidung anhand der ersten beiden Ziffern ist damit nicht möglich.

Aus welchem Netz eine Mobilfunknummer stammt, lässt sich aus der Bereichskennzahl ohnehin nicht mehr ableiten. Ein Bereich war ursprünglich einem Anbieter zugeteilt; durch die Rufnummernmitnahme kann er heute in einem anderen Netz betrieben werden.

Eine aktuelle Liste der Mobilfunk-Vorwahlen in Österreich finden Sie in den Referenzlisten.

Standortunabhängige Rufnummern 0043 720

Für Anschlüsse ohne festen Ortsbezug — typisch VoIP-Anschlüsse, die an jedem Internetzugang betrieben werden — besteht der Bereich 720. Er entspricht der deutschen 032: Die Nummer ist eine Festnetznummer, lässt aber keinen Ort erkennen. Anrufe dorthin werden wie Anrufe zu geografischen Nummern tarifiert.

Der Bereich 780 ist für konvergente Dienste vorgesehen, bei denen eine Rufnummer wahlweise im Fest- oder Mobilnetz terminiert. In der Praxis spielt er eine untergeordnete Rolle. Teilweise wird die 0043-720 auch für Werbeanrufe oder Cold Calls genutzt.

Die aktuelle Liste der Standortunabhängige Rufnummern 0043 720 haben wir in den Referenzlisten zusammengestellt.

Private Netze

Eine Eigenheit des österreichischen Nummernraums sind eigene Bereichskennzahlen für private Netze. Sie beginnen mit 501 bis 509, 517, 57 und 59.

Damit kann ein Unternehmen mit mehreren Standorten seine Mitarbeiter unter einer österreichweit einheitlichen Nummer erreichbar machen, ohne dass die Rufnummer einen Ort erkennen lässt. Voraussetzung für die Zuteilung ist, dass tatsächlich mindestens zwei getrennte Standorte bestehen; virtuelle private Netze sind eingeschlossen.

Die Bereichskennzahl ist in diesem Fall fünf- oder sechsstellig, und für die Entgelte gilt eine Obergrenze: Anrufe zu solchen Nummern müssen wie Anrufe zu geografischen oder mobilen Nummern behandelt werden.

Ein vergleichbarer Nummernbereich existiert in Deutschland nicht. Die vollständige Liste der privaten Netze in Östereich pflegen wir in den Referenzlisten.

Dienste- und Mehrwertnummern

Für Dienste bestehen eigene Bereiche. 800 ist entgeltfrei für den Anrufer. Die Bereiche 810, 820 und 821 sind Dienste mit regulierten Höchstentgelten: 810 bis 10 Cent je Minute, 820 bis 20 Cent je Minute, 821 bis 20 Cent je Anruf. Die Bereiche 900 und 901 sind frei tarifierbare Mehrwertdienste — 900 nach Zeit, 901 nach Ereignis. 930 und 931 sind für Online- und Datendienste vorgesehen, 939 für Dialer. Auskunftsdienste liegen im Bereich 118.

Kurzrufnummern

Neben dem Euronotruf 112 bestehen die traditionellen dreistelligen Notrufe: 122 Feuerwehr, 133 Polizei, 144 Rettung, 140 Bergrettung. Sie werden ohne Bereichskennzahl gewählt und gelten österreichweit. Die 1450 ist die telefonische Gesundheitsberatung.

Im Bereich 116 liegen die EU-weit harmonisierten Dienste von sozialem Wert, etwa 116 000 für vermisste Kinder und 116 123 für Telefonseelsorge. Für die Betreiberauswahl im Einzelwahlverfahren (Call-by-Call) sind Betreiberkennzahlen im Bereich 10 vorgesehen, die der Rufnummer vorangestellt werden.

Rufnummernmitnahme

Bei einem Anbieterwechsel bleibt die Rufnummer erhalten. Technisch wird die Weiterleitung über eigene Routingnummern abgebildet, die aus einer Bereichskennzahl und einer Betreiberkennzahl bestehen und der eigentlichen Rufnummer vorangestellt werden.

Das unterscheidet sich vom deutschen Verfahren: Dort wird dem Zielnetz eine Portierungskennung zugeordnet, die bei der Wegewahl vorangestellt wird. In Österreich übernehmen dafür eigene Nummernbereiche diese Rolle.

Die Regulierungsbehörde bietet eine Abfrage an, mit der sich der Zuteilungsinhaber einer Rufnummer ermitteln lässt. Für portierte Rufnummern gilt das Ergebnis ausdrücklich nicht — es nennt den ursprünglichen Inhaber des Bereichs, nicht das aktuell betreibende Netz.

Unterschiede zu Deutschland im Überblick

ÖsterreichDeutschland
FachbegriffBereichskennzahlOrtsnetzkennzahl
RechtsgrundlageKEM-V 2009Nummernplan der Bundesnetzagentur
Nummernplanoffen (variable Länge)offen (variable Länge)
Länge geografisch1–4 Ziffern2–5 Ziffern
Kürzeste Kennzahl1 (Wien)30 (Berlin)
Regionale Systematikerste Ziffer nach Bundeslandkeine
Mobilfunk abgegrenztinnerhalb des 6er-Blockseigener Bereich 15/16/17
Standortunabhängig720032
Private Netzeeigener Nummernbereichnicht vorgesehen
PortierungRoutingnummernPortierungskennung

Alle geografischen Bereichskennzahlen mit den zugeteilten Rufnummernblöcken je Betreiber stehen in der Referenzliste Vorwahlen Österreich 0043, gegliedert nach Bundesland.

Weblinks

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