ONT-Stick (SFP-ONT)
Ein ONT-Stick ist ein vollständiges ONT im SFP-Formfaktor. Er wird direkt in den SFP-Steckplatz eines Routers gesteckt und ersetzt das externe Glasfasermodem samt Netzteil.
Definition
Ein ONT-Stick enthält die gesamte PON-Funktion eines Glasfasermodems in einem Steckmodul der Baugröße SFP oder SFP+. Auf der einen Seite sitzt die optische Schnittstelle zur Glasfaser, auf der anderen die elektrische Schnittstelle zum Gerät, in dem das Modul steckt. Das Modul meldet sich beim OLT an, wandelt zwischen PON und Ethernet und übergibt den Verkehr an den Router.
Gegenüber einem externen ONT entfällt ein Gehäuse, ein Netzteil und ein Patchkabel. Die Leistungsaufnahme sinkt, und der Anschluss reduziert sich auf ein Gerät. Für die Faser wird ein LC-Patchkabel direkt in das Modul gesteckt.
Die Bezeichnungen schwanken. Verbreitet sind ONT-Stick, SFP-ONT, XPON-Stick und GPON-SFP. Gemeint ist in allen Fällen dasselbe.
Voraussetzungen
Damit ein ONT-Stick funktioniert, müssen drei Bedingungen zusammenkommen.
Passende PON-Variante. Ein Modul für GPON arbeitet nicht an einem XGS-PON-Anschluss und umgekehrt. Die Wellenlängen sind andere. Es gibt Module, die beide Varianten beherrschen, sie sind teurer.
Aufnahme im Router. Der Router braucht einen SFP-Slot, der als WAN-Schnittstelle nutzbar ist. Bei manchen Geräten ist der Slot nur als LAN-Port vorgesehen. Für XGS-PON muss die Aufnahme 10 Gbit/s beherrschen, ein reiner SFP-Steckplatz mit 1 Gbit/s reicht nicht. Der elektrische Betriebsmodus muss ebenfalls passen, meist 2500BASE-X oder 10GBASE-R.
Eintrag beim Netzbetreiber. Das OLT akzeptiert nur ein bekanntes ONT. Entweder wird die Kennung des Sticks beim Netzbetreiber hinterlegt, oder die Kennung des bisherigen ONT wird in den Stick übernommen.
Kennungen übernehmen oder eintragen lassen
Der saubere Weg ist, die Seriennummer des Sticks beim Netzbetreiber eintragen zu lassen. Je nach Netz wird zusätzlich eine Registrierungskennung oder ein Passwort benötigt, das in den Stick eingetragen wird.
Der zweite Weg ist, die Identität des vorhandenen ONT in den Stick zu übertragen. Die Module lassen dafür üblicherweise folgende Werte setzen:
- PON-Seriennummer. Vier Buchstaben Herstellerkennung, acht Hexadezimalstellen.
- Herstellerkennung (Vendor ID). Die vier Buchstaben aus der ITU-T-Registry, die in der Seriennummer stecken.
- MAC-Adresse. Manche Netze prüfen sie zusätzlich.
- Registrierungskennung und Passwort, sofern das Netz sie verlangt.
- OMCC-Version und Product Class. Felder, mit denen sich das Modul gegenüber dem OLT als bestimmter Gerätetyp ausgibt.
Dieses Vorgehen läuft ohne Mitwirkung des Netzbetreibers, hat aber zwei praktische Nachteile. Bei einer Störung kennt der Netzbetreiber den tatsächlich verbauten Gerätetyp nicht. Und wenn das alte ONT unbeabsichtigt gleichzeitig ans Netz geht, melden sich zwei Geräte mit derselben Seriennummer an.
Unabhängig vom Weg gilt: Zugangsdaten, VLAN-Kennung und PPPoE- oder DHCP-Betrieb ändern sich durch den Stick nicht. Sie stehen in der Schnittstellenbeschreibung des Netzbetreibers.
Firmware
Die am Markt erhältlichen Sticks stammen überwiegend von wenigen Herstellern und verwenden ähnliche Chipsätze. Die mitgelieferte Firmware ist nicht immer auf den deutschen Markt abgestimmt. Ein Teil der Module wird deshalb mit alternativer Firmware betrieben, die mehr Parameter freigibt.
Das ist ein Eingriff auf eigenes Risiko. Ein fehlerhaft konfiguriertes Modul kann sich am OLT falsch verhalten und im ungünstigen Fall andere Teilnehmer am selben Port stören, weil im Upstream alle Zeitschlitze geteilt werden. Netzbetreiber führen genau dieses Szenario als Argument gegen fremde Geräte an.
Typische Fehlerbilder bei der Inbetriebnahme:
- Keine Registrierung. Das Modul erreicht den Zustand O5 nicht. Meist stimmt die Seriennummer oder die Kennung nicht, oder das alte ONT ist noch eingetragen.
- Registrierung, aber kein Verkehr. Die Anmeldung läuft, PPPoE oder DHCP scheitern. Dann fehlt in der Regel die VLAN-Kennung oder die Zugangsdaten stimmen nicht.
- Link wechselt ständig. Der elektrische Modus zwischen Modul und Router passt nicht, oder das Modul überhitzt. SFP-Slots ohne Luftstrom/Kühlung sind bei ONT-Sticks kritischer als bei gewöhnlichen Transceivern, weil der Stick dauerhaft mehr Leistung aufnimmt.
Rechtliche Lage
Die Bundesnetzagentur hat am 22. Januar 2025 entschieden, dass der Netzabschlusspunkt in passiven optischen Netzen passiv bleibt. Der Zugang ist nach § 73 Abs. 1 TKG an diesem Punkt zu gewähren. Das ONT zählt damit zum Endgerät, und ein ONT-Stick ist eine zulässige Bauform davon.
Mehrere Verbände und die Vodafone GmbH haben Widerspruch eingelegt. Die Bundesnetzagentur stellt klar, dass dies die Geltung der Vorschrift nicht berührt.
In der Praxis entscheidet weniger die Rechtslage als die Bereitschaft des Netzbetreibers, eine fremde Kennung einzutragen. Die veröffentlichte Schnittstellenbeschreibung ist dabei der zweckmäßigste Bezugspunkt, weil sie die Parameter enthält, die ein eigenes Gerät braucht.
Abgrenzung
Ein gewöhnlicher SFP-Transceiver wandelt nur zwischen Kupfer und Glasfaser oder zwischen Wellenlängen. Er enthält keine PON-Protokollschicht und kann ein ONT nicht ersetzen.
An einem aktiven Punkt-zu-Punkt-Netz genügt tatsächlich ein passender Standard-Transceiver, weil dort kein PON-Protokoll läuft. Wer einen solchen Anschluss hat, braucht keinen ONT-Stick.
Router mit fest eingebautem PON-Port erfüllen denselben Zweck wie die Kombination aus Router und ONT-Stick. Der Unterschied liegt in der Austauschbarkeit: Ein Stick lässt sich beim Wechsel auf eine andere PON-Generation tauschen, ein fest verbauter Port nicht.
Quellen
- ITU-T G.984.3: Zustandsautomat der ONU-Anmeldung, Zustände O1 bis O5
- ITU-T G.988: ONU management and control interface (OMCI)
- ITU-T G.9807.1: XGS-PON, Wellenlagen für Downstream und Upstream
- SFF-8472 und SFF-8431: Formfaktor und elektrische Schnittstelle SFP und SFP+
- Bundesnetzagentur: Entscheidung zum Netzabschlusspunkt für passive optische Glasfasernetze, Az. 2.00/105#1, Amtsblatt 02/2025 vom 22.01.2025
- § 73 Telekommunikationsgesetz (TKG)