Rufnummernübermittlung – CLIP, CLIR, COLP, COLR
Rufnummernübermittlung heißt die Gruppe von Leistungsmerkmalen, die regeln, ob und welche Rufnummer zwischen Anrufer und Angerufenem übertragen und angezeigt wird.
Vier Merkmale, zwei Richtungen
Die Rufnummer wandert bei jedem Anruf in zwei Richtungen durch das Netz: vom Anrufer (A-Teilnehmer) zum Angerufenen (B-Teilnehmer) beim Verbindungsaufbau, und vom tatsächlich erreichten Anschluss zurück zum Anrufer, sobald das Gespräch angenommen wird. Für jede Richtung gibt es ein Merkmal, das die Anzeige erlaubt (Presentation), und eines, das sie unterdrückt (Restriction).

| Merkmal | Richtung | Wer schaltet es | Wirkung | Norm |
|---|---|---|---|---|
| CLIP – Calling Line Identification Presentation | A → B | Angerufener (B) | B sieht die Nummer von A | ITU-T I.251.3, ETSI ETS 300 089 |
| CLIR – Calling Line Identification Restriction | A → B | Anrufer (A) | A unterdrückt seine Nummer, B sieht „anonym“ | ITU-T I.251.4, ETSI ETS 300 090 |
| COLP – Connected Line Identification Presentation | B → A | Anrufer (A) | A sieht die Nummer des Anschlusses, der abgenommen hat | ITU-T I.251.5, ETSI ETS 300 094 |
| COLR – Connected Line Identification Restriction | B → A | Angerufener (B) | B unterdrückt seine Nummer gegenüber A | ITU-T I.251.6, ETSI ETS 300 095 |
Die beiden Richtungen sind immer unabhängig voneinander zu betrachten. Ein Anrufer mit aktivem CLIR kann trotzdem per COLP die Nummer des erreichten Anschlusses sehen, und ein Angerufener mit COLR sieht per CLIP weiterhin die Nummer des Anrufers.
Warum COLP und COLR überhaupt nötig sind
Gewählte und erreichte Rufnummer sind nicht immer identisch. Bei einer Rufumleitung, einer Anrufübernahme oder einer Sammelrufnummer nimmt ein anderer Anschluss ab als der ursprünglich gewählte. COLP zeigt dem Anrufer diese tatsächliche Nummer an – er erkennt zum Beispiel, dass er statt im Büro auf dem Mobiltelefon des Angerufenen gelandet ist. COLR verhindert genau das: Der Anrufer sieht nur die gewählte Nummer, nicht die Durchwahl oder das private Handy, auf das umgeleitet wurde.
Namen statt Nummern: CNIP
CNIP (Calling Name Identification Presentation) überträgt zusätzlich zur Rufnummer einen beim Netzbetreiber hinterlegten Namen. Das Gegenstück CNIR unterdrückt ihn. In Mobilfunknetzen läuft dasselbe unter der Bezeichnung CNAP. Nicht zu verwechseln ist das mit der Namensanzeige aus dem lokalen Telefonbuch des Endgeräts: Dort ordnet das Telefon selbst der übermittelten Nummer einen Namen zu, das Netz überträgt nur die Ziffern.
„no screening“: fremde Rufnummer senden
Bei CLIP und COLP prüft das Netz normalerweise, ob die gesendete Nummer dem Anschluss auch zugeteilt ist (Screening). Mit CLIP no screening und COLP no screening entfällt diese Prüfung. Eine TK-Anlage kann dann statt der Durchwahl die Zentralnummer übermitteln oder eine Servicerufnummer anzeigen, obwohl der Ruf über einen anderen Anschluss abgeht. Netzbetreiber schalten das nur auf Antrag und nur für Rufnummern, die dem Kunden nachweislich zugeteilt sind, weil das Merkmal sonst Rufnummern-Spoofing erlaubt.
Signalisierung in ISDN, Mobilfunk und SIP
Die Merkmale stammen aus der ISDN-Normung und wurden für Mobilfunk und VoIP übernommen. Die Information ist überall dieselbe: Nummer plus Anzeigeindikator, nur der Transport unterscheidet sich.
- ISDN (DSS1): Die Rufnummer des Anrufers steht im Informationselement Calling Party Number der SETUP-Nachricht, zusammen mit einem Presentation Indicator (allowed / restricted). CLIR setzt diesen Indikator auf restricted; das Netz übermittelt die Nummer dann nur an privilegierte Anschlüsse. Die Nummer des erreichten Anschlusses liefert das Element Connected Number in der CONNECT-Nachricht, COLR setzt dort den Indikator.
- Analoganschluss: CLIP wird vor dem ersten Klingeln als FSK-Datenpaket auf der a/b-Leitung übertragen (ETSI EN 300 659). COLP/COLR existieren am Analoganschluss nicht, die Steuerung von CLIR erfolgt über Tastencodes.
- Mobilfunk (GSM/UMTS/LTE): Die Merkmale sind als Supplementary Services in 3GPP TS 22.081 definiert. CLIR wird fallweise mit dem Präfix
#31#vor der Rufnummer unterdrückt und mit*31#erzwungen (3GPP TS 22.030); dauerhaft steuert es das Netz per Vertragseinstellung. COLP/COLR sind nicht in allen Netzen freigeschaltet. - SIP/VoIP: Die Rufnummer des Anrufers steht im From-Header des INVITE. Weil dieser frei beschreibbar ist, tragen Netze die verifizierte Nummer zusätzlich im P-Asserted-Identity-Header (RFC 3325). CLIR entspricht dem Header
Privacy: id(RFC 3323): Der Provider entfernt P-Asserted-Identity, bevor der Ruf das Vertrauensnetz verlässt, und ersetzt den From-Header durch „anonymous“. Die COLP-Information liefert die 200-OK-Antwort; in IMS-Netzen ebenfalls über P-Asserted-Identity (3GPP TS 24.229).
Ausnahmen: Notruf, Fangschaltung, CLIR Override
Die Unterdrückung wirkt nicht gegenüber jedem. Anschlüsse von Notrufabfragestellen (110, 112) sehen die Nummer immer; das Merkmal dafür heißt CLIR Override (CLIRO) und ist in Deutschland durch § 15 TKG abgedeckt. Bei einer Fangschaltung (MCID, § 14 TKG) protokolliert das Netz die Nummer unabhängig von CLIR; sie wird dem Angerufenen aber nicht angezeigt, sondern nur auf Antrag herausgegeben. Umgekehrt gilt: CLIR muss dem Anrufer laut § 15 TKG kostenlos angeboten werden, sowohl fallweise als auch dauerhaft.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen CLIR und COLR? CLIR schützt den Anrufer, COLR den Angerufenen. CLIR verhindert, dass der Angerufene die Nummer des Anrufers sieht. COLR verhindert, dass der Anrufer die Nummer des Anschlusses sieht, der tatsächlich abgenommen hat.
Warum sehe ich trotz CLIR eine Nummer? Entweder ist der angerufene Anschluss privilegiert (Notruf, Behörde mit CLIR Override), oder die Unterdrückung ging an einer Netzgrenze verloren – etwa bei Auslandsgesprächen oder zwischen VoIP-Providern, die den Privacy-Header nicht auswerten. Auch eine dauerhaft eingestellte Unterdrückung kann durch *31# für einen Anruf aufgehoben worden sein.
Wie schaltet man CLIR ein? Fallweise am Endgerät mit #31# vor der Rufnummer (Mobilfunk und die meisten Festnetzanschlüsse), dauerhaft beim Netzbetreiber. An SIP-Anlagen und Routern gibt es dafür eine Option pro Rufnummer oder Nebenstelle; technisch setzt die Anlage dann den Privacy-Header oder anonymisiert den From-Header.
Zeigt CLIP den Namen des Anrufers an? Nur wenn das Netz CNIP unterstützt oder der SIP-From-Header einen Display-Namen enthält. In den meisten Fällen stammt der angezeigte Name aus dem Adressbuch des Telefons, nicht aus dem Netz.