DDR5 – Double Data Rate 5 SDRAM

Abkürzung: DDR5

DDR5 ist die fünfte Generation des DDR-SDRAM: 1,1 V, Spannungsversorgung durch einen Regler auf dem Modul, zwei unabhängige 32-Bit-Subkanäle je DIMM und ein Prefetch von 16n. Der Steckplatz hat wie bei DDR4 288 Pins, die Kerbe sitzt an anderer Stelle.

Datenblatt

DDR5
NormJEDEC JESD79-5 (14. Juli 2020), Revisionen bis JESD79-5D (November 2025)
Marktstarterster Serienchip SK hynix Oktober 2020; Plattformen ab Ende 2021 (Intel Alder Lake), AMD ab 2022 (Ryzen 7000, Sockel AM5)
SpannungVDD/VDDQ 1,1 V, VPP 1,8 V – erzeugt vom PMIC auf dem Modul aus 5 V (UDIMM/SO-DIMM) bzw. 12 V (RDIMM/LRDIMM), Management-Spannung 3,3 V
Transferraten (JEDEC)DDR5-4000 bis DDR5-8800; Ursprungsnorm bis 6400, spätere Revisionen bis 8800
Prefetch16n (DDR4: 8n)
Bänke32 je Chip in 8 Bank Groups (x4/x8, ab 16 Gbit); 16 in 4 Groups (x16); 8-Gbit-Chips: 2 Bänke je Group
Chipdichten8, 16, 24, 32, 48, 64 Gbit je Die
Kanäle je Modul2 Subkanäle à 32 Bit (UDIMM), à 36 Bit (ECC-UDIMM) bzw. à 40 Bit (RDIMM)
DIMM288 Pins, Kerbe gegenüber DDR4 versetzt; UDIMM und RDIMM haben unterschiedliche Kerben
SO-DIMM262 Pins; alternativ CAMM2
BurstBL16, Burst Chop 8, optional BL32
Vorgänger / NachfolgerDDR4 / DDR6

Was DDR5 von DDR4 unterscheidet

Der Prefetch verdoppelt sich auf 16n, die Burstlänge entsprechend auf 16. Damit ein Burst nicht 128 Byte lang wird – doppelt so viel wie eine Cache-Line –, teilt DDR5 jedes Modul in zwei unabhängige Subkanäle mit je 32 Bit Datenbreite. Jeder Subkanal liefert pro Burst 64 Byte, genau eine Cache-Line, und beide arbeiten mit eigenen Command/Address-Leitungen parallel. Ein Dual-Channel-System hat damit vier Subkanäle; die Zahl der Zugriffe, die gleichzeitig unterwegs sein können, verdoppelt sich gegenüber DDR4.

Die zweite Änderung betrifft die Spannungsversorgung. DDR4-Module bekommen 1,2 V fertig vom Mainboard. DDR5-Module erhalten 5 V (Server-Module 12 V) und erzeugen VDD, VDDQ und VPP selbst über einen Power Management IC (PMIC) auf dem Modul. Die kurzen Wege zum Chip verbessern die Regelung bei hohen Taktraten; im Gegenzug wird das Modul teurer, und die Spannungseinstellung beim Übertakten wandert vom Board auf das Modul. Ein Modul ohne funktionierenden PMIC ist tot, unabhängig vom Board.

Dritte Änderung: On-Die-ECC. Jeder DRAM-Chip korrigiert Einzelbitfehler innerhalb seines Zellenfelds selbst (128 Datenbit + 8 Prüfbit), bevor die Daten den Chip verlassen. Das ist eine Antwort auf die schrumpfenden Zellen bei 16 Gbit und mehr je Die, kein Ersatz für Modul-ECC: Fehler auf dem Datenbus zwischen Chip und Controller, in den Puffern oder im Controller selbst bleiben unentdeckt, und der Chip meldet korrigierte Fehler nicht an das System. Ein DDR5-UDIMM mit On-Die-ECC ist deshalb kein ECC-Modul im herkömmlichen Sinn; dafür braucht es weiterhin die zusätzlichen Chips (36 bzw. 40 Bit je Subkanal) und einen Controller, der sie auswertet. Ergänzend gibt es Error Check and Scrub (ECS): Der Chip liest im Hintergrund seine Zellen durch und zählt die Fehler.

Weitere Neuerungen:

  • Same-Bank Refresh: Der Refresh läuft für je eine Bank pro Bank Group statt für den ganzen Chip; die anderen Bänke bleiben ansprechbar.
  • Decision Feedback Equalization (DFE) im Datenempfänger jedes Chips gleicht Intersymbol-Interferenz auf der Leitung aus – bei 6400 MT/s und mehr unverzichtbar.
  • Duty Cycle Adjuster für DQ und DQS sowie ein interner DQS-Oszillator zur Nachführung der Signalzeitpunkte im Betrieb.
  • Command/Address-Bus mit 14 Leitungen je Subkanal; Kommandos belegen ein oder zwei Takte. RAS und CAS als eigene Signale entfallen, die Kodierung ähnelt LPDDR4. Command/Address Inversion (CAI) reduziert die Zahl gleichzeitig schaltender Leitungen.
  • Mode Register: 256 Register à 8 Bit statt acht Register à 13 Bit, mit einem zweiten Satz für den Register-Clock-Driver.
  • SPD5-Hub mit I3C-Anbindung statt I²C, plus Temperatursensor auf dem Modul; Server-RDIMMs haben zusätzliche Sensoren an den Modulenden.

Modulformate

Das 288-Pin-DIMM ist 133,35 mm breit wie das DDR4-DIMM, die Kerbe sitzt jedoch an anderer Stelle. Anders als bei DDR4 unterscheiden sich außerdem die Kerben von UDIMM und RDIMM, sodass ein Server-Modul nicht in einen Desktop-Sockel passt. Auf jedem Modul sitzen zusätzlich zu den DRAM-Chips der PMIC, der SPD5-Hub und bei Registered-Modulen die Register-Clock-Driver.

ModulEinsatzBesonderheit
UDIMMDesktop5-V-Versorgung, 2 × 32 Bit; ECC-UDIMM 2 × 36 Bit
SO-DIMMNotebook, Mini-PC262 Pins, 69,6 mm breit
CUDIMM / CSODIMMDesktop, Notebook (ab 2024)Clock Driver auf dem Modul regeneriert das Taktsignal; mit Intel Arrow Lake eingeführt, JEDEC-Betrieb bis 6400 MT/s. AMD Zen 5 betreibt CUDIMMs nur im Bypass-Modus ohne Clock Driver.
CAMM2Notebook, Kompakt-PCJESD318: flaches Modul, mit dem Board verschraubt statt gesteckt, für DDR5 und LPDDR5X
RDIMMServer, Workstation12-V-Versorgung, 2 × 40 Bit mit ECC, Register für Command/Address
LRDIMMServerzusätzlicher Datenpuffer für hohe Kapazitäten
MRDIMM (MCRDIMM)ServerPuffer liest zwei Ranks parallel und multiplext sie auf doppelte Rate: 8800 MT/s (Gen 1, Xeon 6), 12.800 MT/s (Gen 2, JEDEC-Standard in Arbeit)

Takt, Timings und Übertaktung

Die JEDEC-Profile beginnen bei DDR5-4000; der übliche Einstieg der ersten Plattformen war DDR5-4800 CL40, die Revisionen der Norm reichen bis DDR5-8800. Das SPD5-EEPROM enthält die JEDEC-Profile; Übertaktungsprofile liegen daneben als Intel XMP 3.0 oder AMD EXPO (seit 2022). Typische Consumer-Module: DDR5-6000 CL30, DDR5-7200 CL34, XMP-Profile bis 8000 MT/s mit 1,4 bis 1,45 V statt der 1,1 V der Norm.

Bei der absoluten Latenz bringt DDR5 keinen Fortschritt: Die JEDEC-Profile liegen bei rund 14 bis 17 ns (DDR5-4800 CL40 entspricht 16,7 ns), DDR3-1866 CL13 lag bereits bei 13,9 ns. Die höhere Bandbreite wird mit gleichbleibenden oder etwas längeren Zugriffszeiten bezahlt. Übertaktete Profile holen das auf: DDR5-6000 CL30 entspricht 10 ns.

Kompatibilität

  • DDR5 passt mechanisch nicht in DDR4-Steckplätze und umgekehrt; DDR5-RDIMMs passen nicht in UDIMM-Sockel.
  • Intel Alder Lake, Raptor Lake und Raptor Lake Refresh (Sockel LGA 1700) unterstützen DDR4 oder DDR5, je nach Board – einzelne H610-Boards haben Sockel für beides, aber nie gleichzeitig nutzbar. AMD AM5 (Ryzen 7000/9000), Intel Meteor Lake, Arrow Lake und Sapphire Rapids sind DDR5-only. AMD Epyc Genoa/Bergamo (SP5) hat zwölf DDR5-Kanäle.
  • Zwei Module je Kanal (vier DIMMs) laufen deutlich langsamer als zwei DIMMs insgesamt; die Plattformen spezifizieren dafür niedrigere Taktraten. Wer Kapazität braucht, nimmt große Module statt vieler.
  • Kits nicht mischen: Die Trainingsergebnisse sind modulspezifisch, unterschiedliche Kits desselben Typs laufen nicht zuverlässig mit dem XMP/EXPO-Profil.
  • Das Speichertraining beim ersten Start kann bei DDR5 spürbar länger dauern als bei DDR4; das ist kein Defekt.

Der Vergleich aller Bauformen und Generationen mit Kerbenpositionen steht im Guide Speicherbauformen.

Normen und Quellen

  • JEDEC JESD79-5 – DDR5 SDRAM Standard, Juli 2020; Revisionen bis JESD79-5D, November 2025
  • JEDEC JESD21-C – Module Standards (288-Pin DDR5 DIMM, 262-Pin DDR5 SO-DIMM)
  • JEDEC JESD318 – Compression Attached Memory Module 2 (CAMM2)
  • Micron, DDR5 SDRAM Core Datasheet (2022) und DDR5 UDIMM Core Datasheet
  • SK hynix, Pressemitteilung zum ersten 16-Gbit-DDR5-Chip, November 2018

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