Mobilfunkstrahlung
Mobilfunkstrahlung ist der übliche Name für die hochfrequenten elektromagnetischen Felder, mit denen Handys und Basisstationen Daten austauschen. Physikalisch ist das Wort richtig, denn eine Antenne strahlt Energie ab. Mit radioaktiver Strahlung hat es nichts zu tun: Mobilfunk ist nicht ionisierend.
Die Felder kommen aus zwei Richtungen, und für beide gelten eigene Regeln.
Basisstation und Handy
| Basisstation | Handy | |
|---|---|---|
| Sendeleistung | mehrere zehn Watt je Anlage, an Standorten mit mehreren Anlagen über 100 W | bei LTE und 5G in der Regel höchstens 0,2 W, bei GSM bis 2 W Pulsspitze |
| Abstand zum Körper | Meter bis Hunderte Meter | Zentimeter |
| Regelung | Grenzwerte der 26. BImSchV, Standortbescheinigung | Produktrecht, Spezifische Absorptionsrate |
| Grenzwert | 37,9 bis 61 V/m je nach Frequenz | 2 W/kg, gemittelt über 10 g Gewebe an Kopf und Rumpf |
Weil die Leistungsflussdichte mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, trägt das Handy am Ohr meist mehr zur persönlichen Exposition bei als der Mast in der Nachbarschaft. Ein Handy regelt seine Sendeleistung nach dem Empfang. Bei gutem Netz sendet es mit einem Bruchteil der Maximalleistung, bei schlechtem Netz deutlich stärker. Ein Mast in der Nähe kann die Exposition durch das eigene Handy also senken.
Grenzwerte nach Frequenz
Die Grenzwerte für Basisstationen stehen in der Verordnung über elektromagnetische Felder. Sie gelten als Mittelwert über sechs Minuten bei voller Auslastung und für die Summe aller Anlagen am Ort.
| Netz | Frequenz | Elektrische Feldstärke | Leistungsflussdichte |
|---|---|---|---|
| 5G | 700 MHz | 37,9 bis 38,6 V/m | 3,8 bis 4,0 W/m² |
| LTE | 800 MHz | 38,9 V/m | 4,0 W/m² |
| GSM, LTE | 900 MHz | 41,3 V/m | 4,5 W/m² |
| GSM, LTE | 1800 MHz | 58,3 V/m | 9,0 W/m² |
| 5G, LTE | 2 GHz, 2,6 GHz | 61 V/m | 9,9 W/m² |
| 5G | 3,6 GHz | 61 V/m | 9,9 W/m² |
Für 5G gelten keine eigenen Grenzwerte, sondern dieselben wie für alle anderen Funkdienste auf der jeweiligen Frequenz.
5G-Strahlung: was sich ändert
5G nutzt in Deutschland vor allem drei Bereiche: 700 MHz, 2 GHz und um 3,6 GHz. Für lokale Netze, etwa auf Werksgeländen, teilt die Bundesnetzagentur zusätzlich 3,7 bis 3,8 GHz und 24,25 bis 27,5 GHz zu. Die technischen Unterschiede der Bänder beschreibt der Artikel Mobilfunk 5G.
Für die Exposition sind drei Punkte neu:
Beamforming. Antennen mit vielen Elementen bündeln das Signal auf das Endgerät, statt es gleichmäßig in den Sektor zu senden. Nach Einschätzung des BfS kann dadurch die Exposition dort sinken, wo gerade kein Nutzer ist. Dem stehen wachsende Datenmengen gegenüber.
Kleinzellen. Small Cells senden mit geringer Leistung, hängen aber näher an Menschen, etwa an Laternen und Haltestellen. Das BfS erwartet deshalb eine größere Spannweite der Expositionen.
Höhere Frequenzen. Je höher die Frequenz, desto weniger dringt das Feld in den Körper ein; im Bereich um 26 GHz bleibt es im Wesentlichen an der Oberfläche. Mögliche Wirkungen beträfen Haut und Augen, nicht innere Organe. Für 26 bis 86 GHz gibt es bisher wenige Studien; das BfS sieht hier Forschungsbedarf.
Mobilfunk und Gesundheit: Stand der Forschung
Nachgewiesen ist als Wirkung hochfrequenter Felder die Erwärmung von Gewebe. Die Grenzwerte liegen deutlich darunter. Schädliche Wirkungen unterhalb der Grenzwerte sind nach Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz nicht belegt.
| Untersuchung | Jahr | Ergebnis |
|---|---|---|
| IARC-Bewertung | 2011 | hochfrequente Felder „möglicherweise krebserregend“ (Gruppe 2B), auf Basis begrenzter Hinweise zu Kopftumoren bei intensiver Handynutzung |
| Systematische Übersichten im Auftrag der WHO | 2024 | keine Hinweise auf erhöhtes Risiko für Hirntumoren durch Handys, schnurlose Telefone oder Basisstationen; keine belegten Effekte auf oxidativen Stress oder kognitive Leistungen |
| Kohortenstudie COSMOS, Fall-Kontroll-Studie MOBI-KIDS | 2021 bis 2024 | keine erhöhte Hirntumorrate |
Offen bleiben nach Ansicht des BfS Langzeitwirkungen bei intensiver Handynutzung, weil sich Krebserkrankungen über 20 bis 30 Jahre entwickeln können, sowie Fragen zur Wirkung auf Kinder.
Wie hoch die Belastung tatsächlich ist
Die Bundesnetzagentur misst in EMF-Messreihen an öffentlichen Plätzen, Schulen, Kitas und in Wohngebieten und gibt das Ergebnis als Grenzwertausschöpfung in Prozent an. Im Beispiel des Guides Standortbescheinigung für Mobilfunkantennen in der EMF-Karte liegen die Werte in Berlin bei Bruchteilen eines Prozents.
Wer die eigene Exposition senken will:
- Headset oder Freisprechen nutzen; schon wenige Zentimeter Abstand wirken.
- Bei schlechtem Empfang wenig telefonieren, weil das Handy dann stärker sendet.
- Auf Abschirmprodukte verzichten. Sie verschlechtern oft den Empfang und erhöhen so die Sendeleistung des Handys.
Abgrenzung
WLAN und DECT. Gleiche Physik, deutlich geringere Leistung: Ein WLAN-Router darf bei 2,4 GHz höchstens 100 mW EIRP abstrahlen.
Elektrosmog. Umgangssprachlicher Sammelbegriff, der neben Mobilfunk auch niederfrequente Felder von Stromleitungen und Geräten meint.
Ionisierende Strahlung. Röntgen und Radioaktivität verändern Atome; Mobilfunkfelder können das nicht.