POF nach dem Glasfaseranschluss: Gigabit vom ONT in jeden Raum

Der FTTH-Anschluss endet in der Regel am Netzabschlussgerät im Keller oder Hausanschlussraum. Wie die Bandbreite von dort in die Zimmer kommt, entscheidet die Hausverkabelung.

Ausgangslage

Der Glasfaserausbau liefert 500 Mbit/s oder 1 Gbit/s bis zur Anschlussdose in der Wohnung. Dort endet die Zuständigkeit des Netzbetreibers, und dort beginnt das Problem: Das optische Netzabschlussgerät (ONT) und der Router stehen meist im Keller, im Flur oder wo immer der Techniker die Faser hingelegt hat. Die Geräte, die die Bandbreite brauchen – Fernseher, Arbeitsplatz, NAS, WLAN-Access-Points –, stehen ganz woanders.

WLAN vom Router aus überbrückt das in kleinen Wohnungen. In Einfamilienhäusern, Altbauten mit dicken Wänden und überall, wo Stahlbeton dazwischen liegt, kommt vom Gigabit im Keller im Obergeschoss ein Bruchteil an. Der Anschluss ist dann schneller als das Haus.

Dieser Guide beschreibt, wie POF-Netzwerk (Polymer Optical Fiber) die Lücke zwischen ONT und Zimmer schließt, welche Grundmuster sich bewährt haben und wo die Grenzen liegen.

Wo der Anbieter aufhört

Ein FTTH-Anschluss besteht aus Hausübergabepunkt (meist im Keller), Glasfaser-Teilnehmeranschlussdose in der Wohneinheit und ONT, das die Faser terminiert und einen RJ45-Port bereitstellt. Am ONT hängt der Router. Alles dahinter ist Heimnetz und Sache des Bewohners.

Der ONT ist damit die einzige feste Größe. Router, Switch und Verkabelung sind frei planbar, und hier liegt der Unterschied zwischen einem Anschluss, der auf dem Papier 1 Gbit/s hat, und einem, der es an jeder Dose liefert.

Warum POF an dieser Stelle

POF ist eine Kunststofffaser mit 1 mm Kern, als Duplexkabel 2,2 mm dick, betrieben mit rotem Licht bei 650 nm. Im Heimnetz gibt es sie in zwei Klassen: 100 Mbit/s und 1 Gbit/s nach IEEE 802.3bv. Für die Nachverkabelung hinter einem FTTH-Anschluss sprechen drei Eigenschaften:

  • Sie passt durch vorhandene Leerrohre. Die Elektroinstallation eines Hauses erreicht jeden Raum. Ein 2,2-mm-Kabel lässt sich neben den 230-V-Leitungen einziehen, wo für Cat-Kabel mit RJ45-Stecker kein Platz ist. Das Einziehen neben Netzspannung ist bei POF zulässig, weil kein elektrischer Leiter im Kabel liegt.
  • Sie liefert konstante Bandbreite. 1 Gbit/s am ONT werden zu 1 Gbit/s an der Datendose, unabhängig von Stromkreisen, Phasen und Störquellen – der Unterschied zu Powerline.
  • Sie braucht keinen Stecker. Kabel ablängen, in den Port stecken, verriegeln. Die Installation ist auch ohne Elektriker machbar.

Wer ohnehin Wände öffnet, nimmt Cat 6A. Wer die Wände zu lassen will, hat mit POF den einzigen Weg, der durch die Elektroinstallation führt.

Vier Grundmuster

1. Router zentral, POF-Stern. ONT und Router sitzen im Elektro- oder Medienverteiler. Am Router hängt ein POF-Switch, von dem je eine Faser in jeden Raum führt. Dort endet sie an einer Unterputz-Datendose mit zwei RJ45-Ports oder an einem Medienkonverter. Das ist die sauberste Lösung: ein Verteilpunkt, jede Dose mit eigener Bandbreite, alles im Verteiler zugänglich. Voraussetzung ist ein Verteiler mit Platz und Stromversorgung.

2. Router im Wohnraum, Rückführung zum Verteiler. Die Faser wurde bis ins Wohnzimmer gelegt, der Router steht dort. Vom Router geht eine POF-Strecke zurück in den Elektroverteiler zu einem Switch, von dem die übrigen Räume versorgt werden. Damit bleibt der Router, wo Telefon und Fernseher sind, die Verteilung wandert trotzdem an den zentralen Punkt.

3. ONT und Router getrennt. Der ONT bleibt im Keller, der Router kommt ins Wohnzimmer oder Büro. Dazwischen liegt eine 1-Gbit/s-POF-Strecke, die das WAN-Signal überträgt. Das löst das häufigste Praxisproblem: Die Faser endet im Keller, der Router soll aber ins Wohngeschoss. Der Medienkonverter arbeitet transparent; VLAN-Tags, die manche Anbieter auf der WAN-Strecke verlangen, laufen ungehindert durch.

4. Serienschaltung. Statt vom Verteiler in jeden Raum wird die Faser von Raum zu Raum geführt: Konverter mit zwei POF-Ports reichen das Signal weiter. Weniger Kabel, dafür teilen sich die Räume in der Kette eine Strecke, und der Ausfall eines Konverters trennt alle dahinter ab. Für zwei bis drei Räume mit geringem Bedarf tragbar, für ein ganzes Haus nicht.

Die Muster lassen sich mischen. Typisch: Muster 3 für die Strecke Keller–Wohngeschoss, dort ein POF-Switch, von dem Muster 1 die Zimmer versorgt.

Dimensionierung

100 Mbit/s oder 1 Gbit/s. Bei einem FTTH-Tarif mit 500 Mbit/s oder mehr ist Fast-Ethernet-POF eine Bremse. Die Gigabit-Komponenten sind teurer, aber an dieser Stelle die einzig sinnvolle Wahl. Für Räume mit einem Drucker und einem Smart-TV reicht 100 Mbit/s, für den Access Point und den Arbeitsplatz nicht.

Ein Access Point pro Etage. Die POF-Datendose speist einen freistehenden WLAN-Access-Point mit echten 1 Gbit/s. Damit ist die Funkstrecke auf einen Raum oder eine Etage begrenzt, und das WLAN liefert, was der Standard hergibt, statt was die Backhaul-Strecke übrig lässt. Das ist der eigentliche Grund, warum Mesh-Systeme mit kabelgebundenem Backhaul so viel besser laufen als reines Funk-Mesh.

Reichweite. Bei Gigabit-POF liegt die nutzbare Länge bei etwa 40 bis 50 m, bei 100 Mbit/s deutlich darüber. Für ein Einfamilienhaus reicht das für jede Strecke vom Verteiler; nur bei langen Wegen über mehrere Etagen mit vielen Biegungen lohnt ein Blick auf das Dämpfungsbudget.

Reserve. Wer einzieht, zieht zwei Fasern. Die zweite kostet wenig, die zweite Verlegung kostet einen Nachmittag.

Mehrfamilienhaus

Im Mehrfamilienhaus endet die Faser meist direkt in der Wohnung, die Wege sind kurz. ONT und Router stehen an der Anschlussdose, oft im Flur. Von dort führt POF durch die Leerrohre der Wohnungselektrik in die Zimmer – der klassische Fall für eine Nachrüstung ohne Baustelle. Ein POF-Switch mit vier Ports neben dem Router versorgt eine Dreizimmerwohnung vollständig.

Neubau

Wer baut, plant Leerrohre mit Reserve in jeden Raum und legt Cat 6A oder Cat 7. POF ist im Neubau die zweite Wahl, aber nicht ohne Sinn: Als Reservefaser in jedem Rohr, das für Kupfer zu eng geworden ist, oder als Verbindung zu Nebengebäuden, wo eine galvanische Trennung erwünscht ist.

Grenzen

Über 1 Gbit/s. POF im Heimnetz endet bei 1 Gbit/s. Anbieter beginnen, 2 Gbit/s und mehr anzubieten; wer diese Tarife im Haus verteilen will, braucht Cat 6A oder Glasfaser. Bis 1 Gbit/s am Anschluss ist POF ausreichend, darüber nicht.

Kein PoE. POF trägt keinen Strom. Access Points und Kameras brauchen an der Datendose ein Netzteil oder einen lokalen PoE-Injektor.

Ein Hersteller. POF-Heimnetzkomponenten kommen im Wesentlichen von einem Hersteller in Spanien und werden über wenige Partner vertrieben. Das Sortiment ist vollständig, aber schmal, und Preisvergleiche gibt es kaum.

Managed-Funktionen. Die kleinen POF-Switches sind unmanaged. Wer VLANs im Heimnetz betreibt, nimmt den managed 12-Port-Switch oder setzt den POF-Switch hinter einen managed Kupfer-Switch.

Fazit

Der Glasfaseranschluss löst das Problem bis zur Anschlussdose. Was dahinter kommt, ist so gut wie die Hausverkabelung, und in Bestandsgebäuden ist POF der einzige Weg, der Gigabit durch die vorhandene Elektroinstallation in jeden Raum bringt, ohne Wände zu öffnen. Wer ONT und Router trennen, WLAN pro Etage speisen oder eine Wohnung ohne Baustelle nachrüsten will, findet in den vier Grundmustern eine passende Lösung.

Quellen

  • Homefibre Digital Network GmbH: FTTH – Polymer-Glasfaser im Haus, Broschüre, März 2026 (Installationsbeispiele, Komponentenübersicht)
  • Homefibre Digital Network GmbH: POF Service Provider Szenarien, 2020
  • IEEE 802.3bv-2017 (1000BASE-H, Gigabit Ethernet über POF)

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