G.fast

G.fast ist ein DSL-Verfahren für sehr kurze Kupferstrecken. Es kommt dort zum Einsatz, wo die Glasfaser bis ins Gebäude reicht, die letzten Meter bis in die Wohnung aber über die vorhandenen Telefonleitungen zurückgelegt werden.

Einordnung

Die ITU-T hat das Verfahren Ende 2014 verabschiedet: G.9700 regelt die Sendeleistung und die Belegung des Frequenzbereichs, G.9701 die Übertragung selbst. Der Name ist kein Kürzel im eigentlichen Sinn — das „fast" steht für fast access to subscriber terminals, den schnellen Zugang bis zum Teilnehmer.

Der entscheidende Unterschied zu älteren DSL-Verfahren liegt im Frequenzbereich. Während VDSL2 bis 17 oder 35 MHz arbeitet, nutzt G.fast je nach Profil bis 106 oder bis 212 MHz. Das bringt die Bandbreite, kostet aber Reichweite: Je höher die Frequenz, desto stärker dämpft die Kupferleitung.

Zweiter Unterschied: G.fast trennt Sende- und Empfangsrichtung zeitlich statt nach Frequenzen. Beide Richtungen teilen sich denselben Frequenzbereich und wechseln sich ab. Daraus folgt eine Eigenschaft, die ältere Verfahren nicht haben — das Verhältnis zwischen Hin- und Rückrichtung ist einstellbar. Ein Netzbetreiber kann denselben Anschluss symmetrisch oder stark asymmetrisch betreiben, ohne die Hardware zu tauschen.

Weil sich die Adern eines Kabelbündels auf diesen Frequenzen erheblich stören, gehört eine Störkompensation zwischen den Leitungen praktisch zum Betrieb dazu. Ohne sie bricht die Rate ein, sobald mehrere Wohnungen gleichzeitig übertragen.

Reichweite

Das ist die Eigenschaft, die alles andere bestimmt. Die Rate fällt mit der Leitungslänge deutlich schneller ab als bei VDSL2.

Auf wenigen Dutzend Metern sind Summenraten im Bereich mehrerer hundert Megabit je Sekunde erreichbar, unter besonders guten Bedingungen auch um ein Gigabit. Schon bei zweihundert Metern bleibt davon ein Bruchteil übrig, und jenseits davon ist das Verfahren gegenüber VDSL2 im Nachteil.

Daraus ergibt sich der einzige sinnvolle Einsatzort: das Gebäude selbst. G.fast ist keine Technik für die Strecke vom Verteilerkasten zum Haus, sondern für die Strecke vom Hausanschluss zur Wohnung.

Wo das Gerät sitzt

Die Glasfaser endet im Keller an einem kleinen Gerät, das die Umsetzung auf Kupfer vornimmt — funktional ein Mini-DSLAM für wenige Teilnehmer. Von dort läuft die vorhandene Telefonverkabelung des Hauses weiter zu den Wohnungen, wo jeweils ein G.fast-Modem steht.

Die Norm sieht zusätzlich vor, dass sich dieses Gerät aus Richtung der Teilnehmer mit Strom versorgen lässt. Das erspart einen eigenen Stromanschluss im Treppenhaus und die Frage, wer ihn bezahlt — ein praktischer Punkt, der bei der Nachrüstung von Bestandsgebäuden häufig den Ausschlag gibt.

Der Fall aus der Praxis

In deutschen Mehrfamilienhäusern taucht G.fast fast immer in derselben Konstellation auf: Der Netzbetreiber legt Glasfaser bis ins Gebäude, verzichtet aber darauf, jede Wohnung neu zu verkabeln. Stattdessen übernimmt G.fast die Verteilung über die Leitungen, die ohnehin liegen. Angeboten werden dabei je nach Betreiber und Leitungszustand Raten in der Größenordnung von 400 Mbit/s im Download bei rund 160 Mbit/s im Upload.

Für den Bewohner sieht das anders aus als ein Glasfaseranschluss bis in die Wohnung, und genau daraus entstehen die wiederkehrenden Rückfragen:

Es kommt kein ONT. Wer einen Glasfaseranschluss gebucht hat, erwartet das Gerät, das Licht in Ethernet umsetzt. Bei dieser Bauweise steht es im Keller und gehört dem Netzbetreiber; in der Wohnung steht ein Modem, das über die Telefondose angeschlossen wird.

Die Dose ist die alte. Kein Glasfaser-Teilnehmeranschluss, sondern die vorhandene Telefondose. Das wirkt wie ein Rückschritt, ist aber der Kern des Verfahrens.

Die Rate schwankt von Wohnung zu Wohnung. Sie hängt an der Länge und am Zustand der Leitung bis in die jeweilige Wohnung. Zwei Parteien im selben Haus können unterschiedliche Werte messen, ohne dass eine Störung vorliegt.

Der Anschluss heißt trotzdem Glasfaseranschluss. Das ist nicht falsch — die Glasfaser endet tatsächlich am Gebäude. Es ist aber eine andere Ausbaustufe als Glasfaser bis in die Wohnung, und der Unterschied wird in der Vermarktung selten deutlich.

Verbreitung

In Deutschland ist G.fast eine Nischentechnik geblieben. Auf der Strecke zwischen Verteilerkasten und Haus hat sich stattdessen die Weiterentwicklung von VDSL2 durchgesetzt, und beim Neuausbau geht der Weg inzwischen zur Glasfaser bis in die Wohnung.

Wo G.fast eingesetzt wird, ist es meist eine Abwägung im Bestand: Die Nachrüstung eines Mehrfamilienhauses mit Glasfaser bis in jede Wohnung bedeutet Eingriffe in fremdes Eigentum, Abstimmung mit der Eigentümergemeinschaft und entsprechende Kosten. G.fast umgeht das, zu dem Preis, dass die letzte Strecke Kupfer bleibt.

Eine Weiterentwicklung mit nochmals größerem Frequenzbereich ist normiert, spielt in der Praxis aber kaum eine Rolle.

Abgrenzung

VDSL2 und dessen Weiterentwicklungen arbeiten in einem niedrigeren Frequenzbereich über deutlich längere Strecken, vom Verteilerkasten bis ins Haus. G.fast setzt erst dort an, wo VDSL2 aufhört.

FTTH bezeichnet Glasfaser bis in die Wohnung, FTTB Glasfaser bis ins Gebäude. G.fast ist eine mögliche Umsetzung der zweiten Variante — nicht die einzige, denn die Weiterführung im Haus kann auch über Ethernet oder das vorhandene Koaxialnetz erfolgen.

Ein ONT setzt Licht auf Ethernet um und steht bei FTTH in der Wohnung. Bei G.fast übernimmt diese Aufgabe das Gerät im Keller.

Ein Gf-TA ist der Abschlusspunkt eines Glasfaseranschlusses in der Wohnung. Bei dieser Bauweise gibt es ihn dort nicht.

Quellen

  • ITU-T G.9700: Fast access to subscriber terminals — Power spectral density specification
  • ITU-T G.9701: Fast access to subscriber terminals — Physical layer specification
  • Stiegeler Internet Service: FTTB-Ausbau mit G.fast

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