Elektrosmog

Elektrosmog ist ein Kunstwort aus „Elektro“ und „Smog“, das selbst aus dem Englischen smoke und fog gebildet ist. Gemeint sind die künstlichen Felder, die Stromversorgung, Elektrogeräte und Funk erzeugen, und die Sorge, dass sie der Gesundheit schaden.

Fachlich heißen diese Felder elektromagnetische Felder (EMF). Das Bundesamt für Strahlenschutz hält das Wort Elektrosmog für unglücklich: Es legt eine Belastung wie durch Luftschadstoffe nahe, die es in dieser Form nicht gibt. Gesetze und Normen verwenden es nicht.

Quellen von Elektrosmog im Alltag

Hinter dem Wort stecken zwei physikalisch verschiedene Arten von Feldern, die man getrennt betrachten muss.

ArtFrequenzQuellen im HausQuellen draußen
Niederfrequent16,7 Hz, 50 Hz bis 9 kHzHausinstallation, Sicherungskasten, Haushaltsgeräte, Netzteile, InduktionskochfeldHochspannungsleitung, Trafostation, Bahnstrom
Hochfrequent9 kHz bis 300 GHzHandy, WLAN-Router, DECT-Telefon, Babyphone, Mikrowellenherd, Smart Meter mit FunkMobilfunkbasisstation, Rundfunksender, Radar
Statisch0 HzMagneteGleichstromleitungen, Straßenbahn

Welche Quelle am meisten beiträgt, hängt vor allem vom Abstand ab. Felder nehmen mit der Entfernung schnell ab. Deshalb sind körpernah genutzte Geräte wie Handy, Föhn oder Rasierer oft die stärkste Quelle, nicht der Mast auf dem Nachbardach.

Was gesundheitlich belegt ist

Belegt sind zwei Wirkungen, beide erst bei hohen Feldstärken:

  • Niederfrequenz: Das Feld induziert Ströme im Körper. Sind sie stark genug, reizen sie Nerven und Muskeln.
  • Hochfrequenz: Gewebe nimmt Energie auf und erwärmt sich.

Die Grenzwerte der Verordnung über elektromagnetische Felder liegen mit einem Sicherheitsfaktor unter den Schwellen dieser Wirkungen. Nach Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz gibt es unterhalb der Grenzwerte keine belegten gesundheitlichen Wirkungen; schädliche nichtthermische Effekte schwacher Hochfrequenzfelder sind nicht nachgewiesen.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte hochfrequente Felder 2011 als „möglicherweise krebserregend“ ein (Gruppe 2B), gestützt auf begrenzte Hinweise zu Kopftumoren bei intensiver Handynutzung. Drei von der WHO beauftragte systematische Übersichtsarbeiten fanden 2024 keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Hirntumoren, oxidativen Stress oder schlechtere kognitive Leistungen. Offen sind nach Ansicht des BfS noch Fragen zu Langzeitwirkungen und zu Kindern.

Elektrosensibilität

Rund ein Prozent der Bevölkerung bezeichnet sich als elektrosensibel und führt Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen auf Felder zurück. Elektrosensibilität ist keine medizinische Diagnose. In Studien, in denen Testpersonen nicht wussten, ob ein Feld eingeschaltet war, ließ sich kein Zusammenhang zwischen Feld und Beschwerden zeigen. Das BfS hält einen Nocebo-Effekt für wahrscheinlich: Die Erwartung einer Schädigung trägt zu den Beschwerden bei.

Grenzwerte und wer sie prüft

QuelleRegelungPrüfung
Funkanlagen ab 10 W EIRP26. BImSchV, Nachweis nach BEMFVBundesnetzagentur, Standortbescheinigung
Stromleitungen und Umspannanlagen26. BImSchVLandesbehörden
Handys und andere EndgeräteProduktrecht, Spezifische Absorptionsrate 2 W/kgHersteller, Marktüberwachung
HaushaltsgeräteProduktnormenHersteller, Marktüberwachung

Die Standorte der Funkanlagen und die Messorte der Bundesnetzagentur zeigt die EMF-Karte; wie man sie liest, erklärt der Guide Standortbescheinigung für Mobilfunkantennen in der EMF-Karte.

Elektrosmog messen

Wer selbst messen will, braucht für Nieder- und Hochfrequenz verschiedene Geräte. Ein Gerät für den Mobilfunk zeigt das Feld eines Kabels nicht an und umgekehrt.

  • Breitbandige Messgeräte zeigen die Summe über einen Frequenzbereich. Welche Quelle wie viel beiträgt, sagen sie nicht.
  • Frequenzselektive Messungen mit Spektrumanalysator und kalibrierter Antenne trennen die Quellen. Das ist die Methode der Bundesnetzagentur und der Sachverständigen.
  • Momentaufnahme gegen Mittelwert. Die Grenzwerte gelten als Mittelwert über sechs Minuten bei voller Auslastung der Anlage. Eine Einzelmessung im Wohnzimmer bildet weder das eine noch das andere ab.

Das Bundesamt für Strahlenschutz verleiht gegen Gebühr Personenexposimeter für Nieder- und Hochfrequenz, die man 24 Stunden am Körper trägt. Das BfS wertet die Daten aus und schickt einen Bericht. Die Ergebnisse sind informativ und nicht für Beweiszwecke gedacht.

Was gegen Elektrosmog hilft

Am wirksamsten ist Abstand: schon wenige Zentimeter zwischen Körper und Gerät senken die Exposition deutlich. Beim Handy helfen Headset oder Freisprechen und guter Empfang, weil das Gerät bei schlechtem Empfang mit höherer Leistung sendet.

Sogenannte Schutzprodukte wie Abschirmmatten, Baldachine, Aufkleber, Spezialfarben oder „Neutralisierer“ hält das BfS für unnötig. Viele haben keine messbare Wirkung. Abschirmungen können sogar schaden: Verschlechtern sie den Empfang des Handys, erhöht es seine Sendeleistung.

Abgrenzung

Ionisierende Strahlung. Röntgenstrahlung und Radioaktivität sind kein Elektrosmog. Ihre Energie reicht, um Atome zu ionisieren; das können Funk- und Netzfelder nicht.

Elektromagnetische Verträglichkeit. Hier geht es um Geräte, die sich gegenseitig stören, nicht um Menschen.

Erdstrahlen. Werden oft im selben Atemzug genannt, sind aber kein physikalisch nachgewiesenes Feld.

Weblinks

Erstellt: