Mobile Station International Subscriber Directory Number
Abkürzung: MSISDN
MSISDN (Mobile Station International Subscriber Directory Number)
Die MSISDN ist die wählbare Rufnummer eines Mobilfunkanschlusses nach E.164. Sie ist nicht auf der SIM gespeichert, sondern im HLR.
Die MSISDN ist die international eindeutige Rufnummer, unter der ein Mobilfunkteilnehmer erreichbar ist — also die Nummer, die ein Anrufer wählt. Sie ist in ITU-T E.164 als Nummerierungsplan und in 3GPP TS 23.003 für den Mobilfunk spezifiziert.
Von zentraler Bedeutung ist die Trennung zwischen der MSISDN als Adresse nach außen und der IMSI als Identität innerhalb des Netzes. Beide Nummern beschreiben denselben Anschluss, werden aber an unterschiedlichen Stellen verwendet und sind nicht ineinander umrechenbar. Auch die Form "Mobile Subscriber Integrated Services Digital Network Number" ist gebräuchlich.
Aufbau nach E.164
Die MSISDN besteht aus drei Bestandteilen und umfasst maximal 15 Ziffern, ohne die Verkehrsausscheidungsziffer (+ beziehungsweise 00):
| Teil | Bezeichnung | Beispiel |
|---|---|---|
| CC | Country Code, 1–3 Ziffern | 49 |
| NDC | National Destination Code | 151 |
| SN | Subscriber Number | 12345678 |
CC identifiziert das Land, NDC innerhalb des Landes den Nummernbereich — im deutschen Mobilfunk die Bereiche 15x, 16x und 17x. NDC und SN zusammen bilden die National Significant Number (NSN).
In nationaler Schreibweise wird der NDC mit einer führenden Null notiert (0151 12345678), im internationalen Format entfällt diese und wird durch den Country Code ersetzt (+49 151 12345678). Diese Null ist kein Bestandteil der Nummer, sondern eine nationale Verkehrsausscheidungsziffer — eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Verarbeitung von Rufnummern.
Abgrenzung zur IMSI
Die IMSI (International Mobile Subscriber Identity) identifiziert das Teilnehmerverhältnis gegenüber dem Netz. Sie ist auf der SIM gespeichert, umfasst ebenfalls maximal 15 Ziffern und setzt sich aus Mobile Country Code (MCC), Mobile Network Code (MNC) und Mobile Subscriber Identification Number (MSIN) zusammen.
Die Unterschiede im Überblick:
| MSISDN | IMSI | |
|---|---|---|
| Zweck | Erreichbarkeit von außen | Identifikation im Netz |
| Sichtbarkeit | öffentlich bekannt | netzintern, schutzbedürftig |
| Verwendung | Wählen, Adressierung | Authentisierung, Registrierung |
| Zuordnung | änderbar, portierbar | an das Teilnehmerverhältnis gebunden |
Die Verknüpfung beider Nummern liegt im Teilnehmerregister — historisch im HLR (Home Location Register), in LTE-Netzen im HSS, in 5G-Netzen im UDM. Diese Zuordnung ist der Grund, warum eine Rufnummer zu einer anderen SIM wechseln kann, ohne dass sich an der Erreichbarkeit etwas ändert.
Ein Teilnehmerverhältnis kann außerdem mehrere MSISDNs tragen. In klassischen GSM-Netzen wurde davon Gebrauch gemacht, um Sprache, Fax und Datenverbindungen unter getrennten Rufnummern zu führen.
Speicherort und das Problem der eigenen Rufnummer
Die MSISDN ist keine Eigenschaft der SIM, sondern ein Datensatz im Teilnehmerregister des Heimatnetzes. Die SIM kennt ihre eigene Rufnummer im Regelfall nicht.
Zwar existiert im Dateisystem der SIM ein optionales Elementarfile für diesen Zweck (EF_MSISDN), das jedoch häufig gar nicht oder mit einem veralteten Wert beschrieben ist. Es dient allein der Anzeige auf dem Endgerät und wird für Vermittlung oder Abrechnung nicht herangezogen. Wenn ein Mobiltelefon die eigene Nummer nicht anzeigen kann oder eine falsche nennt, ist das die Ursache — ein Zustand ohne jede Auswirkung auf die Funktion des Anschlusses.
Rolle beim Verbindungsaufbau
Die MSISDN adressiert einen Teilnehmer, nicht einen Ort im Netz. Da ein Mobilteilnehmer seinen Aufenthaltsort ändert, muss bei jedem ankommenden Ruf zunächst ermittelt werden, wohin die Verbindung tatsächlich zu leiten ist.
Im klassischen Ablauf geschieht dies in mehreren Schritten:
- Die Vermittlungsstelle des Anrufers leitet den Ruf anhand der MSISDN an das Gateway MSC (GMSC) des Heimatnetzes.
- Das GMSC fragt beim HLR die Routing-Information zur MSISDN ab.
- Das HLR kennt das aktuell zuständige Besucherregister (VLR) und fordert von dort eine temporäre Wegewahlnummer an.
- Das VLR vergibt eine MSRN (Mobile Station Roaming Number) aus dem Nummernvorrat des besuchten Netzes und meldet sie zurück.
- Das GMSC leitet den Ruf anhand der MSRN zur zuständigen Vermittlungsstelle, die den Teilnehmer ruft.
Die MSISDN wird also nur für die Adressierung verwendet, die eigentliche Wegewahl erfolgt über die MSRN. Diese ist temporär, wird nach dem Verbindungsaufbau wieder freigegeben und ist von außen nicht bekannt.
Rufnummernportierung
Ursprünglich war jeder NDC-Bereich fest einem Netzbetreiber zugeordnet, sodass sich das zuständige Netz unmittelbar aus der Rufnummer ableiten ließ. Mit der Einführung der Mobilfunk-Rufnummernportierung gilt dies nicht mehr: Die MSISDN bleibt beim Teilnehmer, auch wenn dieser den Anbieter wechselt.
Für die Vermittlung bedeutet das einen zusätzlichen Schritt — vor der Wegewahl muss in einer Portierungsdatenbank geprüft werden, welchem Netz die Nummer aktuell zugeordnet ist.
Für die Praxis folgt daraus eine wichtige Einschränkung: Aus der Vorwahl lässt sich der Netzbetreiber nicht mehr erschließen. Anwendungen, die anhand des NDC auf den Anbieter schließen — etwa zur Tarifermittlung oder für Versandwege bei SMS — arbeiten seither fehlerhaft.
MSISDN in LTE, IMS und 5G
Mit dem Übergang zu paketvermittelten Netzen hat die MSISDN ihre Rolle als primäre Kennung teilweise abgegeben, ist aber nicht verschwunden.
In LTE-Netzen bleibt sie Bestandteil der Teilnehmerdaten im HSS. Für Sprachdienste über IMS wird sie auf eine öffentliche Nutzeridentität abgebildet, üblicherweise als Tel-URI in der Form tel:+4915112345678, ergänzt um eine gleichwertige SIP-URI. Die Signalisierung selbst arbeitet dann mit diesen Identitäten.
In 5G-Netzen wird begrifflich getrennt: Die netzinterne Kennung ist die SUPI (Subscription Permanent Identifier), die externe die GPSI (Generic Public Subscription Identifier). Die MSISDN ist eine mögliche Ausprägung der GPSI — die andere ist ein netzexterner Bezeichner ohne Rufnummerncharakter.
Damit ist ausdrücklich vorgesehen, dass ein Teilnehmerverhältnis gar keine MSISDN besitzt. Für reine Datenanschlüsse in Maschinenkommunikation und IoT-Anwendungen, die weder Sprache noch SMS nutzen, ist eine Rufnummer entbehrlich; sie wird dort zunehmend weggelassen.
Darstellung in der Signalisierung
In den Protokollen der Kernnetze wird die MSISDN nicht als Zeichenkette übertragen, sondern in TBCD-Kodierung (Telephony Binary Coded Decimal): Je zwei Ziffern belegen ein Oktett, wobei die niederwertige Ziffer zuerst steht. Vorangestellt ist ein Oktett, das die Art der Adresse (national, international) und den zugrunde liegenden Nummerierungsplan angibt.
Beim Auswerten von Signalisierungsspuren oder Datenbankinhalten führt die vertauschte Ziffernreihenfolge regelmäßig zu Fehlinterpretationen. Wer Rufnummern in Anwendungen speichert, sollte konsequent im internationalen E.164-Format ohne Trennzeichen normalisieren — die parallele Ablage nationaler und internationaler Schreibweisen ist eine typische Quelle für doppelte Datensätze und fehlschlagende Abgleiche.
Sicherheits- und Datenschutzaspekte
Die MSISDN ist ein personenbezogenes Datum und zugleich ein weit verbreiteter Identifikator: Zahlreiche Dienste nutzen sie als Benutzerkennung oder als Zustellweg für Einmalkennwörter. Daraus ergeben sich mehrere Angriffsflächen.
SIM-Swapping. Wird die MSISDN durch Täuschung des Anbieters auf eine vom Angreifer kontrollierte SIM übertragen, gehen sämtliche darüber zugestellten Bestätigungscodes an den Angreifer. Da die Zuordnung MSISDN↔IMSI serverseitig geführt wird, genügt dafür ein administrativer Vorgang beim Netzbetreiber — physischer Zugriff auf das Gerät ist nicht erforderlich. Eine Zwei-Faktor-Authentisierung per SMS ist deshalb erheblich schwächer als Verfahren mit an das Endgerät gebundenen Schlüsseln.
Ausnutzung der Signalisierung. In Netzen mit unzureichend gefiltertem SS7-Zugang lassen sich über MAP-Operationen anhand der MSISDN Informationen über einen Teilnehmer abfragen, darunter das zuständige Besucherregister und damit grobe Aufenthaltsinformationen. Betreiber begegnen dem mit SS7-Firewalls und Plausibilitätsprüfungen.
Aufzählbarkeit. Rufnummernbereiche sind dicht belegt und systematisch durchprobierbar. Dienste, die zu einer eingegebenen Rufnummer erkennen lassen, ob ein Konto existiert, ermöglichen damit das Abgleichen ganzer Nummernbereiche.
Übermittlung durch das Netz. Mobilfunknetze haben die MSISDN in der Vergangenheit in HTTP-Anfragen eingefügt, sodass aufgerufene Webangebote sie ohne Zutun des Nutzers erhielten. Verschlüsselte Verbindungen verhindern dieses Verfahren, es bleibt aber ein Grund, Rufnummern nicht als vertrauliche Kennung zu behandeln.