Grenzwertausschöpfung
Die Grenzwertausschöpfung gibt an, welchen Teil des zulässigen Grenzwerts ein gemessenes elektromagnetisches Feld erreicht. 100 Prozent bedeuten: Der Grenzwert ist genau erreicht. Die Bundesnetzagentur weist sie in ihren EMF-Messreihen aus, Kommunen und Gutachter in ihren Messberichten.
Weil an einem Ort viele Sender gleichzeitig wirken, ist die Grenzwertausschöpfung immer eine Summe über alle erfassten Funkdienste, vom Rundfunk bis zum WLAN.
Zwei Bedingungen, zwei Rechenwege
Die Verordnung über elektromagnetische Felder bewertet zwei biologische Wirkungen getrennt. Daher stehen in Messberichten zwei Prozentwerte:
| Bedingung 1 und 2 | Bedingung 3 und 4 | |
|---|---|---|
| Wirkung | Reizwirkung auf Nerven und Muskeln | Erwärmung |
| Frequenzbereich | bis 10 MHz | ab 100 kHz, darin der gesamte Mobilfunk |
| Rechnung je Sender | E / G | (E / G)² |
| Summe | linear addiert, höchstens 1 | quadratisch addiert, höchstens 1 |
E ist die gemessene, G die zulässige Feldstärke bei der jeweiligen Frequenz. Bedingung 1 und 3 betreffen das elektrische, Bedingung 2 und 4 das magnetische Feld. In ausreichendem Abstand zur Antenne liefern beide dasselbe Ergebnis, deshalb werten Messberichte meist nur das elektrische Feld aus.
Für Mobilfunk zählt Bedingung 3. Die Erwärmung hängt von der aufgenommenen Leistung ab, und die wächst mit dem Quadrat der Feldstärke.
Prozent der Leistung, nicht der Feldstärke
Das Quadrat in Bedingung 3 macht aus kleinen Feldstärken sehr kleine Prozentwerte:
| Gemessene Feldstärke | Anteil an der Feldstärke | Grenzwertausschöpfung nach Bedingung 3 |
|---|---|---|
| 61 V/m bei 61 V/m | 100 % | 100 % |
| 6,1 V/m bei 61 V/m | 10 % | 1 % |
| 1,93 V/m bei 61 V/m | 3,2 % | 0,1 % |
| 0,61 V/m bei 61 V/m | 1 % | 0,01 % |
Eine Ausschöpfung von 1 Prozent heißt also: Die Feldstärke liegt bei einem Zehntel des Grenzwerts. Wer Prozentangaben aus verschiedenen Quellen vergleicht, muss deshalb wissen, ob sich die Zahl auf die Feldstärke oder auf die Leistung bezieht. Messgeräte für Laien zeigen meist die Feldstärke oder eine Leistungsflussdichte an, Messberichte der Behörden die quadratische Ausschöpfung.
Typische Werte
Nach Angaben der Bundesnetzagentur schöpfen die gemessenen Felder die Grenzwerte nur zu einem Bruchteil aus. Zwei Beispiele:
- Bei einer Langzeitmessung auf einem Hochhausdach in Aschaffenburg neben einem Mobilfunkstandort ergab sich 2015 nach Bedingung 3 im Mittel 1,18 Prozent, höchstens 3,17 Prozent.
- In Wohngebieten liegen die Werte oft bei Hundertsteln eines Prozents. Beispiele aus Berlin zeigt der Guide Standortbescheinigung für Mobilfunkantennen in der EMF-Karte.
Was die Zahl nicht sagt
Messzeitpunkt. Gemessen wird der Betrieb während der Messung. Die Bundesnetzagentur wertet dabei den höchsten Spitzenwert so, als sende die Anlage dauernd damit, rechnet aber nicht auf die volle Auslastung hoch, für die die Standortbescheinigung gilt. Mobilfunkanlagen senden je nach Verkehr unterschiedlich stark.
Ort. Die Zahl gilt für den Messpunkt. Wenige Meter weiter, in einem oberen Stockwerk oder in der Hauptstrahlrichtung einer Antenne kann sie deutlich anders ausfallen.
Frequenzbereich. Erfasst wird nur, was das Messsystem abdeckt. Die Messvorschrift der Bundesnetzagentur von 2003 reicht bis 3 GHz; 5G um 3,6 GHz liegt außerhalb.
Endgeräte. Das eigene Handy am Ohr ist nicht enthalten. Für Endgeräte gilt die Spezifische Absorptionsrate.
Normen
- 26. BImSchV, Anhang 2 – Berücksichtigung von Immissionsbeiträgen
- Reg TP MV 09/EMF/3 – Messvorschrift für bundesweite EMVU-Messreihen, Ausgabe Februar 2003
- Empfehlung des Rates 1999/519/EG – Summenformeln