Einblasen

Beim Einblasen wird die Glasfaser nicht durch ein Rohr gezogen, sondern mit Druckluft hineingetrieben. Das Verfahren ist schonender und erlaubt deutlich größere Längen.

Wie das Einblasen funktioniert

Beim Einblasen wird zunächst ein leeres Rohr verlegt und erst danach die Faser eingebracht. Ein Gerät schiebt das Kabel mechanisch an, während gleichzeitig Druckluft in das Rohr gepresst wird.

Die Luft strömt am Kabel entlang und nimmt es durch Reibung mit. Diese Kraft wirkt über die gesamte Länge verteilt, nicht nur am vorderen Ende. Darin liegt der entscheidende Unterschied zum Einziehen, bei dem das Kabel an einem Seil gezogen wird und die Zugkraft vollständig auf die Spitze wirkt.

Weil die Belastung verteilt ist, sind Strecken von mehreren hundert bis über tausend Metern in einem Zug möglich. Auch Bogen und Kurven sind unkritischer.

Fachlich unterscheidet man zwei Anteile, die zusammenwirken: das Schieben durch die Vorschubräder des Geräts und das Mitnehmen durch die Luftströmung. Bei kurzen Strecken trägt der Vorschub den größeren Teil, bei langen die Strömung — deshalb steigt die Bedeutung eines sauberen, dichten Rohrs mit der Länge.

Mikrorohre und Speedpipe

Verwendet werden Mikrorohre aus Kunststoff. Im Sprachgebrauch auf der Baustelle und in Foren heißen sie fast durchgehend Speedpipe, nach einem Produktnamen des Herstellers Gabocom, der sich als Gattungsbezeichnung durchgesetzt hat. Andere Hersteller führen vergleichbare Systeme unter eigenen Namen.

Speedpipe am Haus für Fiber to the Home
Speedpipe für einen FTTH-Anschluss

Übliche Abmessungen für den Hausanschluss sind 7 mm Außen- und 4 mm Innendurchmesser, geschrieben als 7/4. Größere Varianten sind etwa 10/8, 12/10 oder 14/10 Millimeter.

Mehrere Mikrorohre werden zu einem Bündel zusammengefasst und gemeinsam verlegt. Jedes Rohr kann später eine eigene Faser aufnehmen, auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und für unterschiedliche Betreiber.

Die Rohre sind farbcodiert, damit sich an beiden Enden dieselbe Leitung wiederfinden lässt. Ungenutzte Rohre werden mit einer Kappe verschlossen, damit weder Wasser noch Schmutz eindringt.

Entscheidend für das Einblasen ist das Verhältnis von Kabel zu Rohr. Als Faustregel soll das Kabel deutlich dünner sein als der Innendurchmesser — liegt es zu eng, bremst die Reibung, liegt es zu lose, nimmt die Strömung es schlecht mit. Die Hersteller geben für jede Rohr-Kabel-Kombination eine zulässige Länge an; diese Angaben gelten für gerade, saubere Strecken.

Einblaslängen, Druck und Geschwindigkeit

GrößeTypischer Bereich
Arbeitsdrucketwa 10 bis 15 bar
Einblasgeschwindigkeitetwa 30 bis 80 m/min
Länge in einem Zugmehrere hundert bis über 1.000 m

Die Werte hängen stark voneinander ab: Wer mit hohem Druck schnell einbläst, erreicht nicht automatisch mehr Länge — bei zu hoher Geschwindigkeit staucht sich das Kabel im Rohr und blockiert. Erfahrene Monteure fahren deshalb langsamer, wenn die Strecke lang ist.

Ein Gleitmittel senkt die Reibung zusätzlich. Es muss zum Rohr- und Kabelmantel passen; ein falsches Mittel greift den Kunststoff an.

Warum Glasfaser eingeblasen und nicht eingezogen wird

Ausbau in zwei Schritten. Die Rohre können bei Gelegenheit mitverlegt werden, etwa wenn ohnehin gegraben wird. Die Faser folgt später, wenn der Anschluss gebraucht wird. Das ist der Zusammenhang, der das Leerrohr zum größten Kostenhebel im Ausbau macht.

Spätere Nachrüstung. Eine neue Faser lässt sich ohne Tiefbau einbringen. Das ist der Hauptgrund, warum Netzbetreiber diesen Weg wählen.

Weniger Spleiße im Erdreich. Große Einblaslängen bedeuten weniger Verbindungsstellen. Jede Verbindung im Boden ist ein Schwachpunkt.

Schonende Behandlung. Die Faser wird weder überdehnt noch über Kanten gezogen.

Einblasen in der Hausinstallation

Auch zwischen Hausübergabepunkt und Wohnung wird eingeblasen, sofern ein Rohr vorhanden ist. Daraus ergibt sich ein praktischer Hinweis vor dem Installationstermin: Soll die Anschlussdose nicht dort sitzen, wo die Faser ins Haus kommt, muss ein geeignetes Rohr mit ausreichendem Biegeradius vorhanden sein.

Ein zu enger Bogen, eine Quetschung oder ein Knick im Rohr verhindert das Einblasen. Der Techniker steht dann vor dem Problem, und der Termin ist vertan. Wer die Verlegung selbst vorbereitet, zieht deshalb vorab einen Draht durch und prüft, ob die Strecke frei ist.

Ein verbreitetes Ärgernis ist ein zu kurz abgeschnittenes oder zurückgezogenes Mikrorohr am Hausübergabepunkt. Nachbeschaffen lässt es sich, weil die gängigen Abmessungen im Handel erhältlich sind, samt Kupplungen und Hauseinführungen.

Wo das Einblasen an Grenzen stößt

Die erreichbare Länge hängt von Rohrdurchmesser, Kabelgewicht, Zahl und Enge der Bogen sowie vom Zustand der Rohrinnenwand ab. Herstellerangaben gelten für günstige Bedingungen.

Bei sehr langen Strecken wird in Abschnitten gearbeitet, mit zusätzlichen Geräten an Zwischenpunkten.

Verschmutzte oder eingedrückte Rohre sind der häufigste Grund für das Scheitern. Deshalb wird vor dem Einblasen üblicherweise mit einem Kalibriermolch geprüft, ob der Querschnitt durchgehend frei ist, häufig verbunden mit einer Dichtheitsprüfung mit Druckluft. Beides kostet Minuten und erspart den vergeblichen Anlauf.

Kälte ist der unterschätzte Faktor: Bei niedrigen Temperaturen werden Rohr und Kabelmantel steifer, die erreichbare Länge sinkt spürbar.

Abgrenzung

Beim Einziehen wird das Kabel an einem Seil durch das Rohr gezogen. Das Verfahren ist für kurze Strecken geeignet und bei Kupferkabeln üblich.

Der Kabelpflug verlegt Kabel oder Rohre direkt im Erdreich, ohne offenen Graben. Er betrifft die Verlegung der Rohre, nicht das Einbringen der Faser — ebenso wie die übrigen Verlegeverfahren.

Spleißen verbindet zwei Fasern miteinander und ist ein eigener Arbeitsschritt nach dem Einblasen.

Leerrohr ist das, worin eingeblasen wird; dort stehen Bauformen, Dichtheit und Mitverlegung.

Quellen

  • IEC 60794-5: Optical fibre cables, Sectional specification for microduct cabling
  • DIN EN 50411: Faseroptische Spleißkassetten und Gehäuse
  • Herstellerangaben zu Mikrorohrsystemen und zulässigen Einblaslängen

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