POE – Point of Entry
Abkürzung: POE
Der Point of Entry ist der bauliche Übergang, an dem Außenkabel in ein Rechenzentrum eingeführt werden. Dahinter liegt ein Einführungsraum, von dort laufen die Kabel weiter zum Meet-Me-Room und von dort über Cross Connects zu den Kunden.
Betreiber werben damit, meist in der Form „zwei Points of Entry, erweiterbar auf vier“. Die Zahl allein sagt allerdings wenig.
Warum zwei nicht automatisch zwei sind
Zwei Einführungen sollen verhindern, dass ein einzelnes Ereignis sämtliche Anbindungen des Hauses trennt. Das funktioniert nur, wenn die Trennung außerhalb des Gebäudes weitergeht.
Zwei Einführungen an gegenüberliegenden Gebäudeseiten, deren Leerrohre sich hinter dem Grundstück im selben Schacht treffen, sind eine Einführung mit zwei Enden. Ein Bagger an dieser Stelle nimmt beide. Dasselbe gilt, wenn beide Trassen zwar getrennt verlaufen, aber in dieselbe Straße münden.
Die brauchbaren Fragen an einen Betreiber lauten deshalb nicht „wie viele“, sondern:
- Wie weit sind die Einführungen voneinander entfernt, und liegen sie an verschiedenen Gebäudeseiten?
- Verlaufen die Trassen bis zu verschiedenen Straßen oder Schächten getrennt?
- Welche Carrier nutzen tatsächlich welche Einführung — und bietet jeder von ihnen beide an?
Der letzte Punkt wird am häufigsten übersehen. Ein Haus kann vier Einführungen haben, während der eigene Carrier nur in einer davon liegt. Die Wegetrennung des Gebäudes nützt dann niemandem, der nur bei diesem Carrier kauft.
Was baulich dazugehört
Eine Kabeleinführung ist ein Loch in der Gebäudehülle, und das muss beherrscht werden:
- Brand- und Rauchschutz. Die Durchführung muss den Brandabschnitt wiederherstellen, den sie durchbricht.
- Gas- und Wasserdichtigkeit. Erddruckwasser und Gas folgen dem Leerrohr ins Gebäude, wenn die Abdichtung fehlt.
- Zugentlastung und Reserve. Kabel brauchen am Übergang eine Schlaufe, damit Setzungen im Erdreich nicht an der Spleißstelle ziehen.
- Zutrittsschutz. Der Einführungsraum ist ein lohnendes Ziel: Dort laufen alle Verbindungen des Hauses auf engem Raum zusammen.
Verhältnis zum Meet-Me-Room
Die beiden werden leicht verwechselt, sind aber verschiedene Dinge.
Der Point of Entry ist der bauliche Übergang nach draußen. Der Meet-Me-Room ist der organisatorische Punkt, an dem die Carrier einander und den Kunden begegnen. Zwischen beiden liegt Kabel.
Daraus folgt, dass die Verdopplung an beiden Stellen nötig ist. Zwei Einführungen, die in einen einzigen Meet-Me-Room laufen, haben ihre Wegetrennung dort wieder aufgegeben — deshalb halten größere Standorte zwei davon vor, und deshalb sollte man wissen, ob die eigenen Verbindungen tatsächlich auf beide verteilt sind.
Abgrenzung
Power over Ethernet. Die Abkürzung PoE steht im Netzwerkbereich für die Stromversorgung über das Datenkabel — siehe Power over Ethernet. Gleiche Buchstaben, kein Zusammenhang. In Rechenzentrumsunterlagen ist bei „POE“ fast immer die Kabeleinführung gemeint, im Netzwerkumfeld fast nie.
Hausanschluss. Im Telekommunikationsrecht bezeichnet der Begriff die Übergabe beim Endkunden, meist mit einem Abschlusspunkt im Keller. Technisch ähnlich, rechtlich etwas anderes: Beim Point of Entry geht es um die Einführung vieler Carrier in ein Haus, das selbst keiner von ihnen ist.
Kabeltrasse. Der Weg des Kabels im Erdreich. Die Einführung ist der Endpunkt dieser Trasse; die Trennung, um die es geht, wird dort draußen entschieden.